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Schleswig-Holstein Wie gefährlich sind Tik Tok und Co.?
Nachrichten Schleswig-Holstein Wie gefährlich sind Tik Tok und Co.?
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18:33 05.11.2019
Von Anne Holbach
Marit Hansen, Landesbeauftragte für Datenschutz Schleswig-Holstein, spart nicht an Kritik – etwa an Unternehmen, die ohne jeden Gedanken an Datenschutz neueste Technik anbieten. Quelle: fpr: Frank Peter
Kiel

Ich habe den Eindruck, Deutsche sind beim Umgang mit ihren Daten schon ziemlich sensibilisiert. Zugleich geben wir aber, um Apps und Soziale Medien zu nutzen, oft bereitwillig Daten preis. Woran liegt dieses widersprüchliche Verhalten?

Marit Hansen: Ein gewisses Risikobewusstsein ist tatsächlich hier oft stärker ausgeprägt als in anderen Staaten. Das kann noch damit zusammenhängen, dass wir eine Geschichte haben, die mehrfach mit Überwachung zu tun hatte. Auf der anderen Seite kommt aber schnell die Frage auf: Bin ich überhaupt eine Person, die beobachtet wird? Ich bin doch gar nicht so wichtig. Außerdem ist es natürlich bequemer, wenn man die Informationen hergibt, die bei Facebook, Instagram und so weiter abgefragt werden. Wenn ich das nicht möchte, kann es passieren, dass ich bestimmte Funktionen nicht nutzen kann.

Haben wir Facebook und Co. zu lange einfach mal machen lassen, bis uns die ersten Skandale aufgezeigt haben, was mit unseren Daten alles passieren kann?

Das alte Recht hat zu wenig Handhabe gegeben, um dort einzugreifen. Jetzt ist das mit der Datenschutzgrundverordnung eigentlich strikter. Ich sage eigentlich, weil anscheinend einige der großen Firmen inzwischen sogar mehr und noch sensiblere Daten verarbeiten als vorher, obwohl aus meiner Sicht genau dort bestimmte Dinge unzulässig wären – zum Beispiel die biometrischen Daten von den Gesichtern der Leute auf Fotos bei Facebook. Jetzt fragt Facebook zwar die Nutzer, ob sie diese Daten verarbeiten dürfen. Facebook verwendet bei der Abfrage aber, wie eine Studie gezeigt hat, ein datengieriges und manipulatives Design. Facebook liefert den Nutzern nur einseitige Argumente, warum es für ihre Sicherheit gut sein soll, den Zugriff auf die biometrischen Daten zuzulassen. Als Nutzer trifft man also seine Entscheidung, ohne genau über die Verarbeitung und die Risiken Bescheid zu wissen.

Warum ist das Erfassen von biometrischen Daten so gefährlich?

Es kann technisch alles Mögliche zur Identifizierung von Personen damit gemacht werden. Biometrische Daten verändern sich über das Leben kaum. Das heißt, wenn ich als Jugendlicher irgendwo gespeichert worden bin, kann ich sehr wahrscheinlich auch mit 40 oder 80 Jahren noch erkannt werden. Inzwischen ist die Technik im Bereich Foto und Video schon so mächtig, dass sich aus Massen im Sportstadion oder bei einer Demonstration Gesichter technisch herausfiltern lassen. Abgesehen von der Identifizierung kann die Analyse auch Informationen zu Gemütszuständen oder Krankheiten liefern. So etwas interessiert natürlich nicht nur Werbetreibende, sondern auch Sicherheitsbehörden, Arbeitgeber oder Krankenkassen.

Bei vielen jungen Leuten ist die chinesische App Tik Tok hoch im Kurs, ein Videoportal für die Lippensynchronisation von Musikclips. Was haben Sie hier für Bedenken?

Bei Tik Tok kann aus den Videos nicht nur auf das Shirt, die Hose oder die Schuhe gezoomt werden, sondern so auch festgestellt werden, wo es die Sachen zu kaufen gibt. Ähnlich funktioniert die Gesichtserkennung. Darüber können mir andere Videos vorgeschlagen werden, in denen diese Person vorkommt – auch wenn sie nur irgendwo im Hintergrund zu sehen ist, zum Beispiel auf einer Demonstration. Das könnte bei der Einreise in ein anderes Land dazu führen, dass Behörden entscheiden: Dich lassen wir nicht rein.

Und diese Daten liegen dann irgendwo in China, und wir wissen nicht, was damit passiert?

In China oder anderswo. China gehört nicht zu den Staaten, die ein Datenschutzniveau gewährleisten, das wir als okay betrachten. In China ist der Einsatz von Gesichtserkennung schon stark ausgeprägt. Da gibt es Automaten, bei denen man keine Bankkarte braucht, um einen Schokoriegel zu ziehen, sondern das Gesicht reicht dafür. Das ist zu wirtschaftlichen Zwecken gedacht, aber die Koppelung an staatliche Datenbanken halte ich nicht für fernliegend. Aus europäischer Sicht habe ich aber auch ein Problem, wenn meine Daten in den USA oder in Russland liegen und sie außerhalb unserer Einflussmöglichkeiten liegen. Das erhöht die Risiken für einen Missbrauch der Daten.

Auch Sprachassistenten wie Alexa spielen eine immer größere Rolle. Damit sie ihre Funktionsweise verbessern können, müssen sie lernen und Daten sammeln. Dafür erleichtern sie einem vieles im Alltag.

Aber das alles sind Systeme, hinter denen ökonomische Interessen liegen. Ich zahle nicht nur mit Daten für den Service, sondern auch, weil ich auf die Werbung reagiere und immer mehr bei Amazon bestelle. Dafür – so soll es sich anfühlen - ist Alexa für mich da und passt auf mich auf. Amazon hat zum Beispiel Patente darauf, dass schon an der Stimme die Gefühle oder der Gesundheitszustand einer Person erkannt werden. Das heißt, wenn eine Frau reinkommt und ein bisschen hustet, kann Alexa reagieren. Sie könnte dann anbieten, das Rezept für eine Hühnersuppe herauszusuchen oder Hustenbonbons zu bestellen, die in einer Stunde lieferbar wären, natürlich von Amazon. Wenn ich weine, könnte sie mir einen Therapeuten vorschlagen. Das bedeutet, Alexa kümmert sich, weiß aber auch viel über mich. Alexa ist aber kein vertrauenswürdiger Butler, sondern ein Computer. Ob wir wirklich eine solche Unterstützung wollen, kann jeder bis zu einem gewissen Grad selbst entscheiden. Wenn solche Alexas aber in Hotelzimmern oder standardmäßig in Wohnungen eingebaut werden, bekommen wir eine Überwachungsstruktur, die auch für Sicherheitsbehörden und Geheimdienste interessant ist.

Mancher klagt, dass Datenschützer mit ihren Bedenken den technischen Fortschritt hemmen. Beim Thema vernetztes Zuhause könnten wir schon viel weiter sein. Was sagen Sie zu solcher Kritik?

Wenn die Entwickler und die Wirtschaft aus allem, was wir schon erlebt haben, mal lernen würden, wäre ich etwas beruhigter. Stattdessen geht es darum, schnell auf dem Markt zu sein und Dinge nicht zu hohen Preisen anzubieten. Das heißt oft, dass ein Anbieter, der sorgfältig entwickelt, auf die Risiken achtet und darauf, dass die Datensicherheit im Griff ist, nicht belohnt wird. Im Bereich Industrie 4.0, Smart Home oder bei vernetzten Autos sind noch viele Kinderkrankheiten zu finden. Vernetzte Systeme sind angreifbar, der Ansatzpunkt ist meist das schwächste Glied. Im Bereich Smart Home gibt es Beispiele, wie Hacking über eine Glühbirne funktioniert. Das Risikobewusstsein von Anbietern und Käufern ist noch nicht stark genug. Warum stolpert die Informationsgesellschaft hier weiter durch die Digitalisierung? Eigentlich kennen wir alle - vom Entwickler bis zum Gesetzgeber, vom Anbieter bis zum Nutzer - schon viele Fehler und wissen, was eben nicht passieren sollte. Aber wir lernen anscheinend nicht daraus.

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