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Schleswig-Holstein Apple will alle Häuser in Schleswig-Holstein filmen
Nachrichten Schleswig-Holstein Apple will alle Häuser in Schleswig-Holstein filmen
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11:56 27.07.2019
Von Bastian Modrow
In acht europäischen Ländern hat Apple bereits seine 360-Grad-Aufnahmen eingesammelt. Ab kommender Woche sind die Kamera-Fahrzeuge neben Schleswig-Holstein auch in allen anderen Bundesländern unterwegs. Quelle: Andrej Sokolow
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Kiel

Die Aufnahmen sollen aber auch für den neuen Panorama-Dienst Look Around genutzt werden. 2008 hatte Google bereits schon einmal vor, Schleswig-Holstein fotografisch zu erfassen. Die Pläne scheiterten am Widerstand kritischer Bürger und schließlich ganzer Städte und Gemeinden. Hunderte verlangten die Pixelung ihrer Häuser. Schließlich stampfte Google sein Projekt im Norden ein.

Schleswig-Holstein: Widerstand formiert sich

Mit 80 speziell ausgestatteten Fahrzeugen will nun Apple in Schleswig-Holstein und allen anderen Bundesländern bis September Städte und Kreise abfahren und mit 360-Grad-Kameras erfassen. Beim Bundesdatenschutzbeauftragten mehren sich die Beschwerden. Auch bei Hausbesitzern im Norden regt sich Widerstand: „Ich verstehe die Sorgen der Menschen, wenn über Jahre auf diesen Internet-Bildern zu sehen ist, dass man seinen Vorgarten nicht perfekt gepflegt hat oder wenn teure Autos vor dem Haus parken“, sagt Hansen. Sie sieht das Projekt kritisch, „wenn Menschen auf der Straße erkennbar sind oder gar in private Häuser hinein gefilmt wird.“ Menschen und Autokennzeichen müssten sofort verpixelt werden.

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Lesen Sie auch einen Kommentar von Bastian Modrow zu den Apple-Plänen

Kritik an Informationspolitik

Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz bemängelt vor allem die dürftige Informationspolitik des US-Konzerns. „Während britische Bürger informiert werden, wie sie auf Anforderung Personen, Autos und auch ihr Haus unkenntlich machen können, ist davon in Deutschland bisher keine Rede“, klagt Hansen. Auf der Homepage von Apple können nur „Nachfragen“ gestellt werden. Eine rechtliche Handhabe, sich grundsätzlich gegen das Abfilmen zu wehren, gibt es nicht.

Polizeigewerkschaft warnt vor Einbrechern

Kritik übt auch die Deutsche Polizeigewerkschaft: „Das Kartenmaterial wird für Straftäter die Möglichkeit schaffen, die baulichen Gegebenheiten von Wohn- oder Geschäftsgebäuden exakt auszuspähen“, sagt Landesvize Thomas Nommensen. Einbrecher würden Raubzüge immer professioneller planen: „Mit diesen Bildern müssen sie zum Auskundschaften nicht mehr vor Ort nach Objekten suchen, sondern können das am Laptop.“

Ministerium: Privatsphäre hat Priorität

Das Innenministerium kündigte an, das Projekt genau zu verfolgen. „Der Schutz der Privatsphäre der Menschen im Land hat ganz eindeutig eine sehr viel höhere Bedeutung als wirtschaftliche Interessen“, betonte Sprecher Tim Radtke.

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Frank Scheer 27.07.2019
KN-online (Kieler Nachrichten) 26.07.2019