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Schleswig-Holstein Naturfreunde kritisieren Umweltminister
Nachrichten Schleswig-Holstein Naturfreunde kritisieren Umweltminister
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11:00 28.12.2018
Von Heike Stüben
Das Grünland um den Kührener Teich bei Preetz wird extensiv beweidet, um die halboffene Landschaft als Lebensraum für Wiesenvögel, Amphibien und Insekten zu erhalten. Solches Dauergrünland ist besonders wertvoll - für die Artenvielfalt und den Schutz von Boden, Gewässern und Klima. Quelle: Stiftung Naturschutz
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Kiel

Dauergrünland ist für die Natur besonders wertvoll. Besonders wichtig in Zeiten der Klimaerwärmung: Dauergrünland kann viel Kohlenstoff speichern - je nach Bodenverhältnissen und Nutzung 3,7 bis 22 Tonnen CO2 pro Hektar im Jahr. Doch wird die Fläche neu umbrochen, wird CO2 wieder freigesetzt. Das aber passierte ab 1990 immer öfter: Damals gab es in Schleswig-Holstein 485200 Dauergrünland. Dann kam der Biogas-Boom. Man brauchte viel Mais, dafür wurde immer mehr Grünland zu Acker. 2010 gab es nur noch 314000 Hektar Dauergrünland. Seit 2013 wird das Grünland deshalb durch das Dauergrünlanderhaltungsgesetz geschützt. Das läuft nun aus. Der Bauernverband hält eine Neuauflage für überflüssig. Doch für Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) hat sich das Gesetz bewährt. Er will eine modifizierte Neuauflage.

Schutz vor Erosion

Danach schützt das Gesetz künftig nur noch besonders sensible Flächen  -  rund 147000 Hektar statt wie bisher 330000 Hektar.  Für Umwelt-Staatssekretärin Anke Erdmann (Grüne) kein Verlust: "Weil die EU jetzt einen stärkeren Schutz für die übrigen Flächen festgelegt hat, kommen wir mit der kleineren Kulisse im Landesgesetz aus, ohne dass es dadurch Abstriche für die Natur gibt.“ Erdmann sieht im Gegenteil Fortschritte in dem künftigen Landesgesetz: Erstmals würden auch 9000 Hektar Wind-Erosionsflächen geschützt. Und: Das Gesetz soll nicht mehr befristet werden.

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"Gesetz ist vertane Chance"

Umweltverbände werten dagegen den Gesetzentwurf als vertane Chance. Wenn die landesgesetzlich geschützte Fläche schon halbiert werde, dann müssten für diese Flächen Mindeststandards für Düngung, Pestizideinsatz, Schnittnutzung und Beweidung gelten. „Hierzu hat die Landesregierung leider nicht den Mut gehabt." Ina Walenda von den NaturFreunden Schleswig-Holstein kritisiert zudem „die vielen Ausnahmemöglichkeiten beim Umbruch des Dauergrünlandes“.

Einsatz von Glyphosat ist inakzeptabel

Völlig inakzeptabel findet Walenda, dass für die Grünlandpflege zur Neueinsaat weiterhin Totalherbizide wie Glyphosat erlaubt sein sollen. Dies stehe im Widerspruch zur jüngsten Ankündigung von Landwirtschaftsminister Albrecht, den Pestizid-Einsatz konsequent reduzieren zu wollen: „Damit hätte der Minister gleich beim Dauergrünlanderhaltungsgesetz beginnen müssen.“