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Schleswig-Holstein Diese Folgen hat der Dauerregen für die Landwirtschaft
Nachrichten Schleswig-Holstein Diese Folgen hat der Dauerregen für die Landwirtschaft
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09:17 27.02.2020
Von Bastian Modrow
Land unter auf den Wiesen und Feldern: So wie Landwirt Sönke Krohn aus Pohnsdorf geht es zurzeit vielen seiner Kollegen. Der Dauerregen hat ihre Äcker in Seenlandschaften verwandelt. Quelle: Ulf Dahl /Screenshot Infogram
Kiel

Der Norden versinkt im Regen: In Schleswig-Holstein hat es seit Jahresbeginn rekordverdächtig hohe Niederschläge gegeben. Vielerorts können die Regenmengen nicht im Boden versickern, in ländlichen Regionen stehen Koppeln und Wiesen unter Wasser. Für Landwirte wird die Feuchtigkeit zum Problem: Sie können ihre Felder nicht bestellen. Die Staunässe setzt den Pflanzen zu, bereits jetzt muss mit Ernteausfällen gerechnet werden.

110 Hektar Ackerland bewirtschaftet Sönke Krohn aus Pohnsdorf (Kreis Plön) in dritter Generation. An die Ernte 2020 mag der 56-Jährige gar nicht denken. Auf seinen Flächen, auf denen Weizen, Gerste, Roggen und Mais wachsen sollen, steht das Wasser. Die Wiesen, auf denen Futtergras für seine 80 Kühe grünen soll, gleichen einer Seenlandschaft. „Das Hochwasser macht uns schwer zu schaffen“, sagt der Landwirt.

Wetterdienst: Zu viel Regen, zu wenig Sonne

Landesweit werden zurzeit Regenrekorde gebrochen: 120 Liter pro Quadratmeter fielen seit Monatsbeginn in Kiel. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es nur 39 Liter gewesen, der langjährige Durchschnittswert liegt bei 47 Litern. In Dörnick (Kreis Plön) waren es mit 126 Litern sogar dreimal so viel wie im Durchschnitt. Bereits der Januar war deutlich zu feucht: In Kiel waren es 83 Liter. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es mit 41 Litern nur halb so viel Regen gewesen. Zugleich ließ sich seit Jahresbeginn die Sonne in keinem anderen Bundesland so selten blicken wie in Schleswig-Holstein zu selten blicken: Der Deutsche Wetterdienst zählte in den ersten zwei Monaten lediglich 50 Sonnenstunden.

Versiegelte Flächen verschärfen die Situation nach den Regenfällen

In den ersten zwei Monaten sind fast 300 Millimeter Regen gefallen – fast ein Drittel der durchschnittlichen Jahresmenge. Seit Anfang Februar habe sich die Situation in der Region mehr und mehr verschärft – nicht nur durch die Niederschläge von oben. „Es gibt ringsum immer mehr versiegelte Flächen, selbst das Wasser von der Autobahn 21 drängt über den Postsee in Richtung Schwentine“, sagt Krohn. Siebenmal so hoch wie üblich sei der Durchlauf des Gewässers.

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Die Folge: Die Gräben können die Wassermassen nicht mehr aufnehmen und fluten Wiesen und Äcker. Doch damit noch nicht genug: Häufig würden die Gräben nicht ausreichend genug gepflegt, von umgestürzten Bäumen, Laub und Versandungen befreit. „Unsere Großväter haben immer gesagt: Die Gräben müssen frei sein“, berichtet Krohn. Mit den Konsequenzen müssen seine Kollegen und er nun leben: „Selbst wenn es im März deutlich trockener wird, wir werden erst sehr viel später in die Äcker kommen – und das kostet Geld.“

Pflanzen saufen auf den Feldern ab

Vor allem um das Futter für seine Rinder sorgt er sich: „Üblicherweise kann man Ende März, Anfang April den ersten Grasschnitt einfahren. So tief wie die Wiesen aber zurzeit unter Wasser stehen, wird der in diesem Jahr komplett ausfallen.“ Krohn rechnet eher damit, dass er nach Abfließen des Hochwassers noch Gras nachsäen muss. Wie es um den Mais und die Getreidesorten bestellt ist, die Krohn Ende vergangenen Jahres als Spätsaaten ausgebracht hat, kann er noch nicht abschätzen. „Die Pflanzen stehen quasi mit den Füßen im Wasser, das hindert ihr Wachstum – ein Teil ist womöglich abgesoffen“, fürchtet der Pohnsdorfer.

So schwierig die Lage zurzeit aber auch ist: Zu sehr zu klagen, das liegt nicht im Naturell des Landwirts, dessen Sohn unlängst mit in den Betrieb eingestiegen ist. „Wir haben schon Hitzewellen und Dürren ausgehalten, dann werden wir auch dieses Hochwasser überstehen“, sagt Krohn. Wichtig sei es, Lehren zu ziehen – „erst recht, wenn uns solche Witterungslagen durch den Klimawandel künftig häufiger drohen sollten“.

Mehr Feuerwehreinsätze durch Dauerregen

Deutlich mehr Einsätze beschert der Dauerregen zurzeit den Feuerwehren: Im ganzen Land häufen sich die Fälle umgestürzter Bäume, die im aufgeweichten Boden ihren Halt verlieren, und vollgelaufener Keller. „Wie im Sommer können wir nur appellieren, Abflüsse und Rückschlagklappen zu kontrollieren und sich kritisch die Frage zu stellen, ob man immer die Feuerwehr alarmieren muss, um Regenwasser aus den Kellern zu schöpfen“, appelliert Holger Bauer vom Landesfeuerwehrverband.

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