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Schleswig-Holstein Den SPD-Kandidaten auf den Zahn gefühlt
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17:38 21.05.2019
Delara Burkhardt geht für die SPD auf Bundeslistenplatz fünf ins Rennen der Europawahl. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Delara Burkhardt hat sich in Brüssel schon mal nach einer Wohnung umgeschaut. Die SPD-Nachwuchspolitikerin steht auf Platz fünf der Bundesliste und zieht damit absehbar in das nächste Europaparlament ein. Das Nachsehen hat der von der Nord-SPD gekürte Spitzenkandidat Enrico Kreft. Der erfahrene Europapolitiker lächelt auf den Wahlplakaten zwar mit Burkhardt um die Wette, hat aber kaum eine Chance auf ein Mandat im EU-Parlament.

Delara Burkhard wirbt gemeinsam mit Enrico Kreft

„Es gibt zwischen uns kein böses Blut“, versichert Burkhardt, die in Siek (Kreis Stormarn) aufwuchs und in Kiel lebt. Auf den größeren Veranstaltungen werbe sie gemeinsam mit Kreft für die Sozialdemokratie. Gewissensbisse habe sie nicht, ergänzt die Vize-Juso-Bundesvorsitzende und erzählt, dass die SPD-Spitze auf der Suche nach jungen Kandidatinnen gewesen sei. „Ich habe schon immer europapolitisch gearbeitet“, berichtet die 26-Jährige. „Und ich gehöre nicht zu denen, die von der Seitenlinie meckern.“

Im EU-Parlament würde sich die Sozialökonomin, die bei einer Hamburger PR-Agentur arbeitet, am liebsten um die Migrationsproblematik kümmern. „Ich kann nicht einfach zusehen, wie Menschen im Mittelmeer ertrinken.“ Deshalb sei es nötig, eine vernünftige Seenotrettung auf die Beine zu stellen. Mit den Flüchtlingsorganisationen in Schleswig-Holstein halte sie Kontakt. Burkhardt weiß allerdings, dass sie bei der Vergabe der Fachgebiete in Brüssel möglicherweise zurückstecken muss. „Ich bin ja keine alte Häsin.“

SPD-Kandidaten wollen nach Brüssel

Im Wahlkampf setzt Burkhardt, die zum linken SPD-Flügel gehört, nicht nur auf traditionelle Saalveranstaltungen. „Rausgehen und Leute anquatschen“ sei eher ihr Ding. Das gilt auch für die sozialen Medien. „Auf Instagram bin ich sehr aktiv.“ Die Zahl ihrer Follower habe sich in den vergangenen Wochen fast verdoppelt, auf 3500. „Für einen Europapolitiker ist das ausgesprochen gut“, erklärt sie stolz. Auch als Abgeordnete will sie neue Wege gehen, jedes Jahr auf einer „Zuhören-Tour“ alle vier kreisfreien Städte und elf Landkreise besuchen, eine kommunale Runde einrichten und sich von Schulklassen beraten lassen.

Enrico Kreft nimmt es sportlich

Derweil kann Kreft seine Enttäuschung darüber nicht ganz verbergen, dass die Nord-SPD ihn im Herbst zum Spitzenkandidaten kürte, er dann aber weit hinter der unterlegenen Burkhardt auf der Bundesliste auf dem kaum aussichtsreichen Platz 30 landete. „Ich werde im Wahlkampf immer noch darauf angesprochen“, berichtet der Mitarbeiter eines Hamburger Verlags. Besonders bitter: Der 40-Jährige war schon bei den EU-Wahlen 2004 und 2009 auf hinteren Bundesplätzen dabei und hatte sich 2014 als zweiter Kandidat der Nord-SPD auf Platz 31 vorgearbeitet.

SPD-Europakandidat Enrico Kreft bei einem Wahlkampftermin im Café Freistil in Kiel. Quelle: Thomas Eisenkrätzer

„Ich nehme das aber sportlich“, betont Kreft. Sein Ziel sei es, möglichst viele Menschen zu motivieren, zur Europawahl zu gehen. Politisch sortiert sich der Lübecker in der SPD „eher links“ ein, auch bei seinem EU-Steckenpferd, der Digitalisierung. „Es ist wichtig, dass Großunternehmen, die Gewinne ohne Ende machen, sich am Allgemeinwohl zu beteiligen haben.“ Gemeint sind Facebook, Google und Co, die in EU-Steueroasen „Geschäfte mit unseren Daten machen“.

SPD-Kandidaten wollen für Europa begeistern

Handlungsbedarf sieht Kreft auch bei der EU-Landwirtschaftspolitik. Sie sei nicht nachhaltig, führe zu Massenproduktion und Dumpingpreisen. „Wir können doch nicht mit öffentlichen Geldern eine Landwirtschaft fördern, die exportorientiert ist und etwa in Afrika die Märkte kaputt macht.“ Kreft wirbt für den Öko-Landbau, ist aber auch hier nicht dogmatisch. „Bevor ich einen Öko-Apfel aus Neuseeland kaufe, greife ich lieber zu einem Apfel aus dem Alten Land.“

Einig sind sich Burkhardt und Kreft darin, dass die Schleswig-Holsteiner sich mehr für Europa begeistern als vor den vergangenen Wahlen. Es werde zwar über Vorgaben aus der EU gemault, das aber kritisch-konstruktiv, bilanziert Kreft. „Mein positiver Eindruck kann aber auch daran liegen, dass ich mich seit Wochen im Wahlkampf und damit in einer Blase bewege.“

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