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Schleswig-Holstein Für mehr Personal, gegen Pflegekammer
Nachrichten Schleswig-Holstein Für mehr Personal, gegen Pflegekammer
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15:43 12.05.2019
Von Heike Stüben
Mehr Zeit für menschliche Pflege forderten 600 Pflegekräfte am Sonnabend zum Tag der Pflege in Kiel. Aus vielen Landesteilen waren Delegationen aus der Alten- und Krankenpflege in die Landeshauptstadt gekommen. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Am meisten brennt den Pflegekräften die Arbeitsverdichtung auf der Seele. Ursache: In den Krankenhäusern und Altenpflegeeinrichtungen fehlt Personal. Patienten, Bewohner und Angehörige leiden darunter, erklärten die Teilnehmer immer wieder. Und sie betonten, dass sie ihre Belastungsgrenzen längst überschritten hätten.

Azubis berichteten, dass sie in Kliniken regelmäßig auf andere Stationen ausgeliehen werden, um dort den Ausfall von examinierten Kräften zu kompensieren. „Wir fordern ein System, das es endlich unmöglich macht, in einer Schicht allein als Azubi mit einer Pflegekraft für 30 Patienten zuständig zu sein“, rief Feline Kraack, Azubi an der UKSH-Akademie, unter lauten Beifall auf dem Asmus-Bremer-Platz. Die Ausbildung müsse komplett kostenfrei sei, es müsse genug Personal für Anleitungen in den Kliniken und ausreichend Lehrkräfte für den Unterricht geben.

Pflegefehler durch Personalnot

Auch Azubis in der Altenpflege meldeten sich zu Wort. „Mit der heutigen Arbeitsverdichtung gewinnt man keine jungen Leute für die Pflege“, erklärten Mila Marijanovic und Sandy Erich. „Die Schüler, die ein Praktikum machen, sind regelrecht geschockt, dass in vielen Heimen zwölf Tage am Stück in Wechselschicht gearbeitet wird. Bei uns im AWO-Haus arbeiten wir zehn Tage und haben vier frei. Das müsste Mindeststandard werden.“

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Die Arbeitsverdichtung gelte nicht nur für die eigentliche Pflege, sondern auch für Therapie, Betreuung, Reinigung und Hauswirtschaft. „Trotz des großen Einsatzes der Beschäftigten kommt es zu Pflegefehlern, erhöhtem Sterberisiko und Hygienemängeln. Unwürdige Situationen sind für Patienten, Bewohnern und Angehörige in Kliniken und Pflegeinrichtungen alltäglich geworden“, rief Christian Godau von der Gewerkschaft Verdi bei der Kundgebung auf dem Platz der Matrosen.

Frust über Arbeitsverdichtung

Ein Altenpfleger, der seit 15 Jahren im Beruf ist, berichtete von sieben Kollegen, die in dem letzten Jahr die Segel gestrichen und gekündigt hätten. „Ich selbst ziehe jetzt nach Bayern, weil ich da wenigstens mehr verdiene.“  

Der Frust sei überall groß, betätigte auch Manuela Rasmussen, Pflegefachkraft am Städtischen Krankenhaus in Kiel. „Die Personaluntergrenzen und das Pflegepersonalstärkungsgesetz von Gesundheitsminister Spahn helfen uns nicht. Im Stationsalltag bemerken wir keine Verbesserungen.“ Die Kollegin Antje Losse aus Flensburg forderte "Wir brauchen dringend mehr Köpfe, mehr Hände". 

Protest gegen Pflegeberufekammer

Die Gelbwesten unter den Demonstranten nutzten die Öffentlichkeit, um ihrem Unmut über die Pflegeberufekammer Luft zu machen. „Wir fordern von der Landesregierung, dass alle Pflegekräfte befragt werden, ob sie diese Kammer wollen. Es kann nicht sein, dass uns diese Vertretung aufgezwungen wird und wir dafür mit unseren Zwangsmitgliedsbeiträgen drei Millionen Euro aufbringen müssen“, sagte Ines Lobitz, die als Fachschwester für Anästhesie am UKSH Kiel arbeitet.

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