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Schleswig-Holstein "Zum Kitesurfen braucht man viel Platz"
Nachrichten Schleswig-Holstein "Zum Kitesurfen braucht man viel Platz"
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17:36 28.09.2019
Von Karen Schwenke
Im Landeshaus gilt Dennys Bornhöft (FDP) als Kenner der Kite-Szene, im Interview mit KN-online spricht er über den Sport in Schleswig-Holstein. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Der Landtagsabgeordnete Dennys Bornhöft (FDP) gilt im Landeshaus als Experte der Kitesurfer-Szene. Der in Preetz geborene Politiker (33) verhandelte vor zweieinhalb Jahren zu den Jamaika-Koalitionsverhandlungen neue Kite-Gebiete für die Westküste mit.

Herr Bornhöft, was halten Sie von kommunalen Kite-Verboten, wie sie in Strande kürzlich diskutiert wurden?

Dennys Bornhöft: Leider gibt es vereinzelte Kiter, die rücksichtslos sind. Sie fahren dort, wo sie nicht hingehören, oder bedrängen Badegäste. Das ist ärgerlich, weil so die komplette Sportart in Misskredit gerät. Wenn so etwas fortlaufend passiert, dann muss man sich nicht wundern, wenn eine Gemeinde den Riegel vorschiebt und das Kiten in ihrer Kommune verbietet oder mit anderen Maßnahmen einschränkt, indem sie etwa das Hafengebiet anders zuschneidet. Dafür gibt es einige Beispiele in Schleswig-Holstein. An der Westküste hat die Gemeinde Meldorf ein Kite-Verbot erlassen, an der Ostsee gab es die Debatte in Surendorf. In Strande geht man mit dem Thema umsichtig um und lässt alle Wassersportarten weiterhin zu: Segeln, Windsurfen, Schwimmen und Kiten. Damit es so bleibt, muss die Kite-Szene selbst ihre schwarzen Schafe herauspicken und ihnen sagen: „Wenn das nochmal passiert, dann sorgen wir dafür, dass du hier nicht wieder hinkommst.“

Da erwidern die Kiter, sie hätten keine Sanktionsmöglichkeiten, um gegen schwarze Schafe vorzugehen.

Ja, sie können nur darauf hinweisen und – nennen wir es mal – gesellschaftlichen Druck ausüben. 

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Vor zweieinhalb Jahren zu den Jamaika-Koalitionsverhandlungen hatten Sie neue Kite-Gebiete für die Westküste verhandelt. Die Vorgängerregierung plante auf Initiative von Umweltminister Robert Habeck (Grüne) ein weitreichendes Kite-Verbot an der Wattenmeer-Küste. Wie sah Ihr Kompromiss aus?

Die Positionen von Grünen und FDP waren maximal auseinander. Habeck forderte ein fast faktisches Kite-Verbot. Die FDP wollte gar keine Einschränkung von muskelbetriebenen Wassersportarten. Wir einigten uns darauf, dass ich eine Woche lang die komplette Westküste herunterfahre und mir alle Spots angucke. Ich habe mit Kitern und Kiteschulen vor Ort gesprochen, welche Flächen Sinn machen. Nur diese mussten wir dann ja auch als Kite-Flächen definieren. Nach der Recherche einigten wir uns auf Flächen und Spots, die insgesamt doppelt so große sind, wie die von der Vorgänger-Koalition beantragte. Ich hätte gern noch mehr gehabt. Aber das war der zähneknirschende Kompromiss, mit dem weder ich noch Habeck glücklich waren.

Diese Flächen könnten künftig an der Nordsee in Schleswig-Holstein als Kite-Gebiete ausgewiesen werden. Eine Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums dazu steht noch aus.

Diese Flächen konnten Sie dann als Landesregierung nicht einfach als Kite-Gebiete ausweisen, sondern mussten einen Antrag zur Änderung der Befahrensverordnung beim Bundesverkehrsministerium stellen. Dieser Antrag wurde im Sommer 2017 beim Bund eingereicht und ist bis heute nicht entschieden. Wieso dauert das so lange?

Wahrscheinlich eine Frage der Prioritätensetzung. Darüber bin ich übrigens gar nicht so unglücklich. Denn: Solange das Bundesverkehrsministerium noch nicht entschieden hat, darf man rechtlich überall kiten.

Das Bundesverkehrsministerium hat jetzt im September begonnen, den Antrag zu bearbeiten. Wenn er beschieden wird, dann gelten die von Ihnen vor zwei Jahren definierten Kite-Gebiete. Was aber bedeutet es für Kiter, wenn der Antrag abgelehnt wird?

Dann würde es rechtlich keine Einschränkungen für Kiter geben und Sie könnten an der Nordsee kiten, wo sie wollen.

Vor einigen Naturschutzgebieten an der Ostsee ist Kitesurfen verboten.

Also so, wie an der Ostseeküste. Dort darf man den Sport ja überall ausüben, ausgenommen sind nur vereinzelt Naturschutzzonen.

In der Ostsee ist Kiten an relativ vielen Orten erlaubt. Aber an Nord- und Ostsee gilt gleichermaßen: Nur weil theoretisch rechtlich auf einer Fläche kein Verbot besteht, heißt es noch lange nicht, dass man dort faktisch kiten kann. In Häfen ist es generell verboten zu kiten. Dort, wo Schiffsverkehr ist, darf eh nicht gekitet werden. Und auch Küstengebiete mit Schilfgürtel fallen raus, weil Kiten hier nicht möglich ist. Für diese Sportart braucht man viel Platz: sowohl auf dem Wasser als auch an Land. Außerdem muss das Wasser mindestens 50 Zentimeter tief sein, besser noch tiefer. Daher gibt es nicht viele Spots.

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