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Schleswig-Holstein Wohin mit dem radioaktiven Müll?
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06:00 24.07.2019
Von Ulf Billmayer-Christen
Schleswig-Holstein sucht derzeit eine Deponie für Abrissmüll. Quelle: Torsten Müller
Kiel

Auf dem Prüfstand sind auch die Deponie in Schönwohld bei Kiel und die Entsorgungsanlagen in Damsdorf und Großenaspe im Kreis Segeberg.

"Atommüll": Jan Philipp Albrecht muss sich auf Proteste einstellen

Ich bin zuversichtlich, dass wir die Ergebnisse der Qualifizierung von sieben Deponien in Schleswig-Holstein unter Hinzuziehung von Sachverständigen zeitnah vorlegen können“, berichtet Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne). „Wir haben in der Sache einen intensiven Dialogprozess geführt und werden diesen auch künftig fortsetzen.“ 

Bei der Prüfaktion haben die Atomexperten insbesondere die vier Deponien der Klasse II in Schönwohld (Achterwehr), Damsdorf/Tensfeld (nahe Bornhöved), Niemark (Lübeck) und Wiershop (bei Geesthacht) im Visier. Diese Deponien sind besser abgedichtet als die drei Entsorgungsanlagen der Klasse I in Großenaspe, Harrislee und Gremersdorf nahe Heiligenhafen. So oder so muss sich Albrecht auf weitere Proteste einstellen. In der Mehrzahl der Deponieorte lehnen Bürgerinitiativen die Aufnahme von „Atommüll“ ab. Einige Gemeinden haben sogar entsprechende Beschlüsse gefasst.

Schleswig-Holstein: Öko-Verband BUND unterstützt Bürgerinitiativen

Rückendeckung bekommen die Bürgerinitiativen vom Öko-Verband BUND. „Wir glauben, dass auch gering strahlende Abfälle einen Einfluss auf Mensch und Umwelt haben“, betont Landesgeschäftsführer Ole Eggers. Er fordert deshalb einen deutlich geringeren Grenzwert für die Deponierung von Abfällen aus Atomkraftwerken. Derzeit dürfen laut Bundesrecht Abfallchargen deponiert werden, wenn die Strahlendosis für Anwohner den Wert von zehn Mikrosievert pro Jahr nicht übersteigt. Zum Vergleich: Laut Bundesamt für Strahlenschutz sorgt ein Flug von Frankfurt nach New York und zurück für eine durchschnittliche Dosis von 100 Mikrosievert.

Lesen Sie auch einen Kommentar von U. Christen zum AKW-Abfall

Klar ist, dass die Zeit drängt. Der Abriss des KKW Brunsbüttel ist vom Umweltministerium bereits genehmigt, der Abbau des Meilers Krümmel beantragt. Der Reaktor Brokdorf soll Ende 2021 vom Netz gehen und dann ebenfalls zur grünen Wiese werden. Das Ministerium geht davon aus, dass etwa zwei Prozent der gesamten Kraftwerksmassen (1,7 Millionen Tonnen) so gering belastet sind, das sie deponiert werden können. Bei allen drei KKWs geht es also um rund 35000 Tonnen. Etwa die gleiche Menge ist so radioaktiv, dass sie in Spezialbehältern endzulagern ist. Der große Rest gilt als unbelastet und soll etwa im Straßenbau verwertet werden.

Allein beim Abriss des KKW Brunsbüttel, dem kleinsten und ältesten der drei Kraftwerke, dürften 300.000 Tonnen Schutt anfallen. Davon gelten etwa etwa 10000 Tonnen als deponiefähig. Mengenmäßig ist das kein Problem. Die Deponien in Schleswig-Holstein lagern derzeit jährlich problemlos mehr als 700.000 Tonnen ein. Zudem fällt der Kraftwerksmüll nicht auf einen Schlag an, sondern verteilt auf über den auf 15 Jahre kalkulierten Abriss. Dafür haben Betreiber Vattenfall und Miteigentümer Preussen-Elektra 1,6 Milliarden Euro zurückgelegt.

Sorgen um die „Dekontaminierung“ von Bauteilen

Genehmigt ist die Abbauphase eins, die Entkernung des mehr als 40 Jahre alte Kraftwerks. Nicht mehr benötigte Anlagenteile wie einige Bauteile im Reaktordruckbehälter, Rohrleitungen, Armaturen und elektronische Komponenten werden demontiert. In der Phase zwei werden die Gebäude abgerissen. Sorge bereitet Anwohnern und Umweltverbänden die geplante „Dekontaminierung“ von Bauteilen. Sie sollen durch Abschrubben, Abfräsen oder Abspülen gereinigt werden.

Einen Lichtblick gibt es. Nach Protesten hat sich Vattenfall verpflichtet, beim Rückbau den bisherigen Grenzwert für den Eintrag von Radioaktivität in die Elbe deutlich zu reduzieren. Er soll um mehr als das 30fache sinken, auf 2,7 Prozent der bisher allerdings nie ausgeschöpften Höchstmenge.

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