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Schleswig-Holstein DLF stellt Service ein: Nordlichtern ist Verkehrsfunk wichtig
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09:28 04.02.2020
Von Bastian Modrow
Mindestens zweimal stündlich informieren Lara Bahnsen und ihre Kollegen von "Radio Bob rockt Schleswig-Holstein" die Hörer über das, was auf den Straßen los ist. "Bei eiligen Meldungen informieren wir auch im laufenden Programm", sagt sie. Quelle: Ulf Dahl
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Kiel

Am 25. März 1964 hatte der Deutschlandfunk zum allerersten Mal berichtet, was auf den Straßen zwischen Flensburg und München lief beziehungsweise gerade nicht lief. Damals war der Verkehrsfunk fast so etwas wie eine kleine Radio-Revolution, zuvor hatten nur britische und amerikanische Stationen ihren Hörern diesen Service angeboten. Am Freitag vergangener Woche endete das Kapitel: Die letzte Meldung der Kölner Verkehrsredaktion richtete sich an Autofahrer in Berlin: eine Staumeldung für die A100. Seither sind Verkehrsmeldungen aus dem Programm des DLF verschwunden.

Hörer wollten Verkehrsfunk nicht mehr

Die Mehrzahl der Hörer wollten angeblich nicht mehr wissen, ob es Stau oder Behinderungen auf den Schnellstraßen in Soltau-Fallingbostel, Würzburg-Randersacker oder Hanerau-Hademarschen gibt. Der Sender beruft sich auf eine Befragung von 5300 Hörern im Sommer 2019, bei der mehr als zwei Drittel angaben, Verkehrsnachrichten im Deutschlandfunk seien ihnen „nicht wichtig“ oder „weniger wichtig“. „Der Wunsch nach einer Abschaffung ist nachvollziehbar, denn gerade bei einem bundesweiten Programm hat das Gros der Meldungen selbst für Autofahrer keine Relevanz“, heißt es von Seiten des Senders.

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Die freigewordene Sendezeit – der Tagesdurchschnitt liegt mithin bei etwa 30 Minuten – soll für mehr Nachrichten genutzt werden. „Der Nutzwert bundesweiter Verkehrsmeldungen im Radio hat in Zeiten von Navigationsgeräten mit Echtzeit-Informationen über das Verkehrsgeschehen deutlich abgenommen, viele unserer Hörer haben sich daran gestört“, argumentiert Programmdirektor Andreas-Peter Weber.

Im Norden ist der Verkehrsfunk beliebt

Bei den norddeutschen Radiosendern sind die Hörfunker anderes gewöhnt: „Die Nachfrage nach Verkehrsmeldungen ist immens und über die Jahre kontinuierlich gewachsen. Wer aus dem Haus muss, der will wissen, was auf den Straßen los ist“, sagt Volker Mittmann. Seit 30 Jahren steht er bei Radio Schleswig-Holstein (RSH) am Mikro. „Wer ein Hindernis, eine Gefahrenquelle entdeckt oder im Stau steht, der ruft immer häufiger an“, berichtet der 52-Jährige. „Wenn ich keine Hilfe hätte und alle Anrufer persönlich annehmen müsste, hätte ich keine Zeit mehr zum Moderieren.“ Vor allem Schnelligkeit sei bei den Hörern gefordert. „Amüsant wird es, wenn Hörer beispielsweise einen Liegenbleiber melden, wir dies vermelden und der Betroffene anschließend bei uns anruft und mit uns schnackt, was los ist.“

NDR: Fester Bestandteil im Programm

Der Verkehrsfunk steht bei RSH nicht zur Diskussion, ebenso wenig wie bei Radio Bob oder Delta Radio – von den NDR-Sendern ganz zu schweigen. „Die Verkehrsmeldungen im Radio sind angesichts der Zunahme des Verkehrs auf den bundesdeutschen Straßen wichtiger denn je“, stellt Sprecherin Lara Louwien fest. Der Verkehrsservice sei fester Bestandteil des Programms und nicht nur für Autofahrer interessant: „Er informiert auch darüber, was in der unmittelbaren Umgebung passiert, warnt die Menschen bei Feuer oder Überschwemmungen, bildet Gesprächsstoff.“

Einer Untersuchung des Digitalverbandes Bitkom zufolge nutzen 87 Prozent der Autofahrer den Verkehrsfunk während der Fahrt. Digitale Dienste und Navi werden hingegen vorzugsweise bei der Planung einer Route abgefragt. „Überdies muss man uns nur zuhören, um zu erfahren, was los ist. Der Blick aufs Handy ist ja nicht ohne Grund während der Fahrt verboten“, ergänzt RSH-Mann Mittmann. So sieht es auch Lara Louwien vom NDR: „Die Warnung vor Falschfahrern im Radio ist immer noch der schnellste und effektivste Weg, um höchste Aufmerksamkeit zu erzeugen.“

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