Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein Eine Kinderstube für bedrohte Pflanzen
Nachrichten Schleswig-Holstein Eine Kinderstube für bedrohte Pflanzen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:00 09.07.2019
Von Heike Stüben
Das Pflanzen von Schlüsselblumen auf einer Wiese ist eine mühsame Sache. Die Helfer der Stiftung Naturschutz müssen mit Spitzhacken Löcher in den Lehmboden schlagen. Die Pflanzen hat das Team um Wiebke Busch (hinten stehend) in der Arche Gärtnerei mühsam aus der Saat heimischer Wildpflanzen aufgezogen. Quelle: Hans-Jürgen Schekahn
Eggebek

Die „Stiftung Natur im Norden“ hat dafür jetzt die BlütenMeer-Gmbh gegründet. Sie soll Gemeinden, aber auch Privatleute, Vereine, Institutionen und Firmen mit den Samen von heimischen Wildpflanzen versorgen – auch von Pflanzen auf den Roten Listen. Das soll nicht nur Insekten Lebensraum geben, sondern auch den Menschen die blühenden Wiesen zurückgeben.

Möglich macht das eine bundesweit einmalige Einrichtung: die Arche Gärtnerei in Eggebek.

Richtige Wiesen sind Mangelware

Die Arche Gärtnerei begann vor fünf Jahren mit einer bitteren Erkenntnis. Etwa jede dritte Blüten und Farnpflanze ist auf einer Wiese zu Hause. Doch dieses artenreiche Grünland geht bundesweit zurück – und ganz besonders in Schleswig-Holstein.

„Früher gehörten sie zum Landschaftsbild Schleswig-Holsteins wie das Meer: die wildbunten Blumenwiesen mit Arnika, Heide-Nelke, Tausendgüldenkraut, Klappertopf, Küchenschelle und vielen anderen. Heute muss man sie suchen: Die Wildpflanzen mit schleswig-holsteinischen Wurzeln gibt es nur noch in winzigen Ecken des Landes“, stellte damals Christian Dolnik von der Stiftung Naturschutz fest.

Von 17000 Hektar artenreichem Grünland Anfang der 1990 waren gerade einmal 3000 Hektar übrig.

Das Projekt BlütenMeer

Das Projekt „BlütenMeer2020“ sollte diesen dramatischen Artenrückgang der Wildpflanzen und damit auch vieler Insekten im Grünland umkehren: 2500 Hektar sollten wieder zum Hort der biologischen Vielfalt werden.

Eine Mammutaufgabe mit bundesweiter Relevanz. Deshalb wurde das Vier-Millionen-Euro-Projekt auch wesentlich vom Bundesamt für Naturschutz und dem Bundesumweltministerium finanziert. Man wollte wissen: Wie können bedrohte Wildpflanzen wieder verbreitet werden?

Die Keimzelle: die Arche Gärtnerei

Das Herzstück des Projektes ist die Arche Gärtnerei in Eggebek. Sie wurde zur Kinderstube der Wildblumen. Zunächst aber mussten die Stellen im Land gefunden werden, an denen es noch natürlich Vorkommen von Arnika, Küchenschelle und Co. Überhaupt gab.

Dann musste der richtige Zeitpunkt abgepasst werden, um von ihnen Samen abzunehmen. Und das möglichst mehrfach, um die Gene von verschiedenen Exemplaren zu erwischen. In der Arche Gärtnerei wurden dann – wieder in mühsamer Handarbeit - aus der Saat Mutterpflanzen aufgezogen. Diese bescheren Schleswig-Holstein inzwischen Saatgut von über 60 Wildpflanzenarten, das es sonst nicht gibt.

200.000 Wildblumen gepflanzt

Die Saat, aber auch kräuterreiches Mahdgut und vor allem 200.000 selbst gezogene Wildblumen bedrohter Arten wurden inzwischen auf geeignete Fläche ausgebracht. Von dort sollen sie sich weiter ausbreiten und vielen Tierarten Nahrung und Lebensraum bieten. 

„Vor dem Hintergrund der enormen ökologischen Bedeutung des artenreichen Grünlands ist der derzeitige Zustand unserer Wiesen und Weiden dramatisch. Diese negative Entwicklung müssen wir umkehren – einerseits durch eine Neuausrichtung der Agrarpolitik hin zu einer naturverträglicheren Landwirtschaft. Andererseits gilt es, auch in der Gesellschaft den Wert des Grünlands deutlicher ins Bewusstsein zu bringen und mit engagierten Vorhaben wie dem Projekt ,BlütenMeer 2020‘ artenreiche Grünlandstandorte wiederherzustellen", sagte die Präsidentin des Bundesnaturschutzamtes, Prof. Beate Jessel, und lobte Wiebke Busch und das dreiköpfige Team der Arche Gärtnerei ausdrücklich – auf der Abschlusskonferenz in Sankelmark.

Denn das Projekt läuft im März 2020 aus. Und dann?

Die Blütenmeer GmbH übernimmt

Dann sorgt die neue Blütenmeer GmbH für einen nahtlosen Übergang. So sollen das Saatgut bedrohter Pflanzen aus der Arche Gärtnerei weiter Abnehmer finden und das artenreiche Grün- und Offenlandes weiter zunehmen.

Gemeinsam mit Kooperationspartnern soll zudem die Nachfrage nach regionalem Saatgut befriedigt werden. „Diese Nachfrage wird noch weiter ansteigen“, ist BlütenMeer-Geschäftsführer Wolfgang Heigelmann überzeugt.

Nachfrage nach Wildpflanzen steigt

„Denn heimische Wildpflanzen sind besser gerüstet für Wetterextreme, Nährstoffmangel, schwierige Böden und andere Extreme als Kulturformen.“

Hinzu kommt noch eine Gesetzesänderung: Ab 2020 dürfen ohne behördliche Genehmigung auf Naturschutz-, Verkehrsrand- und allen öffentlichen Flächen außerhalb des Siedlungsbereichs nur noch Arten ausgebracht werden, die ihren genetischen Ursprung in der Region haben. 

Infos zur BlütenMeer-GmbH gibt Wolfgang Heigelmann unter Telefon 431-21090600, w.heigelmann@bluetenmeer-gmbh.de

Weitere Nachrichten aus Schleswig-Holstein legen Siehier.

Diese Wildpflanzen waren früher in Schleswig-Holstein häufig anzutreffen. Doch mit den artenreichen Wiesen verschwanden auch diese Blumen immer mehr. Dabei bieten sie vielen Insekten Nahrung und Lebensraum. In der Arche Gärtnerei wird aus der Saat der Pflanzen deshalb neues Saatgut gewonnen und auf geeigneten Flächen im Land ausgebracht.

Die Nordbahn musste am Sonnabend eine Schnellbremsung einleiten, als Kinder über die Gleise liefen. Nun wurde ein ähnlicher Fall bekannt. Kinder öffneten die Fluchttür der Lärmschutzwand, um über die Gleise zum Hainholz zu gelangen. Die Polizei bittet Eltern, Kinder auf die Gefahr hinzuweisen.

KN-online (Kieler Nachrichten) 09.07.2019

Carola Rackete bleibt zunächst in Italien: Vor ihrer nächsten Anhörung bei der Staatsanwaltschaft will sie nicht nach Deutschland zurückkehren. Die Sea-Watch-Kapitänin hält sich derzeit an einem geheimen Ort auf.

09.07.2019

Der gelbe Zettel wird zum Auslaufmodell: Schon mehr als 100.000 Krankschreibungen gingen in Pilotprojekten digital an die Krankenkassen - Tendenz steigend. Rund 85.000 davon wurden in Schleswig-Holstein ausgestellt.

09.07.2019