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Schleswig-Holstein "Die Integration dauert viel länger"
Nachrichten Schleswig-Holstein "Die Integration dauert viel länger"
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17:14 06.08.2019
Von Christian Longardt
Kiel.

Herr von Boetticher, Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer meint, Angela Merkel habe mit ihrem „Wir schaffen das“ richtig gelegen. Die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt klappe schon gut. Sie sehen das anders?
Christian von Boetticher: Die Zahlen der Agentur für Arbeit in Schleswig-Holstein geben das so nicht her. Ende 2018 waren hier rund 20 000 Flüchtlinge als arbeitssuchend gemeldet, es gab gut 7000 registrierte Arbeitslose, und auf den ersten Arbeitsmarkt haben es im Laufe des vergangenen Jahres 4000 Flüchtlinge geschafft. Das waren immerhin 1500 mehr als 2017. Es geht also vorwärts, die Qualifizierungsmaßnahmen greifen. Aber real sind eben nur relativ wenige Flüchtlinge im ersten Arbeitsmarkt gelandet.

Das ist ein Muster bei der Debatte um Flüchtlinge: Jeder hat da seine eigene Wahrheit.
Stimmt, ein Optimist könnte sagen: Ist doch toll, ein großer Teil der Migranten ist unter 16 Jahre alt, da sind ja viele theoretisch noch ausbildungsfähig. Tatsache ist aber nach drei Jahren Erfahrung mit der Integration: Wirklich sozialversicherungspflichtig arbeitet erst ein kleiner Teil der Flüchtlinge, die seit 2015 nach Schleswig-Holstein gekommen sind. 7800 aus den wichtigsten Herkunftsländern waren es Mitte 2018, um genau zu sein.

"Die meisten Flüchtlingen kamen ohne Ausbildung"

Das klingt nicht sehr positiv.
Es gibt ja auch viele, die in Integrationskursen stecken, die also hier etwas erreichen wollen und nicht bloß auf Hartz IV warten. Aber die Statistik der Bundesagentur für Arbeit zeigt eben auch: Drei Viertel aller Flüchtlinge sind ohne Ausbildung hierhergekommen.

„Viele Migranten sind eine Stütze der deutschen Wirtschaft geworden“, sagt der Arbeitgeberpräsident.Ich würde sagen: Wir arbeiten darauf hin, dass das mal so wird. Wegen der Altersstruktur der Migranten bin ich da gar nicht so pessimistisch wie andere, die sagen: Wir schleppen die am Ende nur durch, viele wandern doch nur ein in Hartz IV. Aber beim Facharbeiter-Mangel helfen uns die Flüchtlinge jetzt noch nicht. Man muss ganz nüchtern feststellen: Es dauert viel länger, als wir erwartet haben. Da sind ganz viele junge Menschen, die müssen jetzt erst einmal die Sprache lernen, ins Bildungssystem integriert werden, irgendwann in Ausbildung hineinwachsen. Mal ganz vorsichtig geschätzt: In sechs, sieben, acht Jahren wird ein Teil davon arbeitsmarktfähig und dann auch eine Stütze sein – aber davon sind wir noch ganz weit entfernt.

Das komplette Interview lesen Sie in den Kieler Nachrichten und der Segeberger Zeitung

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