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Schleswig-Holstein Was denken Studenten über Europa?
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18:28 08.05.2019
Von Laura Treffenfeld
Sie trafen sich auf dem Dach des Hansemuseums in Lübeck: Die Studenten aus Dänemark und Deutschland (in der Mitte die Teilnehmer aus Kiel), begleitet von LN-Chefredakteur Gerald Goetsch (3. v. re.), Rune Skjold von Sjaellandske Medier (li.) und KN-Nachrichtenchef Florian Hanauer (re.). Quelle: Felix Koenig
Kiel/Lübeck

Die Kieler Nachrichten (KN) luden gemeinsam mit den Lübecker Nachrichten (LN) sowie den dänischen Zeitungen Lollands Folketidende und Sjaellands Mediier insgesamt 20 Studenten aus Kiel, Lübeck und dem dänischen Roskilde ein. Als Tagesprogramm stand ein Besuch bei den LN, der Universität zu Lübeck und ein Rundgang durch das Europäische Hansemuseum an. KN-Nachrichtenchef Florian Hanauer begleitete die Gäste, die von LN-Chefredakteur Gerald Goetsch in Lübeck begrüßt wurden.

Die Studenten befürworten die EU und sehen ihren Nutzen darin

Schnell wird in den Gesprächen klar: Anhänger der Europäischen Union sind viele Studenten. Einige von ihnen profitieren auch von europäischen Förderprogrammen wie Erasmus. „Ich bin ganz klar EU-Befürworter“, sagt etwa Kalle Grøndahl, 23, Student der Sozialwissenschaften an der Universität Roskilde. Seiner Meinung nach müsse die EU nur besser darin werden, die Bürger zu erreichen.

Kultureller Austausch als Argument für die EU

Ähnlich sieht das Liv Steinebach, Skandinavistikstudentin aus Kiel. „Als junge Person profitiere ich ganz stark vom kulturellen und geistigen Austausch mit Menschen anderer europäischer Länder“, sagt die 25-Jährige. „Diese Lebensrealität passt jedoch kaum mit der politischen Kommunikation der EU zusammen.“

Zu viele negative Nachrichten über die EU in den Medien

Die Studierenden stellen fest: In den Medien seien häufig Negativ-Schlagzeilen zu hören – Brexit, die gescheiterte Flüchtlingspolitik an den EU-Außengrenzen, gescheiterte Klima-Gesetze wegen fehlendem Konsens zwischen den Nationalstaaten. „Es fehlt eine gemeinsame Erzählung von Europa“, sagt Politikstudent Marius Sibbel, 28, aus Kiel.

Konkrete Themen werden zu wenig öffentlich thematisiert

Wichtige Themen aus dem EU-Wahlkampf würden in der Öffentlichkeit kaum thematisiert werden – etwa die Finanztransaktions-Steuer oder der Aufbau einer europäischen Armee. Eine Gefahr, sagen viele der Studenten: „Es wird nach wie vor zu national gedacht“, so Sibbel. Das sei gerade in Bezug auf die Flüchtlingspolitik fatal.

In welche Richtung soll sich Europa in Zukunft entwickeln? Darüber haben Studenten aus Lübeck, Kiel, aus dem dänischen Roskilde und Naestved diskutiert. Ein Leben ohne EU können sie sich nicht vorstellen, wünschen sich aber bei vielen Themen eine Veränderung.

Beim europäischen Mindestlohn gehen die Meinungen auseinander

Der Kieler Geschichtsstudent Tim Jarchau würde ein Europa mit stärkerer Sozialpolitik befürworten, statt sich als eine rein wirtschaftliche Interessengemeinschaft zu verstehen. „Wir müssen die Chancengleichheit stärken“, sagt der 24-Jährige, „zum Beispiel mit einem europaweitem Mindestlohn.“ Viktor Bukhave von der Zealand Business School im dänischen Naestved ist da anderer Meinung. Ein einheitlicher Mindestlohn schade der Wirtschaftlichkeit. „Man sollte eher in Bildung nach europaweiten Standards investieren“, so der 18-Jährige. In Dänemark unterstütze der Staat finanziell bei Ausbildung und Studium, das müsse in allen EU-Ländern gang und gebe sein.

Austausch über Grenzen hinweg sei wichtig

Einig sind sich die jungen Europäer aber darin, dass solche Diskussionen beim Zusammenwachsen helfen. Marius Sibbel betonte den Wert solcher Treffen: „Es ist wichtig, sich untereinander auch über Ländergrenzen hinweg auszutauschen.“

Fridays for Future Demos stoßen auf viel Akzeptanz

Im Zuge der Diskussionen über Europa kamen die Studierenden auch auf die „Fridays for Future“-Demos zu sprechen, die bei vielen auf Akzeptanz stieß. „Es heißt doch immer, wir sollen zu mündigen Bürgern erzogen werden“, sagte Christian Landau, Student aus Lübeck. „Das ist doch genau das, was die Schüler und Studenten damit zeigen. Wenn unsere Generation jetzt nichts tut, wer denn dann?“

Der Bau des Fehmarnbelt-Tunnels wird von Deutschen und Dänen unterschiedlich bewertet

Ein europäisches Großbauprojekt, das Dänen und Deutsche näher zusammenbringen soll, ist der geplante Fehmarnbelt-Tunnel zwischen Rødby und Puttgarden. Die Sicht der Dänen auf den geplanten Tunnel sei viel entspannter als auf deutscher Seite, sagt Frederikke Hulbaek, 18, aus Naestved . „Viele Einkaufstouristen freuen sich, dann günstiger Bier und Limo zu kaufen.“ Der Lübecker Psychologie-Student Christian Landau sieht beim Tunnel nicht nur Vorteile wirtschaftlicher Natur. „Es wird dann deutlich einfacher, unsere Nachbarn zu besuchen“, sagt der 27-Jährige. Nur mit einer guten Infrastruktur könne Europa zusammenwachsen.

Die Zukunft der jungen Leute liegt nicht in den Nationalstaaten

Student Kalle Grøndahl fasst zusammen: „Es war interessant, die ganzen Vorschläge dazu zu hören, wie man Europa erneuern und verbessern kann.“ Und für den Lübecker Psychologiestudenten Christian Landau steht fest: „Ich möchte bald wieder Urlaub in Dänemark machen, weil ich die Leute dort sehr sympathisch finde“, sagt der 27-Jährige. Die Zukunft lege für ihn in Europa und nicht in den einzelnen Nationalstaaten.

In der Multimediastory "Unsere Nachbarn" erfahren Sie mehr darüber, wie nah wir den Dänen eigentlich sind.

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