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Schleswig-Holstein Lungenärzte zweifeln an den Grenzwerten
Nachrichten Schleswig-Holstein Lungenärzte zweifeln an den Grenzwerten
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22:36 23.01.2019
Ein Arzt zeigt auf das Röntgenbild einer Lunge. Mehr als hundert Lungenspezialisten bezweifeln den gesundheitlichen Nutzen der aktuellen Grenzwerte für Feinstaub und Stickoxide (NOx). Quelle: Silas Stein/dpa
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Kiel/Berlin

Die Landespolitik reagierte gespalten auf dieses Papier. „Ärzte haben jahrelang studiert und verstehen etwas von ihrem Fach, während man bei der Deutschen Umwelthilfe schon als Experte gilt, nur weil man Mitglied ist“, sagte Hans-Jörn Arp, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Landtagsfraktion. Dennys Bornhöft (FDP): „Endlich kommt die Diskussion weg vom Schreckgespenst angeblich zehntausender Dieseltoter.“ Volker Schnurrbusch (AfD) bezeichnete die Grenzwerte als „politisch motiviert und willkürlich festgelegt“. Der Kieler SPD-Abgeordnete Bernd Heinemann warnte indes davor, jetzt weiter zu spekulieren. „Die Gebiete, die in der Diskussion von Fahrverboten stehen, sind stärker belastet als andere Regionen.“ Für Andreas Tietze von den Grünen muss Vorsorge weiterhin oberste Priorität haben. „Der Gesetzgeber kann nicht einfach an Grenzwerten, die dem Schutz von Menschen dienen, herumdoktern, nur weil weitere Forschungen sinnvoll sein könnten.“

Bundesumweltministerium verteidigt Grenzwerte

Das Bundesumweltministerium betonte, dass die Grenzwerte auf einer „soliden wissenschaftlichen Basis“ fußen und der Weltgesundheitsorganisation folgen würden. Die Lungenexperten fordern jedoch, relevante Untersuchungen neu zu bewerten. Der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe machte sich dafür stark, die Grenzwerte vorerst auszusetzen.

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Arzt der Lungenklinik Großhansdorf kritisiert Kollegen

Der Chefarzt der Pneumologie an der Lungenklinik Großhansdorf, Prof. Klaus Friedrich Rabe, kritisierte die Stellungnahme seiner Kollegen. „Die Reduktion der Diskussion auf einzelne Substanzen ist nicht zielführend. Es ist unstrittig, dass die umweltbedingte Schadstoffbelastung unserer Atemluft, sei es durch gasförmige oder partikuläre Substanzen, zugenommen hat.“ Die wissenschaftliche Datenlage sei eindeutig: „Unzweifelhaft gibt es gleichgerichtete, negative gesundheitliche Effekte.“

Von Christian Hiersemenzel und Christian Trutschel

Von kn online

23.01.2019
Tanja Köhler 23.01.2019