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Schleswig-Holstein Wer finanziert die Tablets?
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10:22 04.02.2020
Von Anne Holbach
Tablets im Unterricht sollen bald keine Ausnahme mehr sein, sondern die Regel: Doch das stellt Schulen und Eltern vor Herausforderungen. Quelle: Julian Stratenschulte
Kiel/Plön

Schüler sollen digitales Arbeiten lernen. Darin sind sich Politik, Lehrer und Eltern einig. Doch auf die Frage, wie die Tablets oder Laptops für den Unterricht finanziert werden, gibt es keine eindeutige Antwort. Die Gemeinschaftsschule in Plön hat gerade Eltern verärgert, weil sie iPads anschaffen sollen.

Weil das Geld aus dem Digitalpakt für die Anschaffung tausender Geräte für alle Schüler nicht reicht – und laut Bildungsministerin Karin Prien (CDU) dafür auch nicht primär gedacht ist – setzen viele Schulen auf Mischkonzepte.

Sie lassen Kinder und Jugendliche ihre eigenen Geräte mitbringen, gleichzeitig sind einige Tablets in Schulbesitz. Insgesamt verfügen die Schulen im Land derzeit über 30 000 mobile Endgeräte – bei mehr als zehnmal so vielen Schülern. 

Elmschenhagen: Tablets für alle 700 Schüler nicht im Gespräch

„Wir haben zwei Klassensätze Tablets, die die Kollegen für den Unterricht ausleihen können“, sagt Ulrich Tobinski, Schulleiter des Gymnasiums Elmschenhagen. Einen Teil der Geräte habe die Kieler Schule als private Spende bekommen, der Rest sei über den Schuletat gekauft worden. So weit, über Geräte für alle 700 Schüler zu reden, sei man noch lange nicht. Nichtsdestotrotz hält er die Debatte über die Anschaffung der Hardware für wichtig. 

„Wenn wir für alle ein so teures Tablet kaufen würden, wären wir mal eben 35 000 Euro los. Das gibt der Etat einer Schule nicht her“, so Tobinski. Zumal es mit der Anschaffung nicht getan sei, sondern Wartung und Pflege ebenfalls etwas kosten. Die Elmschenhagener haben hierfür eine Computerfirma im Stadtteil beauftragt. „Das klappt gut und ist für die knapp 60 Geräte bezahlbar.“ Er sehe aber auch nicht, dass man jeder Familie die Anschaffung eines 500 Euro teuren Geräts auferlegen könne.

Plöner Fall sorgt für Debatte

Die Plöner Gemeinschaftsschule hatte ein Medienkonzept ausgearbeitet, das den Einsatz von Apple-Geräten im Unterricht vorsieht. Um ein einheitliches System zu gewährleisten, sollen Eltern dafür ihren Kindern ein iPad plus Schutzhülle, Programme und Versicherung für 529 Euro besorgen. Auch ein Leih- und Leasingsystem ist angedacht. Nachdem sich Eltern darüber beklagten, arbeitet das Schulamt nun an einer Lösung.

Nur 20 Prozent der 170 Millionen Euro aus dem Digitalpakt sollen in Endgeräte investiert werden, sagte Ministerin Prien kürzlich KN-online. Die meisten Schüler verfügten ohnehin über ein Handy oder Tablet. Aus diesem Grund fahren viele Schulen das Modell „bring your own device“: Bring dein eigenes Gerät mit. 

Altenholz setzt auf das Prinzip: „bring your own device“

Das Gymnasium Altenholz hat dieses Prinzip bislang mit einer Pilotklasse getestet und will es ab dem nächsten Schuljahr in der kompletten Oberstufe einführen. „Es ist sinnvoll, wenn die Schüler an den Geräten arbeiten, die sie und ihre Familie auch zu Hause benutzen“, sagt Schulleiterin Cornelia Horsting. Negative Rückmeldungen dazu habe sie noch nicht bekommen. 

Über die Abfrage der Profilwünsche für die Oberstufe, die derzeit laufe, werde in den Familien nachgefragt, ob ein Laptop oder Tablet vorhanden sei, oder ob die Schüler ein Gerät von der Schule benötigten. Noch warte sie auf die Antworten. „In der Pilotklasse gab es aber keine fünf Schüler, die kein eigenes Gerät hatten.“ Für diesen Fall habe die Schule rund 30 Laptops in petto – eine Spende von Dataport. Zudem seien gerade zwei Klassensätze Tablets vom Schulträger angeschafft worden.

Kronshagen: Einschränkungen wegen nicht-kompatibler Systeme

Am Gymnasium Kronshagen gibt es schon im vierten Jahr Tabletklassen. Auch hier bringen die Schüler ihre eigenen Geräte mit. Die Schule habe zudem eine Null-Prozent-Finanzierung mit einem Anbieter ausgehandelt, sodass Eltern über drei Jahre ein Gerät für rund 13 Euro im Monat finanzieren können. „Wir sind bislang mit dieser Strategie gut gefahren“, sagt Schulleiter Hans-Jörg Dose.

Allerdings schränke es schon manchmal ein, dass es keine 100 prozentige Kompatibilität der Systeme von IOs und Android gebe. „Manches pädagogische Konzept lässt sich dann nicht so umsetzen wie gedacht.“

Zudem hat die Schule 30 iPads, die über ein Buchungssystem für die Klasse geliehen werden können. „Wir haben da vor ein paar Jahren investiert. Das Problem ist, dass die Geräte schnell veralten und wir wohl wieder investieren müssen.“ Das Angebot werde aber extrem gut angenommen – „und zwar über alle Fächer hinweg“. Administratoren, die sich um technischen Support und Datenschutz kümmern, sind Lehrer und ein Mitarbeiter der Gemeinde.

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