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Schleswig-Holstein Dithmarscher Kohltage gestartet
Nachrichten Schleswig-Holstein Dithmarscher Kohltage gestartet
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14:31 18.09.2018
Angelina I. (links), Kohlregentin, Jan Philipp Albrecht (Bündnis 90/Die Grünen), Landwirtschaftsminister Schleswig-Holsteins und Bente I., Kohlregentin, stehen nach dem traditionellen Kohlanschnitt der Dithmarscher Kohltage zusammen auf einem Feld. Quelle: Markus Scholz
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Brunsbüttel

Unter einer strahlenden Herbstsonne haben am Dienstag die Dithmarscher Kohltage begonnen. Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) eröffnete in Brunsbüttel mit dem symbolischen Kohlanschnitt das traditionelle Herbstfest. Sechs Tage lang wird sich in der Region alles um das gesunde Gemüse drehen.

Deutschlands "Kohl-Kammer"

"Die Dithmarscher Kohltage sind Regionalmarketing im besten Sinne mit einer Wirkung weit über die Landesgrenzen hinaus", sagte Albrecht. Dithmarschen ist Deutschlands "Kohl-Kammer". Die Region gilt als größtes zusammenhängendes Kohl-Anbaugebiet Europas. Auf einer Fläche von 4200 Fußballfeldern wachsen rund 80 Millionen Kohlköpfe.

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Tatsächlich erlebt das gesunde Gemüse eine Renaissance zwischen Flensburg und den Alpen. Vom schlichten Wintergemüse entwickelte sich das Kraut in den vergangenen Jahren zum hippen Superfood, wie der Verbrauch zeigt: So wurden in der Bundesrepublik im vergangenen Jahr knapp 337 000 Tonnen Kohl verzehrt - eine Steigerung um mehr als acht Prozent im Vergleich zu 2016 mit rund 310 000 Tonnen. Statistisch hat damit jeder Deutsche im vergangenen Jahr vier Kilogramm Kohl verspeist (2016: 3,8 Kilogramm). Die beliebtesten Sorten sind nach einer Analyse der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft AMI Blumenkohl, Brokkoli und Weißkohl.

Boden ist regelrecht lergesogen

Der diesjährige Dürre-Sommer ist auch an den Dithmarscher Kohlbauern nicht spurlos vorüber gezogen. "Die Pflanzen haben die Böden regelrecht leergesogen", sagte Landwirtschaftsminister Albrecht. Dadurch sei das Wachstum bis Ende August deutlich gebremst worden. Kohlköpfe mit braunen Rändern, die eher an Tabak erinnern, oder mit der gefürchteten "Innenschwärze", seien unverkäuflich, erklärte Karl Albert Brandt vom Gemüseanbauverband. Außerdem seien die Kohlköpfe in diesem Jahr eher kleiner. Ob Qualität und Ertrag die Kohlbauern in diesem Jahr zufriedenstellt, lasse sich abschließend noch nicht sagen, ergänzte Brandt. Das lasse sich erst Mitte 2019 sagen, wenn der letzte Kohlkopf die Kühlhäuser verlässt. "Mit mehr Geld für weniger Kohl kann die Bilanz immer noch aufgehen."

Siegeszug begann vor rund 130 Jahren

Der Siegeszug des Dithmarscher Kohls begann vor rund 130 Jahren in Wesselburen. Weil die Preise für Korn und Vieh extrem niedrig waren, begann der Gärtner Eduard Lass dort 1889 mit dem Gemüseanbau zu experimentieren. 2017 wuchsen auf Dithmarschens Äckern unter anderem Weißkohl (2040 ha), Rotkohl (455 ha), Wirsing (90 ha) und Blumenkohl (200 ha). Nur ein kleiner Teil des Gemüses wird direkt vom Feld an die Industrie und den Zwischenhandel geliefert. Rund 80 Prozent des Kohls wird eingelagert und bis zur nächsten Ernte europaweit vermarktet. Die Kühllager im Kreis Dithmarschen fassen 130 000 Tonnen. Hinzu kommen weitere Lager mit einer Kapazität von 30 000 Tonnen. Dithmarscher Kohl ist seit 2014 im europäischen Qualitätsregister eingetragen und genießt damit EU-Herkunftsschutz.

Kohl wird auf der ganzen Welt angebaut und gehört zu den meist kultivierten Gemüsearten der Welt. Dithmarschen spielt eine wichtige Rolle auf dem internationalen Kohlmarkt. Hier werden Kohlsorten für die ganze Welt entwickelt und gezüchtet, die den regional unterschiedlichen Ansprüchen der Bauern angepasst sind. Dabei geht es neben dem Ertrag unter anderem um Lagerfähigkeit und Resistenz gegen Krankheiten und Schädlinge. Die Entwicklung einer neuen Kohlsorte dauert den Angaben zufolge rund 15 Jahre.

Von lno

18.09.2018
Christian Hiersemenzel 18.09.2018
18.09.2018