Menü
Kieler Nachrichten | Ihre Zeitung aus Kiel
Anmelden
Schleswig-Holstein So können Sie Plastik vermeiden
Nachrichten Schleswig-Holstein So können Sie Plastik vermeiden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:18 30.05.2018
In dem Laden Unverpackt können Waren ohne Verpackungen gekauft werden. Dadurch kann an Plastik gespart werden. Quelle: Berit Ladewig
Anzeige
Kiel

Unverpackt - Einkaufen ohne Müll

Ganz ohne Verpackungen und ohne Plastik kann man in dem Kieler Laden Unverpackt in der Adelheidstraße 28 einkaufen. Das Leben ohne Müll fasziniert die Geschäftsführerin Marie Delaperrière (45) schon lange.

"Wenn ich für meine fünfköpfige Familie einkaufen gegangen bin, habe ich nach dem Auspacken zu Hause immer Unmengen an Müll gehabt. Das hat mich total gestört", blickt sie zurück. Als sie dann in einem Zeitungsartikel las, dass es eine französische Familie geschafft hatte, drei Jahre lang den Alltag ohne Müll zu bewältigen, war sie beeindruckt. Nach kurzem Überlegen kam ihr die Idee, einen Laden ohne Verpackungen ins Leben zu rufen. Bis dahin war das einzigartig in Deutschland.

Anzeige

"Bei uns kann man alles kaufen, was man im Haushalt braucht. Essen, Hygieneartikel, Kaffeelöffel, Waschmittel, einfach alles", sagt Marie Delaperrière. Die Kunden bringen ihre eigenen Behälter mit, wiegen diese zuerst ab und füllen dann ihre Ware hinein. Wie groß die Behälter sind, ist ganz egal. "Jeder soll so viel mitnehmen, wie er auch benötigt. Dadurch werden am Ende weniger Lebensmittel weggeworfen."

Viel Wert auf Nachhaltigkeit legt Marie Delapierre auch bei der Produktion der Artikel. "Unsere Ware ist entweder Bio oder zumindest regional." So auch zum Beispiel die umweltfreundlichen Zahnbürsten, die Hydrophil aus Hamburg herstellt.

Die Idee eines Ladens ohne Verpackungen zieht immer größere Kreise. "In Deutschland gibt es mittlerweile 70 Unverpackt-Läden, in den deutschsprachigen Ländern insgesamt schon 80", sagt Marie Delaperrière stolz.

Zahnbürsten und Wattestäbchen aus Bambus

Auch Christoph Laudon, Wanja Weskott und Sebastian Bensmann wollen etwas gegen die Umweltverschmutzung tun. Daher kam ihnen die Idee, "wasserneutrale Produkte" herzustellen. Die sollen bei ihrer Herstellung wenig Wasser verbrauchen, fair gehandelt und vegan sein.

2013 gründeten sie das Unternehmen Hydrophil, zu deutsch wasserliebend, wo sie sämtliche Hygieneartikel aus erneuerbaren Rohstoffen herstellen. "Wir verkaufen zum Beispiel Zahnbürsten und Wattestäbchen aus Bambus und vermeiden damit die Plastikproduktion", sagt Pressesprecherin Sarah Kaufmann. "Bambus bietet sich dafür besonders gut, denn es braucht zum einen wenig Wasser und zum anderen wächst es wie Unkraut." Innerhalb von zwei bis drei Jahren ist Bambus ausgewachsen und dann 15 bis 20 Meter hoch. "Aus einem Stamm können um die 1000 Zahnbürsten hergestellt werden", sagt Sarah Kaufmann.

Den Bambus pflanzen sie in China an. Dort haben sie ihren eigenen Wald. "Die drei Gründer fahren jedes Jahr nach China und kontrollieren dort die Arbeitsbedingungen. Denn auch wenn der Bambus in China hergestellt wird, gelten für uns dort unsere Arbeitsbedingungen", erklärt Sarah Kaufmann.

Die Idee kommt an. Mittlerweile hat Hydrophil 10 Mitarbeiter und verkauft in die ganze Welt. "Große Abnehmer sind vor allem Bioläden wie Alnatura oder auch Unverpackt-Läden", erzählt Sarah Kaufmann.

Die Strohmi GmbH produziert Trinkhalme aus Stroh

Warum heißen Strohhalme eigentlich so? Das fragte sich Marie-Luise Dobler aus Lübeck, als sie eines Abends vor dem Fernseher saß. "Viele Kinder fragen in Restaurants nach Strohhalmen - und meinen damit selbstverständlich die Plastikhalme. Sie wissen aber gar nicht, warum sie so heißen", erzählt Marie-Luise Dobler. Und das ärgert sie, denn bis in die 50er Jahre war es noch normal, dass die Halme nicht aus Plastik waren.

Marie-Luise Dobler wollte dazu beitragen, dass der Plastikverbrauch reduziert wird. Häufig bleiben nämlich gerade die Plastik-Strohhalme auf den Straßen, an Wäldern und an Stränden liegen. Daher gründete sie die Firma Strohmi und produziert mit heilpädagogischen Werkstätten in Lübeck die ökologischen Trinkhalme.

"Wir basteln unsere Halme aus Roggenlangstroh. Das ist eine besondere Art des Roggens, bei dem die Halme sehr stabil sind und hoch wachsen", erklärt Marie-Luise Dobler. "Denn die Halme haben immer wieder Knoten und wir können nur die Stücke verwenden, die zwischen den Knoten sind. Daher ist es gut, wenn die möglichst lang gewachsen sind." Diese besondere Art baut die Firma direkt in Schleswig-Holstein an. "Wir ernten die Halme einmal im Jahr und geben sie dann an die Einrichtungen weiter, die sie zu Trinkhalmen verarbeiten." Die schneiden dann die Halme auf die richtige Länge. "Man kann ungefähr drei Trinkhalme aus einem Strohhalm schneiden, wobei das natürlich auch von der Beschaffenheit des Strohhalms abhängt."

Auf die Frage, ob die Getränke aus Roggenstroh anders schmecken als aus Plastikhalmen, antwortet Marie-Luise Dobler bloß: "Es fragt ja auch niemand, ob Plastik anders schmeckt. Früher war es ganz normal, richtige Strohhalme zu verwenden. Wir haben eine ziemlich gute Natur, die keinen extra Geschmack hat."

Durch die neue EU-Vorschrift boomt das Geschäft mit den Roggenlangstrohhalmen im Moment besonders. "Wir verkaufen vor allem an hochwertigere Hotels und Restaurants, die Wert auf Bio und Nachhaltigkeit legen", so Marie-Luise Dobler. Eine Packung mit 250 Strohhalmen, die eine Länge von 22 Zentimeter haben, kostet 17,34 Euro. Die Länge entspricht ungefähr der eines Plastik-Strohhalms.

Wir stellen Ihnen drei Varianten vor, Plastik zu vermeiden.

Von KN-online

Tanja Köhler 30.05.2018
Frank Behling 30.05.2018