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Schleswig-Holstein Drogenhandel aus Psychiatrie organisiert
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14:13 10.04.2019
Von Niklas Wieczorek
Aus der forensischen Psychiatrie in Schleswig sollen drei Beschuldigte das Drogengeschäft im großen Stil mitorganisiert haben. Quelle: Jutta Ehmsen (Archiv)
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Schleswig/Kiel

Der Vorwurf klingt schier unglaublich: Drei Beschuldigte sollen schweren Drogenhandel aus der forensischen Klinik in Schleswig heraus durch Absprachen und mit Mittätern außerhalb der Psychiatrie organisiert haben, schilderten Oberstaatsanwalt Michael Bimler und Frank Nielsen vom Zollfahndungsamt Hamburg mit Dienstsitz in Kiel. In mehrmonatigen Ermittlungen seien die Beamten dem Ring auf die Spuren gekommen.

Sechs Verdächtige sitzen in unterschiedlichen Gefängnissen

Der Zugriff erfolgte dann am 22. März 2019: Mehrere Objekte in Schleswig-Holstein wurden durchsucht, sechs Haftbefehle gegen die drei in Schleswig Untergebrachten und drei mutmaßliche Mittäter wurden vollstreckt.

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Die Beschuldigten befinden sich den Behörden zufolge jetzt allesamt in verschiedenen Gefängnissen in Schleswig-Holstein. Schließlich bestehe Wiederholungsgefahr, so Bimler und Nielsen.

Verdächtige saßen in der Psychiatrie Schleswig wegen Drogensucht

Die Sprecher lobten die Zusammenarbeit mit der Helios Klinik in Schleswig. Dort sollen die drei Verdächtigen wegen ihrer Suchterkrankungen behandelt worden sein. Zuvor seien sie wegen früherer Drogengeschäfte bereits zu mehrjähriger Haft und Entziehungen verurteilt worden. Gegen einen der Beschuldigten sprach das Landgericht Kiel das Urteil erst im November 2018.

Die Haftbefehle gegen die sechs Beschuldigten vollstreckten die Beamten wegen Handels mit Drogen in nicht geringer Menge. Insgesamt sollen sie Tausende Ecstasy-Tabletten und Grundstoffe zur Herstellung des Szene-Getränks "Purple Drank" verkauft haben. Dessen Wirkstoff Codein gehört zu den Opiaten.

Außerdem hätten die Ermittler verschreibungspflichtige Medikamente und weitere Zutaten beschlagnahmt, die zur Herstellung von 40 Litern des Getränks "Purple Drank" – auch als Codein "Lean" bekannt – hätten beitragen können. Laut Staatsanwaltschaft Kiel und Zollfahndungsamt Hamburg ist das die bisher größte Sicherstellung dieser Droge in Schleswig-Holstein.

Partydroge Codein: Zahl der Drogentoten steigt

Das Codein, eigentlich vor allem für Saft genutzt, der gegen Reizhusten wirken soll, erlebt derzeit als Partydroge extremen Aufwind: Meist als lila gefärbtes Getränk wird es mit Wodka oder Limonade aufgegossen und gilt aufgrund des süßen Geschmacks als bekömmlich. Das täusche allerdings über die drohenden gesundheitlichen Folgen – bis hin zur Lebensgefahr – hinweg, so die Ermittler von Staatsanwaltschaft Kiel und Zollfahndungsamt Hamburg, "zumal kein Konsument die Inhaltsstoffe und deren Dosierung nachvollziehen kann".

Handel und Besitz von Codein stellen eine Straftat nach dem Betäubungsmittelgesetz dar, stellen die Ermittler klar. Wie es den verurteilten Untergebrachten in der Klinik gelingen konnte, damit Geschäfte zu organisieren, ist dagegen noch unklar.

Die Zahl der Drogentoten in Schleswig-Holstein ist unterdessen auf ein Zehn-Jahres-Hoch gestiegen, wie ebenfalls am Mittwoch bekannt wurde. Eine klare Ursache für den deutlichen Anstieg der Drogentoten in Schleswig-Holstein im vergangenen Jahr war laut LKA nicht erkennbar.

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