Duale Ausbildung: In diesen zehn Berufen werden Klassen immer kleiner
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Schleswig-Holstein In diesen zehn Berufen werden die Schulklassen immer kleiner
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Duale Ausbildung: In diesen zehn Berufen werden Klassen immer kleiner

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07:55 11.11.2021
Von Christian Hiersemenzel
Das Bäckerhandwerk sucht seit Jahren nach Auszubildenden. Entsprechend klein sind mittlerweile die Klassen an den Berufsschulen im Norden.
Das Bäckerhandwerk sucht seit Jahren nach Auszubildenden. Entsprechend klein sind mittlerweile die Klassen an den Berufsschulen im Norden. Quelle: Daniel Karmann/dpa
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Kiel

An Schleswig-Holsteins Berufsschulen sinken die Schülerzahlen. Im Schuljahr 2020/21 gingen sie im Vergleich zum Vorjahr um 2100 auf 87 400 zurück, das entsprach einem Minus von 2,3 Prozent. Die SPD-Landtagsfraktion warnt vor den Folgen, wenn dieser Trend weiter anhält: Da sich die Berechnung der Lehrerstellen an den Schülerzahlen orientiert, könnten Berufliche Schulen schon bald Probleme bekommen, kleine Klassen aufrechtzuerhalten. „Und das kann dazu führen, dass bestimmte Ausbildungsgänge an einzelnen Standorten aufgegeben werden“, heißt es in einem Antrag zur nächsten Landtagssitzung, den die Fraktion am Mittwoch vorstellte. Solange kein landesweiter Schulentwicklungsplanung vorliege, müsse der Stellenabbau an den Berufsschulen ausgeschlossen sein.

„Wenn die Berufliche Schule nicht mehr so leicht erreichbar ist, besteht die Gefahr, dass sich junge Menschen für einen anderen Beruf oder zumindest eine Ausbildung in einer anderen Region entscheiden“, heißt es in der Antragsbegründung. Auch könnten entsprechende Berufe im Ausbildungsvorbereitungsjahr dann nicht mehr entsprechend nahegebracht werden. Welche zehn Berufe besonders gefährdet sind? Die Abgeordneten Kirsten Eickhoff-Weber und Martin Habersaat legten am Mittwoch nach Rücksprache mit Fachleuten eine Rote Liste vor.

Perspektiven für Fachleute im Schlachterei- und Friseurhandwerk

Malerinnen und Maler gelten demnach als gefährdete Art, Auszubildende im Bäckerhandwerk, Tischlerinnen, Schlachter und Friseure, Zimmerleute, Maurer, Glaserinnen, Landmaschinenbauer, Köchinnen und Köche. Das sei keine nach Dramatik geordnete Liste, stellte Habersaat klar. „Es sind Berufe, in denen die Probleme im ganzen Land auftauchen, mal größer, mal kleiner. Und in denen die Schulen fürchten, Klassen schließen zu müssen.“ Häufig seien damit auch Ausbildungsbetriebe angesprochen, die über kein Filialnetz verfügen, sondern die ausbilden, weil sie einen guten Kontakt zur Berufsschule in der Nähe hätten. „Bei den Schlachtern ist der Prozess wohl schon recht weit fortgeschritten“, sagte Habersaat. Es gehe seiner Fraktion nicht darum, jeden Beruf um jeden Preis zu erhalten – „sondern es geht darum, eine Perspektive für die Zukunft zu entwickeln“.

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Nach Berechnungen der Landesregierung fehlen bis 2030 im Norden 100 000 Fachkräfte. „Davon kommen 85 000 aus der dualen Ausbildung“, betonte Eickhoff-Weber. Das unterstreiche die Bedeutung der SPD-Initiative. „Die duale Ausbildung erfordert unsere besondere Aufmerksamkeit.“ Attraktive Schulen und Internate gehörten unbedingt dazu.

Nach Berechnung der Fraktion blieben in Schleswig-Holstein etwa 60 Lehrerstellen erhalten, wenn das Land den Status quo an den Berufsschulen vorerst einfrieren würde. Pro Schuljahr müsste das Land damit Zusatzkosten von drei Millionen Euro bezahlen. „Allerdings wäre das mal eine konkrete Maßnahme für die Fachkräftesicherung in der Fläche“, sagte Habersaat. „Und bei der Unterrichtsversorgung schneiden die Beruflichen Schulen momentan ohnehin schlechter ab als die allgemeinbildenden Schulen.“