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Schleswig-Holstein Viele Fischer stehen vor dem Aus
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22:01 15.10.2019
Von Christin Jahns
Ostseefischer Marius Schüler kehrt, begleitet von Möwen, in den Hafen von Laboe zurück. Noch gibt es an Schleswig-Holsteins Ostseeküste 60 Fischereibetriebe. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Nach einem Treffen der EU-Fischereiminister in Luxemburg wurde am Dienstag bekannt, dass die erlaubte Fangmenge beim Hering um 65 Prozent und beim Dorsch um 60 Prozent gesenkt werden soll. Vor dem Treffen waren sogar noch stärkere Kürzungen im Gespräch. So hatte der Internationale Rat für Meeresforschung (ICES) im Mai noch einen Fangstopp für den östlichen Dorsch und den westlichen Hering empfohlen. Dennoch zeigten sich die Küstenfischer entsetzt.

Bis zu 20 Betriebe in SH könnten pleitegehen

Die Kürzungen beim Dorsch und Hering in der westlichen Ostsee träfen die Fischereibetriebe schwer, sagt Benjamin Schmöde, stellvertretender Vorsitzender des Landesfischereiverbands. Für bis zu 20 Betriebe im Land könnten die Kürzungen das Aus bedeuten. „Wir fordern Fangausfallentschädigungen als Hilfe zum Überleben der Betriebe“, so Schmöde. Fischer, die ihren Betrieb aufgeben und Fahrzeuge stilllegen wollen, sollten Abwrackprämien bekommen.

Fischer Fischer sagt: Weiß nicht, wie das noch funktionieren soll

Für Berufsfischer Björn Fischer aus Heikendorf ist die neue Fangmenge existenzbedrohend. „Die Quoten waren schon vorher sehr niedrig“, sagt Fischer. „Aber mit der Reduzierung der Heringe und der Quote für die Scholle sind jetzt eigentlich alle Arten betroffen. Uns fehlen die Alternativen.“ Der 51-Jährige ist seit 1983 im Geschäft. „Ich bin schon so lange dabei, und es gab immer mal schlechte Jahre, aber jetzt weiß ich wirklich nicht mehr, wie das noch funktionieren soll“, sagt er.

An Schleswig-Holsteins Ostseeküste gibt es noch etwa 60 Fischereibetriebe, in Mecklenburg-Vorpommern noch knapp 230. Laut Fisch-Informationszentrum Hamburg wurden im vorigen Jahr 86 Prozent des in Deutschland verbrauchten Fisches importiert.

EU-Abgeordneter Herbst: Dürfen Fischer nicht allein lassen

„Wir brauchen jetzt einen unbürokratischen Einsatz der vorhandenen Mittel für unsere Fischer“, sagt Niclas Herbst, CDU-Europaabgeordneter aus Schleswig-Holstein. „Der EU-Rechtsrahmen darf sozialverträglichen Unterstützungsmaßnahmen nicht im Wege stehen. Wir dürfen in dieser krisenhaften Situation, die nicht durch Überfischung entstanden ist, die Fischer nicht alleine lassen.“

Ostseeforscher lobt den Laichschutz

Christopher Zimmermann, Leiter des Thünen Instituts für Ostseeforschung, begrüßte indes das erzielte Ergebnis. „Wir haben nur geringfügig höhere Reduzierungen empfohlen“, sagt er. „Besonders beim Ost-Dorsch (dem in der östlichen Ostsee gefangenen Dorsch) sind wir zufrieden mit der restriktiven Beifanglösung. Außerdem sind wir froh, dass der Laichschutz wieder eingeführt wird, da wir gerade beim Dorsch erhebliche Nachwuchsprobleme haben.“

Freizeitangler dürfen nur noch fünf Dorsche pro Tag fangen

Doch nicht nur Berufsfischer, sondern auch Freizeitangler dürfen in Zukunft weniger Dorsch fangen. Für sie sind künftig nur noch fünf statt sieben Dorsche pro Tag erlaubt. Im Februar und März sollen es sogar nur zwei sein. Der Landessportfischerverband gibt zu bedenken, dass die bisherige Quote bei Angeltouren in der Regel sowieso nicht ausgeschöpft werden kann.

Angelexperte sieht auch Schuld der Landwirtschaft

„Grundsätzlich muss man sagen, dass die Fünf auch nichts bringt“, sagt auch Dennis Valentin vom Angler-Fachmarkt Fisherman's Partner in Kiel-Russee. „Wenn man die Bestände wirklich schützen will, hätte man den Fang schon komplett dichtmachen müssen.“ Dass es in der Ostsee von Dorschen nicht mehr so wimmelt, ist aus Sicht von Valentin aber nicht nur die Schuld der Fischer, sondern hänge auch mit den Nährstoffeinträgen aus der Landwirtschaft zusammen. Diese hätten das Fischsterben der letzten Jahre begünstigt und dazu beigetragen, dass viele Kutter in der Förde aufgeben mussten, weil sich Angelfahrten nicht mehr lohnten.

Aus Sicht von Ostseeforscher Zimmermann ist die Fünf-Dorsch-Lösung deshalb ein gelungener Kompromiss: „Wäre die Fangquote für Hobbyangler auf zwei reduziert worden, hätten die Kutter-Angler gleich dichtmachen können. Dabei ist ihre wirtschaftliche Bedeutung gerade in der Nebensaison erheblich. Mehr als fünf Dorsche können die meisten dagegen eh nicht angeln.“

Auswirkungen auf den Tourismus noch unklar

Um den Fortbestand der Angelfahrten sorgt sich auch der Europaabgeordnete Herbst: „Aus guten Gründen hatten wir uns für einen Verbleib von sieben Dorschen beim Bag-Limit eingesetzt. Es bleibt abzuwarten, ob unsere Tourismusregion den heutigen Beschluss verkraften kann. Die Sieben war weitestgehend eine psychologische Ziffer, ob das auch noch für die Fünf gilt, ist sehr zweifelhaft.“

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