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Schleswig-Holstein Eiderstedt und die Angst vorm Wolf
Nachrichten Schleswig-Holstein Eiderstedt und die Angst vorm Wolf
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08:00 14.08.2018
Von Stephan Ures
Der Elektrozaun soll den Wolf fernhalten. Auch Schafhalterin Silke Andres hatte in ihrer Herde in Tetenbüll zuletzt Ende Juli Verluste durch das Raubtier zu beklagen. Es tut ihr fast ein wenig leid: "Was soll der Wolf hier? Jeder hasst ihn." Quelle: Stephan Ures
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Eiderstedt

„Die lassen uns im Stich“, sagt Hans-Erhard Luhn aus Tetenbüll, Bezirksvorsitzender des Landesverbandes Schleswig-Holsteinischer Schaf- und Ziegenzüchter, über das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Es ist mit dem sogenannten Wolfsmanagement betraut. Der Wolf, der 2007 erstmals in Schleswig-Holstein wieder nachgewiesen wurde, steht laut Bundesnaturschutzgesetz unter strengem Schutz. Ziel ist es daher laut Landesregierung, „die Besiedlungsentwicklung des Wolfes so konfliktarm wie möglich zu gestalten“ – eine der Aufgaben des LLUR.

So hilft das LLUR beim Schutz vor dem Raubtier: Es verleiht Elektrozäune. Johannes Petersen, der seine Schafe in Tetenbüll hält, blickt argwöhnisch auf die gut ein Meter hohe Einfriedung, die jetzt seine dreieinhalb Hektar große Schafheide umschließt. „Da springt ein Dackel im Stand drüber“, lästert er.

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Anzahl der Wölfe ist unklar

Für Peter Theodor Hansen aus Osterhever mit seinen rund 150 Schafen steht fest: Mangels Wild muss sich der Wolf auf Eiderstedt von Nutztieren ernähren, „da kann man nicht von einem geeigneten Lebensraum sprechen“. Nicht ganz klar ist, wie viele Tiere es überhaupt sind. LLUR-Sprecher Martin Schmidt geht davon aus, dass auf Eiderstedt einer oder zwei unterwegs sind, in ganz Schleswig-Holstein drei bis fünf.

Interaktive Karte: Wolfssichtungen in SH

Richtig ernst wird es nach Angaben von Albert Pahl aus Westerhever dann, wenn Deichschäfer aufgeben. Denn sie sorgen mit ihren Tieren dafür, dass die Schutzwälle dank dichtem Bewuchs stabil bleiben. Einschränkungen bei der Deichschäferei brächten womöglich über kurz oder lang Probleme beim Flutschutz.

Wolfsterritorium

In Schleswig-Holstein gibt es bislang noch kein sogenanntes Wolfsterritorium. Damit wird das Streifgebiet von erwachsenen Tieren bezeichnet, das sie markieren und gegen fremde Artgenossen verteidigen. 2017/18 wurden nach Zahlen der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) in ganz Deutschland 66 solcher Territorien festgestellt.

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