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Schleswig-Holstein Mehr schwere Unfälle auf der A 7
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06:45 02.12.2019
Von Niklas Wieczorek
Auf dem A7-Abschnitt gibt es keine Tempo-Grenze. Quelle: Ulf Dahl
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Neumünster

Prompt gibt es auch eine neue Debatte um ein Tempolimit auf der Strecke.

Am 18. Dezember 2018 hatten Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Verkehrsminister Bernd Buchholz (FDP) vier Jahre Bauzeit symbolisch beendet. Ein kleiner Abschnitt bei Neumünster wurde später fertig – bis Mai galt Tempo 120, um den Belag „einzufahren“. Seither gibt es auf der neuen Strecke keine Geschwindigkeitsbegrenzung mehr.

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Unfälle mit Toten und Verletzten nehmen zu

Insgesamt habe sich die Zahl der Unfälle „signifikant verringert“, sagt Landespolizeisprecher Torge Stelck (von 726 auf 452). Stark rückläufig waren typische Baustellen-Unfälle wie „Spiegelklatscher“. Die Zahl der Unfälle mit Toten und Verletzten nahm allerdings zu (von 88 auf 102).

Von Januar bis Oktober 2019 starben zwei Menschen auf dem Abschnitt, im gleichen Zeitraum 2018 gab es keine Toten. 37 Personen wurden 2018 schwer verletzt, 58 im Jahr 2019. Dagegen steht die abnehmende Zahl von leicht Verletzten (von 140 auf 117).

Unterschiedliche Interpretationen

Die Interpretation dieser Zahlen fällt höchst unterschiedlich aus. „Der sechsspurige Ausbau schafft nicht nur eine deutliche Beschleunigung des Verkehrs, sondern auch ein großes Plus an Verkehrssicherheit“, sagt Verkehrsminister Buchholz. Auch der ADAC-Landesvorsitzende Gerhard Hillebrandt freut sich: „Die A7 funktioniert im Ausbaubereich zwischen Hamburg und Bordesholm bislang hervorragend.“ Alle kämen schneller und sicherer voran.

Verkehrspolitiker von SPD und Grünen sehen das anders. „Wenn Schwerverletzte der Landesregierung für ein Tempolimit nicht reichen, wird es dort nie eines geben“, sagt Kai Vogel (SPD). „Die menschliche Vernunft gebietet ein Tempolimit gerade auf Autobahnen“, meint Andreas Tietze (Grüne), dies diene der Sicherheit und dem Klimaschutz.

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Pro und Contra zum Tempolimit

Für die Polizei ist die freie Fahrt auf der A 7 eine Herausforderung. Die Absicherung von Unfallstellen sei jetzt noch riskanter, sagt der stellvertretende Autobahnrevierleiter Matthias Trapp: „Hier kommt die Gefahr mit über 200 von hinten.“ Aus Sicht der Videowagenfahrer aus Neumünster ist auf dem A 7-Abschnitt ohne Tempolimit aber „wenig zu holen“. Wie Vogel und Tietze sprechen sich die Polizeigewerkschaften für eine Verkehrsbeeinflussungsanlage mit digitalen Anzeigen aus, um die Sicherheit zu erhöhen. Bis dahin fordert die Gewerkschaft der Polizei ein Tempolimit von 120 km/h.

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