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Schleswig-Holstein Ohne Ladesäulen keine E-Autos
Nachrichten Schleswig-Holstein Ohne Ladesäulen keine E-Autos
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12:45 08.10.2019
Von Katharina Horban
Stecker gezogen: Aus Sicht von ADAC und Opposition ist die Ladeinfrastruktur lange nicht ausreichend, um die gesteckten Ziele bei der E-Mobilität zu erreichen. Quelle: Jan Woitas/dpa
Kiel

Auf den ersten Blick sieht die Lage ganz gut aus: Im Bundesvergleich liegt das Land beim Anteil der Elektro-Pkw pro 1000 neu zugelassener Fahrzeuge mit 4,11 E-Autos auf dem dritten Platz, nur Baden-Württemberg und Hessen liegen vor Schleswig-Holstein.

Bezuschussung für Ladestationen in Mietobjekten wird geprüft

Den ADAC Schleswig-Holstein und die SPD-Landtagsfraktion stellt das aber längst nicht zufrieden. Kai Vogel, verkehrspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, sagt: „Bei privaten Ladesäulen brauchen wir einfache rechtliche Lösungen. Das bekommen andere EU-Länder doch auch hin.“ Zudem beklagt er, dass der Bund beim Ausbau der Ladeinfrastruktur in Tiefgaragen und Parkhäusern „definitiv nicht aufs Gas trete“. Das Umweltministerium erklärt, dass das Problem erkannt sei: Im Bundesrat setzt sich das Land dafür ein, Mietern und Eigentümern die Errichtung privater Anschlüsse zu erleichtern. Derzeit werde in Schleswig-Holstein die Möglichkeit einer Bezuschussung dieser Ladestationen geprüft.

465 Ladesäulen gibt es in Schleswig-Holstein

„Für das, was wir eigentlich bräuchten, haben wir noch viel zu wenige Ladesäulen“, sagt Ulf Evert. Anfang September 2019 gab es laut Bundesnetzagentur 465 Ladesäulen im Land. Evert, Sprecher des ADAC Schleswig-Holstein, bemängelt, dass beim Thema Elektromobilität vieles noch nicht zu Ende gedacht sei: So müssten etwa die Investitionen in regenerativen Strom und mobile Ladegeräte deutlich steigen. Denn ohne Lademöglichkeiten würden sich viele nicht für ein E-Auto entscheiden.

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„Mobilität hat immer eine soziale Verpflichtung. Bei Einfamilienhäusern funktionieren private Ladesäulen gut, doch bei Mehrfamilienhäusern geht das nicht mehr so leicht“, ergänzt Evert. Unabhängig von der Wohnsituation sollte jeder die Möglichkeit haben, sein E-Auto daheim aufzuladen: Aktuell müsse bei einem Mehrfamilienhaus der Mieter im Regelfall seinen Vermieter und die Hausbewohner um deren Zustimmung bitten, wenn er auf seinem Stellplatz eine Ladestation anbringen will. Dies sei maximal ungünstig.

E-Auto: Ulf Evert warnt vor dem „Heilsbringer-Gedanken“

Andreas Hein, energiepolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, verweist auf das Sonderprogramm „Mobilität / neue Mobilitätsformen“, für das die Landesregierung in dieser Legislatur zehn Millionen Euro zur Verfügung gestellt hat. Diese Mittel werden laut Hein größtenteils für das Förderprogramm „Elektromobilität“ verwendet: „Damit sollen mehr öffentliche Ladesäulen geschaffen werden.“ Jedoch müsse man auch andere Möglichkeiten wie synthetische Kraftstoffe oder Wasserstoff in Betracht ziehen.

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Mit seiner Einschätzung ist Hein nicht allein – Ulf Evert setzt auf „breitbandiges Forschen“ bei Wasserstoff-Autos und warnt vor dem „Heilsbringer-Gedanken“, den viele an die E-Autos hätten. Es gebe nicht genug Rohstoffe für die Batterien der E-Autos, der Strom für den Antrieb der Autos sei noch lange nicht CO2-neutral. Durch die Windenergie habe Schleswig-Holstein zwar einen Standortvorteil – doch Evert sagt: „Sobald ein Windpark gebaut wird, gibt es auch wieder Proteste.“ Generell gebe es bei diesem schwierigen Thema noch großen Regelungsbedarf.

Investitionen reichen noch nicht

Für Oliver Kumbartzky, energiepolitischer Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, sind neben der Elektromobilität auch Wasserstoffantriebe und synthetische Kraftstoffe wichtig: „Nur mit mehr Ladesäulen ist es nicht getan, mit dem steigenden Strombedarf müssen beispielsweise auch die Verteilnetze ausgebaut werden.“ Man wolle die individuelle Mobilität erhalten und klimafreundlich gestalten.

Vogel wiederum sieht die langfristige Lösung in einem „sowohl als auch“ öffentlicher und privater Ladestationen, wobei er den Bund beim Thema Zuschüsse in der Pflicht sieht: „Das können Länder wie Schleswig-Holstein nicht alleine stemmen.“ Er fordert mehr Ladestationen an öffentlichen Gebäuden wie Rathäusern, Kindergärten und Schulen – denn die gebe es schließlich auch auf dem Land.

„Nach meiner Wahrnehmung ist der ländliche Raum, zumindest in Nordfriesland, im Moment besser ausgestattet als viele Städte“, sagt hingegen Andreas Tietze, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Landtag. Es gebe zurzeit zwar ausreichend Lademöglichkeiten, doch er fügt an: „Das Problem ist, je mehr E-Autos es gibt, desto schneller müssen wir zusätzliche Ladestationen bauen.“ Städte und Gemeinden hätten viel investiert – aber das reiche nicht. Vor allem Schnellladesäulen müssten ausgebaut werden, betont er und verweist auf das Förderprogramm „Elektromobilität“ der Landesregierung. In dicht besiedelten Wohngebieten brauche es an öffentlichen Parkplätzen frei zugängliche Ladestationen: „Das kann man den Mietern nicht überlassen.“

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