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Schleswig-Holstein Eltern berichten: Wenn die Arztsuche zur Odyssee wird
Nachrichten Schleswig-Holstein Eltern berichten: Wenn die Arztsuche zur Odyssee wird
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20:00 14.10.2019
Von Heike Stüben
Kranke Kinder zu behandeln und pflegerisch zu versorgen, erfordert neben Fachwissen einen hohen Zeitaufwand.  Weil das bei der Finanzierung nicht genug berücksichtigt wird, können Kliniken nicht so viele Kinder aufnehmen wie notwendig, kritisieren Kinderärzte, Eltern und Kinderkranken-Pflegekräfte.  Quelle: Ole Spata/dpa
Kiel

Die Ärzte hatten beklagt, dass die Versorgung insbesondere von schwer oder chronisch erkrankten Kindern gefährdet sei. Rückendeckung bekommen die Kritiker auch aus dem Gesundheitsministerium in Kiel.

Mutter: Man hat wirklich andere Sorgen

Eine Mutter aus dem Kreis Plön berichtete gegenüber KN-online, dass sie ihre Tochter im vergangenen Winter nicht wie sonst in Kiel im Krankenhaus unterbringen konnte. „Mit diesem Problem hatten wir gar nicht gerechnet und auch nicht den Kopf dafür frei. Wenn es einem chronisch kranken Kind plötzlich schlecht geht, hat man als Eltern wirklich andere Sorgen als nach einem Klinikbett zu suchen.“

Letztlich sei die Tochter in Neumünster aufgenommen worden. „Dort haben sich alle sehr um sie gekümmert. Doch für meine Tochter war alles neu, alles mussten wir neu erklären. Vor allem aber hat sie ihre Freundinnen vermisst. Bis nach Neumünster ist niemand gekommen. Weil mein Mann unser Auto braucht, konnte auch ich deutlich weniger bei unserer Tochter sein als früher bei den Behandlungen in Kiel.“

Solch einen Verschiebebahnhof müsse man kranken Kindern ersparen. Er erschwere die ohnehin belastende Situation unnötig.

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Auch Pflegekräfte aus Kliniken berichteten, wie sehr sie die personellen Engpässe belasten. „Freie Betten zu haben und trotzdem Eltern mit kranken Kinder abweisen zu müssen, das tut wirklich weh. Da darf man sich nicht wundern, wenn unter diesen Bedingungen junge Kollegen sich eine andere Arbeit suchen“, sagte eine Kinderkrankenschwester.

Und ein Kollege kritisierte, dass das Finanzierungssystem nicht genug berücksichtige, dass die Behandlung von Kindern besonders zeitaufwändig ist. „Ob ich einem Erwachsenen oder einem Kind eine Spritze gebe, ist ein großer Unterschied.“ 

Kieler Staatssekretär Badenhop fordert Reform

Auch im Kieler Gesundheitsministerium sieht man das Problem. Das liege allerdings nicht an zu wenigen Betten. Kinderärzte hatten kritisiert, dass in Schleswig-Holstein auf 100.000 Einwohner nur 15 Klinikbetten für Kinder kommen – das ist deutlich weniger als in anderen Bundesländern. Die Zahl ist allerdings nur wenig aussagekräftig. Denn es kommt darauf an, wie viele von den Betten im Krankenhausplan tatsächlich mit Kindern belegt werden können und wie viele mangels Personal leer bleiben. 

Qualifiziertes Personal zu finden ist ein Problem. Das wird aber, so bestätigt man auch im Gesundheitsministerium in Kiel, durch das System der Krankenhausfinanzierung weiter verschärft, weil vorgehaltenes Personal nicht vergütet wird. Und das treffe die Kinderheilkunde besonders: „Die Berücksichtigung der tatsächlichen Personalbedarfe von Kliniken in den Budgets ist besonders in der Kinderheilkunde notwendig, da die bestehenden Fallpauschalen DRG hier unzureichend sind. Das System bedarf einer grundsätzlichen Reform, weil es Fehlanreize setzt und die unterschiedlichen Versorgungserfordernisse nur ungenügend berücksichtigt“, erklärte Staatssekretär Matthias Badenhop.

Minister Garg hat Initiative gestartet

Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) habe eine Initiative gestartet, um dass zu ändern. Die Gesundheitsministerkonferenz sei dem Antrag einstimmig gefolgt. Doch ob das Änderungen bewirkt, ist unklar. 

Zwar sieht das Pflegestärkungsgesetz vor, dass ab 2020 die Personalkosten in Krankenhäusern über ein zweckgebundenes Pflegebudget finanziert werden, das Pflegepersonal also von den Fallpauschalen abgekoppelt wird. Doch Kritiker wie die Gewerkschaft Verdi halten das für unzureichend: Nötig sei ein Personalbemessungssystem, das sich an dem tatsächlichen Pflegebedarf orientiert.

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