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Schleswig-Holstein Plattdüütsch: Die Oscar-Preisträger 2019
Nachrichten Schleswig-Holstein Plattdüütsch: Die Oscar-Preisträger 2019
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20:55 06.06.2019
Von Heike Thode-Scheel
Alle engagieren sich für die plattdeutsche Sprache: die Emmi-Preisträger 2019. Quelle: eis - Thomas Eisenkrätzer
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Kiel

 För grote un lütte Lüüd, de sik för Plattdüütsch insetten doot. Und da ist es natürlich klar, dass Platt geschnackt wird.

Im Landtag war Hochdeutsch die Sprache der Minderheit

Minderheitenbeauftragter Johannes Callsen findet „dat wichtig un toll, wenn junge Lüüd sik mit Platt beschäftigen doot.“ Und auch Annabell Krämer, Vizepräsidentin des Landtages, versucht, ein paar Worte Platt zu schnacken: „Ik kann dat nich richtig. Aber verstahn kann ik dat.“ Sie ist begeistert: „Noch nie wurde soviel Platt geschnackt im Land.“ Wie das geht und was man alles op de Been stellen kann mit der Regionalsprache, das haben die vier Emmi-Preisträger bewiesen.

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Harrisleer Kinder spielten die Geschichte vom "Vagel Gottlieb"

„Ji sünd Frünn! Ji kriegt dat allens hin! Wat dor an jemehr School passeert, is unbedingt en Emmi weert. Ji all sünd en Gewinn. . .“, singt Gesa Retzlaff vom Platt-Zentrum in Leck in ihrer Laudatio für die 4. Klasse der Zentralschule Harrislee. „Mit Singen fangt dat bi de ganz Lütten an . . . mit de Tiet warrd Sketche probeert . . . un wenn man Singen mit Theoterspelen verbinnt, denn kann dor sogor en Musical bi rutsuern.“ Plattpate Günter Herrmann hat sich die Geschichte von „Vagel Gottlieb“ ausgedacht, hat sie auf Platt aufgeschrieben und vertont. Und die kleinen Plattschnacker spielten sie auf der Bühne im Landeshaus, als hätten sie nie eine andere Sprache gesprochen.

Grundschule Karby entwickelte "Plattdeutschen Abend"

Die Kinder der Grundschule Karby haben sich einen Plattdeutschen Abend für Jung und Alt ausgedacht. Mit Musik un Riemels, mit Speel un Spaaß: „Se modereert, leest, singt, speelt, un dat Publikum maakt mit . . . Musik un Plattdüütsch, dat passt allerbest tosomen“, lobt Robert Langhanke von der Europa-Universität in Flensburg. Und er ist sich sicher: „Wenn Kinner Plattdüütsch schnackt, denn hett dat Tokunft. Un wenn een nu so vele plattdüütsche Leder un Dialoge, Wöör un Schnacks kennt un opföhrt in’t Land . . . denn warrt dat ok buten in de Welt rinbröcht.“

Julian Teske untersuchte den Platt-Unterricht an Schulen

In der Schule „löppt dat all bi uns in Sleswig-Holsteen“. Platt wird seit fünf Jahren an 40 Modellschulen unterrichtet. Es werden Sketche geübt, es wird Theater gespielt oder gesungen. „Man wi schüllt jichenswann doch noch baven wat rop setten, nämlich dat Vermögen, würklich free to seggen, wat to seggen is“, fordert Jan Graf vom Schleswig-Holsteinischen Heimatbund in seiner Laudatio für Julian Teske. „Sien Arbeit gifft uns kloor un verständlich op bummelig 50 Sieden Antwoort op de Fraag: „Was ist didaktisch gefordert und muss methodisch getan werden, um das Sprechen im Niederdeutschunterricht der Grundschule zu fördern?“

Inke Adler lädt zum Krimidinner op Platt

Ohne versierte Plattdeutsch-Lehrer geht es also an den Schulen nicht – aber „ahn Lüüd, de ehr Tiet för Platt geevt mit veel Arbeit, Fliet un Möh“ wäre Platt wohl noch lange nicht so weit gekommen. Inke Adler ist eine von den fleißigen Ehrenamtlern. Sie organisiert zum Beispiel Krimidinner op Platt. Die gibt es natürlich überall in Schleswig-Holstein, auch auf Platt, meint Thorsten Börnsen vom Platt-Zentrum Holstein. Aber hier ist es noch etwas Besonderes: „Den Pries gifft dat för düt ganz besünner Tosamenspeel: Den Moot hebben un nie'e Formate för't plattdüütsche Theater utprobeern. Bigahn un dat Stück ok noch sülvst schrieven. Mit dat, wat dorbi rutsuert is, spelen, un de Lüüd vun de Theatergrupp in’t Dörp dorbi mitnehmen un begeistern. Dat weer de Jury en Emmi weert.“

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