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Schleswig-Holstein Endlich Urlaub von der grimmigen Kälte
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00:32 25.06.2014
Von Marion Neurode
An der Ostfront: Unteroffizier Johannes Stölting. Quelle: Repro: Sven Janssen
Kiel

Der Unteroffizier Stölting – das war Johannes Stölting, der Großvater von Sönke Petersen, Soldat während des Ersten Weltkrieges an der Ostfront. „Mein Großvater hat alles gesammelt, Sold- und Schießbücher, Postkarten und vieles mehr“, erzählt der Kieler. Ebenso zwei Urlaubsscheine.

 „Der Urlaubsschein ist beim Lösen der Militärfahrkarte dem Schalterbeamten ohne Aufforderung und offen zur Prüfung und Abstempelung vorzulegen und während der Fahrt auf Verlangen vorzuzeigen“, lautet der Befehl auf der Rückseite des Februar-Dokuments. Und weiter: „Der Urlaubsschein darf nur für einmalige Hin- und Rückreise benutzt werden.“

 Auch auf dem Dokument für den Heimataufenthalt vom 14. bis 27. Juli 1915 – ausgestellt am 13. Juli in Karwowo im Nordwesten Polens – heißt es zackig: „Inhaber hat sich bei der Stadtkommandantur, Adolf-Straße 22, anzumelden. Urlaubsschein ist stets bei sich zu tragen.“ Stempel der königlichen Fahrkartenausgaben belegen, wann sich Unteroffizier Stölting auf seiner Rückfahrt in Alleinstein (damals Ostpreußen, heute Olsztyn in Polen) und in Marienburg (damals Westpreußen, heute Malbork in Polen) aufhielt.

 „Mein Großvater wurde nicht verwundet.“ Enkel Sönke Petersen, Vermessungstechniker und Vorsitzender des Industriemuseums Howaldtsche Metallgießerei, zeigt den Entlassungsschein vom 18. Dezember 1918. Und ein Kriegstaschenbuch, in dem Johannes Stölting Postkarten sammelte. Sie zeigen kämpfende Soldaten an der Front, den Besuch des Kaisers, die zerstörte Front, Bombentrichter, die zerstörte Landschaft und Friedhöfe, immer wieder Friedhöfe.

 Eines vergaß der frühere Soldat niemals: Wenn Johannes Stölting später von seinen Kriegstagen berichtete, dann sprach er jedes Mal von dieser unerbittlichen, grimmigen, großen Kälte, dieser schrecklichen Kälte, der man einfach nicht entfliehen konnte.