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Schleswig-Holstein Kampf gegen falsche Polizisten
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12:00 24.07.2019
Von Bastian Modrow
Die Callcenter-Betrüger werden immer professioneller. In Schleswig-Holstein wurden allein in diesem Jahr schon 1500 Versuche bei der Polizei registriert. In 25 Fällen hatten die Täter Erfolg. Quelle: Julian Stratenschulte
Kiel

Die Ermittlungsgruppe „Recall“ soll nicht nur ein weiteres Jahr lang versuchen, die Strippenzieher zu ermitteln. Die Polizeiführung stockt die Einheit um eine zusätzliche Ermittlungsgruppe (EG) auf.

Täter immer professioneller

Die Zeiten des klassischen Enkeltricks, bei dem zwei oder drei Straftäter sich bei alten Menschen als nahe Angehörige ausgaben, um die Senioren um ihr Erspartes zu bringen, sind vorbei. Hinter dem Phänomen, mit dem es die Landespolizei heute zu tun hat, stecken hochprofessionelle Banden mit festen Aufgaben-Strukturen. Einem internen Bericht der EG „Recall“ zufolge werde in sogenannte „Keiler“ und „Logistiker/Disponenten“ unterschieden. Die Kriminellen sitzen laut Polizei in Callcentern in der Türkei

Die „Keiler“ würden sich am Telefon als Polizeibeamte oder Staatsanwälte ausgeben und die Opfer dazu bringen, Geld und Wertgegenstände aufgrund einer angeblichen Gefahr an einen falschen Polizeibeamten auszuhändigen. Als Gründe würden „Maulwürfe“ in der Bank oder flüchtige Einbrecher in der Wohngegend des potenziellen Opfers genannt. „Für die Kontaktaufnahme zu den Geschädigten bedienen sie sich einer Spoofing-Software“, heißt es aus Ermittlerkreisen. Durch dieses Programm sei es möglich, im Display des Telefons der Geschädigten eine beliebige Rufnummer anzuzeigen.

Kriminelle suchen bei Facebook nach Helfern

War die Kontaktaufnahme erfolgreich, dann kommen die Disponenten ins Spiel: Von der Türkei aus nehmen sie Kontakt zu Residenten auf, die den Kontakt zu Abholern von Bargeld oder Schmuck vermitteln. „Der Disponent führt dann den Geldabholer per Telefon zu den Opfern“, heißt es in dem Polizei-Papier. Geködert werden die Abholer nach Erkenntnissen der Behörden offenbar gezielt in sozialen Medien. So werde in Facebook-Gruppen gezielt nach Personen gesucht, die sich schnell „leichtes Geld“ verdienen wollen. 

Gegen eine Gruppierung, die mit einer alternativen Masche operierte, ermittelte die Landespolizei seit April 2018: Hier wurden die Geschädigten dazu gebracht, angebliches Falschgeld per Post an die „Kriminaltechnik“ in Herne in Nordrhein-Westfalen zu schicken. Bei den Empfängeranschriften handelte es sich der Polizei zufolge um „tote Briefkästen“. Diese werden von Mittelsmännern nur aufgesucht, um eingegangenes Geld von Opfern abzuholen. 

Ermittlungsgruppe arbeitet erfolgreich

Seitdem die EG „Recall“ im Februar 2018 eingerichtet worden ist, konnten die Fahnder immer wieder signifikante Erfolge für sich verbuchen. Zuletzt wurde unter anderem ein Logistiker in Bad Bramstedt festgenommen, der acht Abholer managte. Seit einem Jahr läuft überdies ein bundesweites Pilotprojekt in Kiel, bei dem mit einer speziellen Software Telefonmitschnitte ausgewertet und die Stimmen von Anrufern verglichen werden. So konnte die Polizei bereits Tatzusammenhänge erkennen: So war ein „falscher Polizist“ nicht nur in Flensburg aktiv, sondern auch für Anrufe in München verantwortlich gewesen. 

Polizei stockt EG "Recall" personell auf

1463 versuchte Straftaten wurden allein der Landespolizei seit Jahresbeginn gemeldet. Die Dunkelziffer dürfte noch höher sein, schätzen die Ermittler. Trotz aller Warnungen gelang es Betrügern in mindestens 25 Fällen, ihre eingeschüchterten Opfer zur Herausgabe von teils erheblichen Geldsummen und Schmuck zu bewegen. Die EG wird nun personell weiter aufgestockt. Neben Ermittlern des LKA sind auch Beamte der Polizeidirektionen Kiel und Segeberg beteiligt. Insgesamt besteht die Einheit nun aus zwölf Experten der Landespolizei.

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