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Schleswig-Holstein So lernen Flüchtlinge Deutsch mit Merkel
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07:00 22.02.2016
Von Heike Stüben
Auge, Nase, Mund: Anhand eines Porträtbilds von Angela Merkel lernen Flüchtlinge die deutschen Wörter für Teile des Gesichts. Quelle: Fredrik von Erichsen/dpa
Kiel

Der Kieler Gerhard Schmidt ist am Tag der offenen Tür in der künftigen Landesunterkunft im Niemannsweg über den „Deutschkurs für Asylbewerber“ gestolpert. „Die Willkommenskultur der Kanzlerin treibt immer seltsamere Blüten“, meint der 70-Jährige und kritisiert die beiden Merkel-Köpfe: Mit dem ersten Porträtfoto wird das Gesicht erklärt („das Haar“, „der Mund“, „die Lippen“). Mit dem zweiten Bild soll das Possessivpronomen „unser“ gelernt werden: „Das ist unsere Bundeskanzlerin. Sie heißt Angela Merkel“, steht dort.

 Mit dem Heft machen Asylsuchenden bundesweit allererste Lernschritte in der deutschen Sprache und Alltagskultur, heißt es im Landesamt für Ausländerangelegenheiten. In Schleswig-Holstein wird das Heft zwar nicht im Schulunterricht oder in den offiziellen Integrationskursen eingesetzt, wohl aber in vielen Kursen, die ehrenamtliche Helfer geben. Auch die Johanniter – als Betreuungsverband für die Landesunterkunft im Kieler Niemannsweg zuständig – wollen das Heft neben anderen Materialien nutzen. Betreuungsverbände können Lehrmittel aus der Sachkostenpauschale finanzieren, die das Land bereitstellt.

Auswahl der Lehrmaterialien obliegt den Trägern

 Vereinzelt wird das Heft auch in den Einstiegssprachkursen genutzt, die die Bundesagentur für Arbeit zurzeit finanziert. „Diese Kurse sind eine einmalige Nothilfe. Wichtig war, schnell in den Unterricht einzusteigen. Die Auswahl der Lehrmaterialien obliegt dabei allein den Trägern der Kurse“, sagt Thomas Bohse von der Arbeitsagentur in Kiel. Von Kursleitern wird das Heft immer wieder gelobt.

 „So ist während des Deutschunterrichts für die Flüchtlinge sichergestellt, dass sich ihnen das Gesicht von Frau Merkel auch nachhaltig einprägt“, hält Gerhard Schmidt dagegen. Korrekt wäre es seiner Meinung nach gewesen, wenn Bezeichnungen wie Nase, Mund, Augen an neutralen Darstellungen erlernt würden. So aber „kann man nur noch mit Erstaunen feststellen, wie das Merkelsche Mantra ‚Wir schaffen das‘ indoktriniert wird.“

 Die Autoren – ehrenamtliche Sprachlehrer aus dem bayerischen Thannhausen, weisen das zurück. „Als wir das Heft im Frühjahr 2015 entwickelt haben, gab es diesen Merkel-Satz noch gar nicht und viele Flüchtlingen konnten mit dem Namen überhaupt nichts anfangen“, sagt Markus Landherr, der für die Illustrationen zuständig ist. „Wir wollten Flüchtlingen einen ersten Einblick in die deutsche Sprache und einige staatsbürgerkundliche Grundkenntnisse vermitteln, und das nah am Alltag. So ein Material gab es aber nicht.“ Deshalb habe man selbst den „Deutschkurs für Asylbewerber“ erstellt – ehrenamtlich, ohne staatliche Zuschüsse, ohne Merkel zu fragen und ohne jede Einflussnahme von außen. Weil das Heft so unerwartet stark nachgefragt wurde und bereits in siebten Auflage gedruckt werden musste, laufe der Vertrieb inzwischen über den Auer-Verlag (Donauwörth). Wie hoch die Auflage ist, konnte ein Verlagssprecher auf Anfrage nicht sagen.

Jeder sollte die Bundeskanzlerin kennen

 Warum aber Merkel? „Wir finden“, sagt Mitautor Landherr, „dass jeder die Bundeskanzlerin kennen sollte. Dieses Ziel haben wir didaktisch eingebunden – auch als Hinleitung zu dem Auftrag, den örtlichen Bürgermeister herauszufinden und von ihm ein Foto ins Heft zu kleben.“ Landherr betont, dass es sehr viele positive Rückmeldungen auf das Heft gegeben habe, aber nur eine einzige kritische Anmerkung zu den Merkelfotos.

 Gerhard Schmidt überzeugt das nicht: Er findet das Foto in dem Heft „absolut unpassend“. Wollte man die politische Führung aufzeigen, hätte man in einen separaten Abschnitt mindestens auch den Bundespräsidenten und die Minister im Foto zeigen müssen. „Und dass ausgerechnet das Gesicht der Kanzlerin herhalten muss, um in einem Deutschlehrheft Gesichtsteile zu benennen, erschließt sich mir nun gar nicht.“

 Die Lions, die das Heft unter anderem in Kiel finanzieren und damit viele ehrenamtlich geführte Sprachkurse erst ermöglichen, können die Kritik nicht nachvollziehen. „Wir als Lions Club Kiel-Baltic haben gar kein Problem damit, wenn unsere Kanzlerin, die das Gesicht Deutschlands im Ausland ist, in den Unterlagen vorkommt und eventuell ein Wiedererkennungseffekt den Lernerfolg vergrößert“, sagt der Club-Beauftragte Wolfgang Koll. Man könne darin keine Einflussnahme erkennen und schon gar keine Werbung. „Angela Merkel steht nun einmal für Deutschland.“ Deshalb wollen die Lions auch weiterhin das Unterrichtsheft für Flüchtlinge finanzieren.

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