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Schleswig-Holstein Erster Heuler der Saison an der Nordseeküste ausgewildert
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Erster Heuler der Saison an der Nordseeküste ausgewildert

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15:53 20.07.2021
Die Seehundstation Friedrichskoog hat den ersten Heuler der Saison ausgewildert. Das Tier wurde als Frühgeburt und erster Seehund-Heuler des Jahres 2021 am 11. Mai mit einem Gewicht von 8,6 Kilogramm in List auf Sylt gefunden. Mittlerweile wiegt «Lönne» 25,4 Kilogramm.
Die Seehundstation Friedrichskoog hat den ersten Heuler der Saison ausgewildert. Das Tier wurde als Frühgeburt und erster Seehund-Heuler des Jahres 2021 am 11. Mai mit einem Gewicht von 8,6 Kilogramm in List auf Sylt gefunden. Mittlerweile wiegt «Lönne» 25,4 Kilogramm. Quelle: Marcus Brandt/dpa
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Friedrichskoog/Norddeich

Die schleswig-holsteinische Seehundstation Friedrichskoog (Kreis Dithmarschen) hat am Dienstag den ersten Heuler der Saison ausgewildert. „Lønne“ ist in einer großen Transportkiste an den Speicherkoog gebracht worden, wie Stationstierärztin Ulrike Meinfelder sagte. Dort sei er ziemlich direkt ins Wasser gegangen und im nächsten tiefen Priel abgetaucht. Es sei alles gut gelaufen. In die Kiste musste der junge Seehund getragen werden. Da Robben keine Höhlenbewohner sind, seien sie skeptisch, was dunkle Kisten angehe, sagte Meinfelder. Mit dem Auto ging es dann zum Koog, wo „Lønne“ die Box dann freiwillig verlassen hat.

„Lønne“ wurde als Frühgeburt und erster Seehund-Heuler des Jahres 2021 am 11. Mai mit einem Gewicht von 8,6 Kilogramm in List auf Sylt gefunden. Mittlerweile wiegt „Lønne“ mehr als 25 Kilogramm. Weitere kleine Seehunde werden in den kommenden Tagen und Wochen ebenfalls zurück in die Freiheit gelangen. Um ausgewildert zu werden müssen die kleinen Robben mindestens 25 Kilogramm auf die Waage bringen, wie Meinfelder sagte. „Momme“ und „Skjomi“ etwa wiegen aktuell 21,2 beziehungsweise 20,1 Kilogramm. Wann genau die beiden ebenfalls männlichen Tiere die 25 Kilogramm erreichen, lässt sich nicht genau vorhersagen: Manchmal nehmen die jungen Seehunde den Angaben zufolge in einer Woche bis zu fünf Kilogramm zu, manchmal dauert es aber auch zwei bis drei Wochen. Im Durchschnitt bleiben die Tiere etwa zehn Wochen in der Station in Friedrichskoog.

Die Seehundstation Friedrichskoog hat den ersten Heuler der Saison 2021 ausgewildert.

Gesichtete Tiere auf keinen Fall anfassen

Ohne „Lønne“ befinden sich derzeit noch 126 Seehund-Heuler zur Aufzucht in der Seehundstation Friedrichskoog. Ein weiterer sei auf dem Weg, sagte Meinfelder. Sie rechnet mit noch einigen Tieren, die in den kommenden Wochen nach Friedrichskoog kommen, denn auch wenn sich die Hauptgeburtenzeit dem Ende zuneigt, werden noch Seehunde auf den Sandbänken geboren. Weiterhin gelte bei der Sichtung einer jungen Robbe, die Tiere auf keinen Fall anzufassen und umgehend den zuständigen Seehundjäger zu benachrichtigen. Dieser entscheidet demnach vor Ort, ob das Tier Hilfe benötigt und in die Seehundstation gebracht werden muss.

In der niedersächsischen Seehundstation in Norddeich (Kreis Aurich) müssen sich die Heuler dagegen noch auf die ersten Auswilderungsfahrten gedulden. Anfang August sei mit den ersten Auswilderungen zu rechnen, sagte der Leiter der Aufzuchtstation Peter Lienau am Dienstag. In diesem Jahr seien die ersten Heuler an der niedersächsischen Küste vergleichsweise etwas später gefunden worden als in Schleswig-Holstein. Die Aufzuchtzeit bis zur Auswilderung, die in Norddeich im Durchschnitt 61 Tage dauert, verschiebe sich dadurch etwas nach hinten, erklärte Lienau.

Über 100 Heuler werden derzeit aufgepeppelt

Bereits Anfang Mai war mit „Luna“ der erste mutterlose Seehund der Saison allein an einem Deich entdeckt und dann zunächst in einer Quarantänestation gepflegt worden. Damals wog der Heuler 8,1 Kilogramm und war 74 Zentimeter lang. Noch dauere die Pflege an, sagte Lienau. Insgesamt werden in der Seehundstation in Ostfriesland derzeit mehr als 100 Heuler aufgepäppelt. Das seien zu diesem Zeitpunkt etwas weniger Tiere als noch im Vorjahr, sagte der Leiter.

In der Saison 2020 wurden zwischen Mitte Mai und Ende Juli 131 Heuler in der niedersächsischen Station von Tierpflegern aufgepäppelt und später wieder ausgewildert. Nach Friedrichskoog wurden den Angaben zufolge 236 Robben gebracht, darunter 199 Seehundheuler.

Von RND/dpa

Anne Holbach 20.07.2021