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Schleswig-Holstein Zwei Jahre vergeblich gebüffelt?
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08:00 26.11.2017
Die Sorge, ihre Ausbildung nicht beenden zu können, treibt (von links) Mareike Indorf, Levke Mees, Catharina Wugazzer, Ulrike Staack, Birte Steffens und Daniela Torres um.
Kiel

Doch ohne Förderung ist der Abschluss nicht zu schaffen. Das hieße: zwei Jahre lang vergebliche Mühe und verschwendete Steuermittel.Sie wollen arbeiten und etwas für ihre Rente tun. Doch in ihrem ersten Beruf hat keine der Frauen noch eine Chance. „Viele von uns haben durch die Kindererziehungszeiten Jahre ausgesetzt, sind dadurch nicht mehr auf dem neuesten Stand und gelten deshalb als nicht vermittelbar“, sagt die Bauzeichnerin Birte Steffens. Einige haben schlicht „den falschen Beruf“ – wie die Raumausstatterin Mareike Indorf. Oder ihr Beruf lässt sich nicht mit der privaten Situation als Mutter vereinbaren – wie bei der Hotelfachfrau Ulrike Staack.

Doch arbeitslos zu sein, das war für diese Frauen keine Alternative. Stattdessen haben sie einen zweiten Anlauf gewagt, drücken noch einmal die Schulbank und hoffen, dass ihnen die Ausbildung zur Erzieherin eine Beschäftigung bietet. Möglich ist das nur, weil sie alle während der dreijährigen Ausbildung Bafög nach dem Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz erhalten. Zumindest war das die Ansage, als die Frauen die Ausbildung am Berufsbildungszentrum Schleswig begonnen haben.

Das erste Schuljahr lief auch reibungslos. Doch jetzt im zweiten Jahr bekamen sie den Hinweis von der Fachschule, dass es Probleme gebe. Durch das Praktikum könne die vorgeschriebene Mindestunterrichtszeit nicht erfüllt werden. Das ist aber Voraussetzung, damit das Aufstiegs-Bafög weiter gezahlt wird. „In diesem Jahr wurde das kurzfristig abgewendet, indem wir unser Praktikum in den Herbstferien absolviert haben“, sagt Daniela Torres (36) aus Steinfeld, die ebenfalls zu den Betroffenen gehört. „Doch für das dritte Jahr droht uns der finanzielle Ausfall. Denn da müssen wir ein 20-wöchiges Blockpraktikum machen und haben nicht genug Unterrichtsstunden, um das Bafög weiter zu erhalten. Wir haben alle wirklich Angst.“

Im Berufsbildungszentrum Schleswig will sich die Schulleiterin nicht dazu äußern. Nur so viel: Die Förderung angehender Erzieher mit dem Aufstiegs-Bafög sei ein allgemeines Problem. Die Redaktion solle sich an das Bildungsministerium wenden. Dort bestätigt Sprecher Thomas Schunck das Problem. Auch von der Investitionsbank, bei der das Aufstiegs-Bafög beantragt wird, heißt es: „Ein Festhalten an der bisherigen Unterrichtsgestaltung würde im dritten Fachschuljahr mit einem 20-wöchigen Blockpraktikum regelmäßig zum Verlust des Förderanspruches führen.“ Allerdings hätten einige Erzieherfachschulen im Land schon reagiert und die Unterrichtspläne geändert. Eine Möglichkeit: Das Blockpraktikum könnte in die Sommerferien verschoben werden.

Im Bildungsministerium will man das Problem schnell lösen. „Wir sind im Gespräch mit der Schule in Schleswig“, sagt Schunck. „Wir wollen sicherstellen, dass die Schülerinnen ihre Ausbildungen beenden können. Die neue Richtlinie darf nicht dazu führen, dass Jahre der Ausbildung plötzlich in Frage stehen.“ Und das müsse auch für die gelten, die kein Praktikum in den Sommerferien absolvieren können.

Von kn online

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