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Schleswig-Holstein Rasmus Andresen könnte es schaffen
Nachrichten Schleswig-Holstein Rasmus Andresen könnte es schaffen
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17:00 23.05.2019
Von Christian Hiersemenzel
Rasmus Andresen will auch in Brüssel am liebsten weiter Finanzpolitik machen – wenn seine Partei genügend Mandate erringt. Quelle: Ulf Dahl
Kiel

Gut 30 überwiegend junge Leute sind an diesem frühen Abend ins vegetarische Lokal „Mmhio“ gekommen, einer Art Kieler Stammlokal der Grünen. Im Veranstaltungssaal, wo ein Kühlregal mit Lifestyle-Brause vor sich hin rattert, trifft Rasmus Andresen auf Schleswig-Holsteins Umwelt- und Digitalisierungsminister Jan Philipp Albrecht. Es geht um die digitale Zukunft Europas – und warum Grün die bessere Alternative zu anderen politischen Farben ist.

Rasmus Andresen will ins Europäische Parlament nach Brüssel

Seit 2009 sitzt der Flensburger Andresen als Abgeordneter im Kieler Landtag, und mit seinem Listenplatz 16 rechnet er sich für die bevorstehende Wahl gute Chancen aus. Deutschland stehen in Brüssel 96 Sitze zu – und Umfragen sehen die Grünen derzeit zwischen 17 und 19 Prozent. Neben Niclas Herbst (CDU) und Delara Burkhardt (SPD) könnte der 33-Jährige der dritte Europa-Parlamentarier aus Schleswig-Holstein werden.

Selbstverständlich sei das allerdings nicht. Andresen kennt gute und schlechte Zeiten. Zunächst saß er in der Opposition, dann konnte er als finanzpolitischer Fraktionssprecher an der Seite von SPD und SSW die Landespolitik ganz nach seinem Geschmack mitgestalten. Als im Mai 2017 die Mehrheiten passé waren und der Schwenk seiner Partei zur bürgerlichen Jamaika-Koalition bevorstand, widersetzte er sich bis zuletzt. Es galt deshalb als offenes Geheimnis, dass ihn die Grünen elegant abschoben – auf einen protokollarisch ehrenvollen Posten als stellvertretender Landtagspräsident mit wenig Einfluss auf das Tagesgeschäft.

Andresen will maximale Transparenz

Die Debatte im „Mmhio“ dreht sich an diesem Abend nach einer knappen Stunde um Hassbotschaften im sozialen Netzwerk. Ein junger Gymnasiallehrer berichtet davon, was passiert, wenn er seine Schüler im Internet nach dem Schlagwort „Germanen“ googeln lässt. Sehr schnell stießen sie dort auf braune Seiten. „Die Algorithmen führen zu einer starken Polarisierung“, sagt er. Das müsse sich doch ändern lassen.

Andresen nickt. Maximale Transparenz halte auch er für nötig. „Die Leute, die sich mit Algorithmen auskennen, sollten nicht nur bei Google und Co. sitzen, sondern auch in der EU.“ Wenige Datenkraken entschieden mittlerweile über demokratische Meinungsbildungsprozesse. „Wir müssen große Digitalkonzerne in ihre Schranken weisen und eigene digitale Innovationen fördern.“ Die EU brauche ein starkes Regelwerk, um weltweite Standards zu setzen und fairen Wettbewerb zu ermöglichen.

Grüne sind Lieblingsgegner der AfD

Jan Philipp Albrecht nickt. Seit 2009 hatte er für die norddeutschen Grünen im EU-Parlament gesessen und war 2012 zum Berichterstatter des Parlaments für die geplante Datenschutz-Grundverordnung benannt worden. 5G an jeder Milchkanne, um unter anderem die digitale Landwirtschaft zu stärken? Diese Forderung löst bei einer Frau im Publikum Widerspruch aus. Wer elektrosensibel sei, wisse bald nicht mehr wohin, sagt sie. Rasmus Andresen kennt ähnliche Einwände aus Debatten um Windkraft und Infraschall. „Wir brauchen unabhängige Forschung“, gibt er ihr recht. Allerdings verfüge die Politik derzeit über keine belastbaren Fakten, die auf eine Gesundheitsgefährdung durch Elektrosmog hinweisen. „Vorerst müssen wir bei 5G weiter vorangehen.“

Die Grünen sind seit geraumer Zeit erklärter Lieblingsgegner der AfD. Andresen wundert es nicht. Die Unterschiede seien zwischen den Rechtspopulisten und seiner Partei sicherlich am größten. „Wir wollen mehr tun für Klimaschutz – die Rechtspopulisten leugnen den Klimawandel.“ Die Grünen stünden „mutig für die Rechte von Menschen auf der Flucht“. Und seine Partei setze sich für grenzüberschreitende Projekte statt Passkontrollen ein. Doch schon in Dänemark stoße das auf Widerstand.

Andresen lebte in Kopenhagen

Dieser Punkt schmerzt Andresen besonders. Der Kommunikationswissenschaftler besuchte einen dänischen Kindergarten und dänische Schulen, lebte ein paar Jahre in Kopenhagen und studierte in Roskilde. „Ich bin mit zwei Kulturen aufgewachsen und habe schnell gelernt, dass man mehr davon hat zusammenzustehen, als sich gegenseitig abzuschotten.“

Lesen Sie auch was die Kandidaten der anderen Parteien antreibt:

Delara Burkhardt und Enrico Kreft (beide SPD)

Niclas Herbst (CDU)

Helmer Krane (FDP)

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