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Schleswig-Holstein FDP: Land kein Lebensraum für den Wolf
Nachrichten Schleswig-Holstein FDP: Land kein Lebensraum für den Wolf
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19:08 14.05.2019
Von Christian Hiersemenzel
Schleswig-Holsteins FDP fordert einen entschlosseneren Umgang der Umweltminister mit dem Thema Wolf. Quelle: Patrick Pleul/dpa (Archiv)
Kiel

Schleswig-Holsteins FDP fordert einen entschlosseneren Umgang der Umweltminister mit dem Thema Wolf. „Als Land zwischen den Meeren mit kaum zusammenhängenden Waldflächen und flächendeckender Weidetierhaltung kann Schleswig-Holstein kein geeigneter Lebensraum für den Wolf sein", sagte Kumbartzky. "Ich sehe hier keinen Platz für Wolfsrudel.“

Angesichts des derzeit entstehenden Wildtierzaunes, mit dem sich Dänemark gegen die Afrikanische Schweinepest schützen will, entstehe hierzulande eine Art Sackgasse. „Die verbreitete Hoffnung einiger Verantwortlicher, dass die Causa Wolf vorübergehen wird wie ein Schnupfen, wird den Verlust des Kulturgutes der Weidetierhaltung mit all ihren Facetten zur Folge haben“, warnte Kumbartzky. Er sprach von einem Freilandversuch mit ungewissem Ausgang, der auf dem Rücken von Tierhaltern und Menschen im ländlichen Raum ausgetragen werde.

FDP: Schutzstatus des Wolfs soll erlöschen

Der absolute und unantastbare Schutzstatus des Wolfes dürfe nicht erhalten bleiben. „Mittlerweile hat sich der Bestand in Mitteleuropa derart stabilisiert, dass er als gesichert angesehen werden kann.“ Daher müsse der starre Schutz auf nationaler und europäischer Ebene erlöschen.

Entsprechend sei das Bundesnaturschutzgesetz anzupassen. Für die aktive Bestandsregulierung sei das Tier zudem ins Bundesjagdgesetz aufzunehmen. Landes-Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) möge sich dafür entsprechend einsetzen.

Grüner Minister lässt lieber die Fraktion sprechen

Die Grünen schlugen die Hände über dem Kopf zusammen. Zwar wollte sich Umweltminister Albrecht zum Vorstoß der Jamaika-Partner lieber nicht äußern. Man springe nicht über jedes Stöckchen, das einem die Liberalen während des Europawahlkampfes hinhielten, hieß es aus seinem Haus. Dafür fiel die Reaktion aus der Fraktion umso schärfer aus.

„Unverantwortlich“, sagte die naturschutzpolitische Sprecherin Marlies Fritzen. Kumbartzky emotionalisiere ein ohnehin schwieriges Thema, schüre Ängste und biete den Menschen nicht mehr als Scheinlösungen an. „Selbst wenn der Wolf ins Bundesjagdgesetz aufgenommen würde, bliebe es trotzdem eine Ausnahmegenehmigung, ihn zu schießen. Und der Wolf wäre aufgrund seiner Klugheit trotzdem nicht schneller zu finden.“ Ob Schleswig-Holstein ein Platz für Wölfe sei oder nicht, entscheide nicht die FDP und schon gar nicht Kumbartzky, „sondern einzig der Wolf“.

CDU wiegelt ab: Kein Freifahrtschein

Die CDU bemühte sich mit einem Positionspapier erkennbar um Deeskalation. Man habe zwar „ähnliche Überlegungen“, sagte Fraktionschef Tobias Koch zur Änderung des Bundes- und Landesjagdgesetzes. Verhaltensauffällige Wölfe sollten nicht nur von behördlich ausgewählten, sondern der Landesjägerschaft geschossen werden dürfen. Aber: „Es geht keinesfalls um einen Freifahrtschein.“

Vergangene Woche hatte die Umweltministerkonferenz unter dem Vorsitz von Hamburg eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die eine langfristige Strategie für eine bestandserhaltende Population erarbeiten soll. Die Bundesregierung wurde aufgefordert, das Bundesnaturschutzgesetz zügig anzupassen. „Die Debatte dreht sich im Kreis“, kommentierte FDP-Mann Kumbartzky.

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