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Schleswig-Holstein Fachkräftemangel am Belt: Wer baut den Tunnel?
Nachrichten Schleswig-Holstein Fachkräftemangel am Belt: Wer baut den Tunnel?
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06:00 20.06.2019
Am Bau des Fehmarnbelttunnels sollen Tausende von Menschen beteiligt sein. Quelle: Femern A/S
Fehmarn

Auf der einen Seite die Hoffnung auf viele neue Arbeitsplätze, auf der anderen Seite die Angst vor einem steigenden Fachkräftemangel: Für den Bau des Belttunnels sollen Tausende von Menschen beschäftigt werden – doch schon jetzt fehlen Experten in der Branche. „Es wird für Unternehmen nicht einfach sein, Ingenieure und andere Fachkräfte für den Tunnelbau zu finden“, prognostiziert Markus Dusch, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit, mit Blick auf bestehende Engpässe.

IHK hofft, dass neue Fachkräfte dauerhaft in der Region bleiben

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck hofft man, dass die Region langfristig vom Tunnel-Projekt profitiert: Es sei wichtig, die Fachleute auch nach Ende der Bauarbeiten hier zu halten, betont Sprecher Can Özren, sie würden später garantiert anderswo gebraucht. Statistiken zufolge würden bis 2030 voraussichtlich 100 000 Stellen in Schleswig-Holstein nicht besetzt werden können. Entsprechend sei jede neue Fachkraft ein Gewinn.

Tunnel-Bauherr Femern A/S hat nach eigenen Angaben bereits eine „Job-Offensive“ gestartet, um Spezialisten in den Norden zu holen. Insbesondere nach Ingenieuren werde aktuell gesucht – in erster Linie in Deutschland und Dänemark, aber auch weltweit. Es gehe um hochspezialisierte Experten, sagt Personalabteilungs-Leiter Henrik Hartmann. Dem Unternehmen sei bewusst, wie begehrt diese Kräfte seien. Zum Teil wolle Femern A/S sie von anderen Großprojekten auf der ganzen Welt herholen.

Tausende von Arbeitern sollen am Tunnelbau mitwirken

Die Mitarbeiterzahl der Projektgesellschaft selbst soll auf 150 anwachsen und sich damit verdoppeln. Hinzu kommt das Personal zahlreicher Subunternehmer: Zu Hochzeiten sollen auf der Tunnel-Baustelle mehrere Tausend Arbeiter tätig sein; Femern A/S rechnet damit, dass bei Zulieferern noch einmal so viele Arbeitsplätze entstehen.

Arbeitsagentur-Chef Dusch appelliert an die entsprechenden Firmen, ihren Bedarf frühzeitig anzumelden. Über die Internet-Plattform Jobbörse könne bundesweit nach geeigneten Bewerbern gesucht werden. Auf diese Weise könnten zudem Arbeitssuchende und Erwerbstätige gleichermaßen angesprochen werden, die ihren Lebensmittelpunkt an die Ostsee verlagern wollten.

Fachkräftemangel in der Baubranche nimmt zu

Wie die IHK geht Dusch davon aus, dass die Tunnel-Ingenieure und -Arbeiter auf deutscher Seite gute Aussichten haben, nach Abschluss des Mammutprojekts eine neue Beschäftigung in der Region zu finden. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage verschiebe sich in der entsprechenden Berufsgruppe schon jetzt zu Gunsten der Arbeitnehmer. Sprich: Die Tendenz geht dahin, dass es mehr Arbeitsplätze als Bewerber gibt. Aktuell kommen rechnerisch auf jede Stelle 1,2 Bewerber – vor fünf Jahren waren es noch 3,5.

Laut Arbeitsagentur wird die Besetzung der entsprechenden Posten zunehmend schwieriger. Konnten Stellen aus dem Bereich „Bauplanung, Architektur, Vermessungsberufe“ in Ostholstein vor fünf Jahren durchschnittlich nach 52 Tagen besetzt werden, dauert es jetzt im Schnitt 88 Tage, einen geeigneten Bewerber zu finden. 2018 wurden 92 Stellen ausgeschrieben, vor fünf Jahren waren es noch 43. Dieses Jahr wurden bis Ende Mai schon 38 Stellen angeboten, 18 davon sind bisher nicht besetzt. Insgesamt sind in Ostholstein 251 sozialversicherungspflichtig Beschäftige in der entsprechenden Berufsgruppe gemeldet – 43 oder 20,7 Prozent mehr als noch vor fünf Jahren. Damit war der Anstieg hier nach Angaben der Arbeitsagentur stärker als in allen anderen Branchen.

Bei Femern A/S ist man trotz allem zuversichtlich, dass alle Stellen für den Tunnelbau besetzt werden können. In den vergangenen Monaten habe die Gesellschaft bereits einige neue Mitarbeiter eingestellt. Neben erfahrenen Spezialisten sollen auch junge Absolventen an Bord geholt werden, die bei dem Großprojekt erste Erfahrungen sammeln können, kündigt das dänische Staatsunternehmen an. Bauunternehmen und Zulieferer seien zudem „verpflichtet, Ausbildungsplätze im Umfang von 500 Personenjahren zu schaffen“.

Mehr zum Projekt gibt es unter www.ln-online.de/beltquerung.

Jennifer Binder

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