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Schleswig-Holstein Mehr falsche Fünfziger im Norden
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19:05 13.11.2015
Von Frank Behling
Foto: Besonders beliebt bei den Fälschern ist nach wie vor die 50-Euro-Note.
Besonders beliebt bei den Fälschern ist nach wie vor die 50-Euro-Note. Quelle: Malte Christians/dpa
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Kiel

Die Polizeidienststellen im Land registrieren einen dramatischen Anstieg von Falschgeldfällen. Immer öfter tauchen gefälschte 20- und 50-Euro-Scheine auf. Das Landeskriminalamt (LKA) Kiel spricht von einer explosionsartigen Zunahme. Wenn der Trend anhält, könnte sich die Zahl der Fälle bis zum Jahresende gegenüber dem Vorjahr fast verdoppeln. Bis Donnerstag wurden in diesem Jahr beim LKA in Kiel 2409 Fälle gemeldet – im ganzen Jahr 2014 waren es 1397, zwei Jahre davor sogar nur 590. „Es gibt weder einen regionalen Schwerpunkt noch besondere Zeiten. Die Fälle ziehen sich durch das ganze Land“, sagt LKA-Sprecher Stefan Jung.

Die Spur führt aber immer öfter zu Bezugsquellen im Internet. Im „Darknet“ bedienen sich nach Beobachtung der Polizei zunehmend Jugendliche der Falschgeld-Quellen. Auf speziellen Verkaufsplattformen werden die „Blüten“ neben Waffen und Rauschgift innerhalb geschlossener Netzwerk-Gruppen vertrieben. Mit einem einfachen Computer-Klick können dort Päckchen von 20 bis 200 hochwertigen meist aus Italien stammenden Druckfälschungen erworben werden. Der Preis beträgt nach Erkenntnissen der Ermittler 15 bis 20 Prozent des Nennwertes des Geldes. Die Besteller fühlen sich meist sicher, da die Anbieter sämtliche modernen Verschleierungsmöglichkeiten nutzen. Das Leistungspaket der Kriminellen beinhaltet eine verschlüsselte Kommunikation über das Internet, die Zahlung des Falschgeldes über die anonyme digitale Währung „Bitcoins“ und den Versand an zuvor „gehackte“ Packstationen.

Diese Art der Falschgeldbeschaffung hat sich besonders bei Schülern und jungen Erwachsenen herumgesprochen. Der Leiter der Falschgelddienststelle im LKA Schleswig-Holstein, Rüdiger Richert: „Wir spüren Neugierde gepaart mit großem Interesse, insbesondere bei jungen Menschen, die meistens zuvor noch nie mit der Polizei in Berührung gekommen waren. Der vermeintliche sichere Bestellweg ist jedoch mit hohen nicht absehbaren Risiken für die Schüler und Auszubildenden verbunden.“ Durch einige Falschgeld-Funde und Ermittlungen bei betroffenen Jugendlichen konnten Beamte in Internet-Netzwerke vordringen und auch Adresslisten sicherstellen. Zuletzt hatten Fahnder des Bundeskriminalamtes am 11. November bei einer bundesweiten Razzia Daten und Falschgeld sichergestellt. Sie werden jetzt ausgewertet. Die Polizei erwartet in Kürze weitere Ermittlungserfolge.

Das Falschgeld selbst ist laut Jung von hochwertiger Qualität. Die als sogenannte Napoli-Drucke bekannten Scheine stammen aus Italien und sind mit einfachen technischen Hilfsmitteln nicht als „Blüten“ zu erkennen. Teilweise fällt das Falschgeld erst bei der Einzahlung in der Bank auf. „Das ist für die Betroffenen natürlich immer sehr ärgerlich“, so Jung. Die Bundesbank informiert auf ihrer Internetseite www.bundesbank.de über die Sicherheitsmerkmale der Banknoten. Der Anstieg der Fälle könnte aus Sicht der Ermittler auch im Zusammenhang mit der Umstellung der Euro-Banknoten stehen. Am 25. November kommt der neue 20-Euro-Schein in Umlauf. Es wird vermutet, dass die Fälscher jetzt versuchen, ihre Lagerbestände loszuwerden und dafür auch neue Vertriebswege im Internet nutzen.

Es gibt keinen regionalen Schwerpunkt oder besondere Zeiten. Die Fälle ziehen sich durch das ganze Land.

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