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Schleswig-Holstein Ansturm auf Stena-Line hält an
Nachrichten Schleswig-Holstein Ansturm auf Stena-Line hält an
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20:40 13.09.2015
Von Heike Stüben
Die Flüchtlinge wollen von Kiel nach Schweden reisen. Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Hamburg

Jetzt greift die Bundesregierung zu drastischen Maßnahmen: Seit Sonntag gibt es wieder Grenzkontrollen. So soll die unkontrollierte Einreise von Flüchtlingen begrenzt werden. Damit reagiert die Bundesregierung auf den Andrang von 16500 Flüchtlingen am Wochenende, die aus Ungarn über Österreich nach München gekommen waren. Allein am Sonntag fuhren Hunderte davon weiter nach Schleswig-Holstein.

Deutschland führt in diesen Minuten vorübergehend wieder Grenzkontrollen an den Binnengrenzen ein. Der Schwerpunkt wird zunächst an der Grenze zu Österreich liegen“, teilte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Berlin mit. Währenddessen wurden bereits Polizeieinheiten an die Grenze verlegt. Die Bundesregierung will so auch den Druck auf die EU erhöhen. Am Montag beraten die EU-Innenminister über den Vorschlag der EU-Kommission, 160000 Flüchtlinge gerecht zu verteilen. „Wir müssen zu einem geordneten Verfahren kommen“, sagte de Maiziere. Das sei auch aus Sicherheitsgründen nötig.

Auch die Deutsche Bahn unterbrach den Zugverkehr von und nach Österreich bis Montagmorgen um 6 Uhr. Dadurch kann es zu Einschränkungen im Reiseverkehr kommen. Erstmals waren am Wochenende auch Bundeswehrsoldaten im Einsatz, um die Situation am Hauptbahnhof in München zu bewältigen.

Flüchtlinge wollen auf die Fähren

Auch in Schleswig-Holstein war die Lagen am Wochenende zeitweise angespannt. Am Sonnabend drängten sich 1500 Menschen am Flensburger Bahnhof. Am Sonntag kamen 500 Flüchtlinge mit Sonderzügen aus Bayern in schleswig-holsteinische Erstaufnahmeeinrichtungen. „Darüber hinaus reisen Flüchtlinge aber auch selbständig an und nutzen öffentliche Verkehrsmittel“, sagte Matthias Glamann vom Landespolizeiamt. Viele dieser Flüchtlinge wollten über Kiel und Travemünde mit Fähren nach Schweden. Im Kieler Stena-Terminal standen am Sonntag mehr als 350 Reisewillige nach Tickets an. „So viele Plätze haben wir leider nicht mehr“, sagte Stena-Pressesprecher Martin Wahl. Mindestens 100 Menschen mussten auf die nächste Abfahrt vertröstet werden. Sie sollten die Nacht in der Erstaufnahme am Nordmarksportfeld verbringen.

Auch den Kommunen bereitet die Geschwindigkeit, mit der die Flüchtlinge in den Norden kommen, zunehmend Probleme. „Die gegenwärtigen Finanzhilfen reichen vorne und hinten nicht“, sagte Jan-Christian Erps, Geschäftsführer des Landkreistages und forderte eine umgehende und dynamische Finanzierung. Sonst könne die positive Stimmung bei Bürgern und in den Verwaltungen kippen. Wir müssen zu einem geordneten Verfahren kommen. Das ist auch aus Sicherheitsgründen nötig.

Sonderkonferenz gefordert

Angesichts der dramatisch zugespitzten Flüchtlingssituation haben der Kieler Regierungschef Torsten Albig und seine rheinland-pfälzische Kollegin Malu Dreyer (beide SPD) eine Sonderkonferenz der Ministerpräsidenten in den kommenden Tagen gefordert. Das Treffen sollte umgehend einberufen werden, sagte Dreyer am Sonntag. Nach Angaben Albigs soll das Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) noch in dieser Woche stattfinden. Ursprünglich war für den 24. September ein Bund-Länder-Gipfel geplant. Dies sei angesichts der Lage zu spät, hieß es aus Kiel.

Am Hamburger Hauptbahnhof sammelten sich am Wochenende wieder Hunderte Flüchtlinge. Sie wurden in der Wandelhalle von Helfern betreut. Einige übernachteten dort auch, wie Helfer berichteten. Am Sonntag wurden sie auf verschiedene Züge etwa nach Lübeck, Kiel oder Rostock verteilt. Die Ehrenamtlichen hielten dafür Schilder mit den Namen der Bahnhöfe hoch und brachten die Migranten dann zu den Zügen.

In Zügen aus München kamen im Laufe des Sonntags weitere Migranten in Hamburg an, jedoch zunächst nicht in hoher Zahl. Die Neuankommenden wurden auf den Bahnsteigen von den Freiwilligen in Empfang genommen und mit Essen und Trinken versorgt. Unter den Helfern waren auch Syrer, Afghanen und andere Ausländer.

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