Forderung: Sollte der 8. Mai ein Feiertag werden?
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Schleswig-Holstein Der 8. Mai: Ein neuer Feiertag?
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21:22 28.01.2020
Von Christian Hiersemenzel
Die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano löste die Debatte mit Briefen an Steinmeier und Merkel aus.
Die Holocaust-Überlebende Esther Bejarano löste die Debatte mit Briefen an Steinmeier und Merkel aus. Quelle: Axel Heimken
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Kiel

Esther Bejarano schrieb einen offenen Brief an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). „Der 8. Mai muss ein Feiertag werden“, forderte sie. „Ein Tag, an dem die Befreiung der Menschheit vom NS-Regime gefeiert werden kann.“

Prien: "Keine neue Feiertagsdebatte"

Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hatte Schleswig-Holstein am Montag in Auschwitz bei einer Gedenkveranstaltung zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers vertreten. „Das Ende der Nazi-Herrschaft war eine Befreiung für Deutschland und Europa“, sagte sie kurz vor ihrem Rückflug nach Deutschland. Sie könne sich den 8. Mai als Gedenktag „gerade auch wegen der Rolle Schleswig-Holsteins in diesen letzten Kriegstagen“ sehr gut vorstellen. Eine erneute Feiertagsdebatte wie beim Reformationstag halte sie allerdings nicht für sinnvoll. CDU-Fraktionschef Tobias Koch unterstrich, dass man Erinnerungskultur nicht auf einzelne Daten beschränken dürfe, „sondern permanent gegen Hass und Gewalt“ einstehen müsse.

Zustimmung bei Grünen und SPD

Was die grünen Koalitionspartner anders bewerten: Fraktionschefin Eka von Kalben wies darauf hin, dass das Gedenken in dieser Woche „wieder einmal gezeigt“ habe, wie wichtig es sei, eine Erinnerungskultur zu pflegen und zu bewahren. „Von allen Vorschlägen, die es bisher zu weiteren Feiertagen auf Bundesebene gibt, finde ich den 8. Mai besonders geeignet“ – auch als Signal an die letzten noch lebenden Holocaust-Überlebenden und ihre Angehörigen. Unterstützung erhielten die Grünen aus der SPD. Zwar gebe es noch keine Beschlüsse, sagte Fraktionschef Ralf Stegner. Er werde den Vorschlag aber mittragen. „Vor dem Hintergrund von Nazi-Morden, Todeslisten und einer unerträglichen Kultur der Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit, die wir sogar in Parlamenten erleben, wäre der 8. Mai ein wichtiges Zeichen.“

Beide große Kirchen begrüßen Idee

In den beiden großen Kirchen stieß der Vorstoß auf größtmögliche Sympathie. „Der 8. Mai 1945 war der Tag der Befreiung von der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“, sagte die evangelische Landesbischöfin Kristina Kühnbaum-Schmidt. „Deshalb begrüße ich es, wenn dieser Tag in Deutschland zum staatlichen Feiertag würde.“ Ähnlich äußerte sich der katholische Hamburger Erzbischof Stefan Heße. „Der 8. Mai hat unbestritten eine große Bedeutung für das Land. Ihn zum Feiertag zu machen, würde das würdigen.“

Kritik äußerte die AfD. Einzig einen Tag der Befreiung zu begehen, würde bei aller angemessenen Dankbarkeit für das Ende eines „fürchterlichen Krieges“ die ganze geschichtliche Wahrheit ausblenden, sagte der Abgeordnete Volker Schnurrbusch. Es seien „nicht nur Menschen befreit, sondern auch ihrer Heimat beraubt, vertrieben, gefangen genommen, gefoltert und getötet“ worden.

Die Liberalen hingegen könnten sich durchaus einen europaweiten Feiertag vorstellen. Allerdings müsste dann ein anderer gesetzlicher Feiertag entfallen, sagte Fraktionschef Christopher Vogt. „Wir können ja nicht jedes Jahr einen zusätzlichen Feiertag einführen.“

Seit 2019 haben die meisten Arbeitnehmer am Reformationstag, also am 31. Oktober, auch in Schleswig-Holstein frei.

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