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Schleswig-Holstein Umzug bringt Eltern auf die Palme
Nachrichten Schleswig-Holstein Umzug bringt Eltern auf die Palme
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07:13 17.09.2014
Von Christoph Jürgensen
Obwohl der Standort Elendsredder für die Sekundarstufe II dringend gebraucht wird, ist die Timm-Kröger-Regionalschule aus eigener Kraft nicht zukunftsfähig. Die Umsiedlung der Friedrich-Junge-Gemeinschaftsschule soll den Standort sichern. Quelle: cjue: Christoph Jürgensen
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Kiel

Die große Angst an der FJGS: Eine beliebte Schule mit 450 Schülern, gutem Ruf, engagiertem Kollegium und funktionierender Schulgemeinschaft könnte unwiederbringlich zerrissen werden. Denn lässt sich der „gute Geist von Friedrich Junge“ so einfach verpflanzen? In ein Gebäude, das gerade leerzulaufen droht, weil es eine Schule mit besonders schlechtem Image beherbergte?

 Anfang des Jahres hatte der ehemalige Schulleiter Klaus-Peter Römer die Idee aufgebracht: Warum nicht mit der gesamten Schule aus dem räumlich unzulänglichen und komplett sanierungsbedürftigen Gebäude an der Langenbeckstraße umziehen in die frisch renovierten Räume der TKRS, die offensichtlich ein Auslaufmodell ist? Bei den Eltern ist Römer mit diesem Vorschlag abgeblitzt. In einer Abstimmung Ende Februar sprach sich eine deutliche Mehrheit gegen ein solches Unterfangen aus und damit für den Verbleib am angestammten Standort. Damit dachte man an der FJGS eigentlich, die Sache wäre vom Tisch.

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 Doch in der Stadtverwaltung sind Römers Idee und ihre Vorzüge durchaus hängengeblieben. Hintergrund sind vor allem zwei Vorgaben aus der Politik: Vorhandene Schulräume sollen möglichst optimal genutzt werden. Daher darf die TKRS nicht einfach irgendwann leer stehen, wenn keine Schüler mehr da sind. Zum anderen soll der Elendsredder als Standort für eine Grundschule und eine Sekundarstufe II erhalten bleiben. Während es im potenziellen Einzugsgebiet der FJGS mehrere Gemeinschaftsschulen gebe, bleibe nach dem Wegfall der TKRS zwischen Suchsdorf und der Wik nur ein „großer weißer Fleck“, so Iris Diekelmann, Leiterin der Abteilung Schule bei der Stadt. „Wir brauchen diesen Standort dringend.“

 Verantwortungsvolle Schulentwicklungsplanung dürfe nicht nur auf einzelne Standorte schauen, sondern müsse die ganze Stadt im Blick haben, sagt Bildungsdezernentin Renate Treutel. Die Zukunftschancen der FJGS im jetzigen Schulhaus aus den frühen 1950er-Jahren sieht sie düster: „Das Gebäude müsste erst einmal für rund 2,5 Millionen saniert werden und würde dann räumlich immer noch nicht ausreichen für eine Gemeinschaftsschule.“

 Drei mögliche Szenarien hat die Verwaltung den betroffenen Schulen als Zukunftsperspektive unterbreitet: Entweder könnte die FJGS sukzessive umziehen. Das heißt, die neuen fünften Klassen würden künftig am Elendsredder eingeschult, während der Standort Langenbeckstraße nach und nach ausläuft. Perspektiven zwei und drei sind jeweils Außenstellen-Lösungen, die beide Standorte erhalten, aber diverse Nachteile hätten: Die Schülerschaft müsste aufgeteilt werden, Lehrer müssten permanent pendeln, an beiden Stellen müssten Fachräume saniert werden, die Identifikation mit einer Schule, die räumlich getrennt ist, würde schwer. Die Verwaltung favorisiert daher die Umsiedlung.

 An der FJGS selbst feilt man gerade an einer Stellungnahme zu den Plänen. Doch die Stimmung in der Elternschaft lässt sich gelinde als „aufgebracht“ umschreiben. Die Eltern fühlen sich übergangen. „Wir haben unsere Kinder doch ganz bewusst am jetzigen Standort angemeldet“, sagt die Schulelternbeiratsvorsitzende Ricci Giese. Eine Begutachtung des TKRS-Gebäudes habe kürzlich gezeigt, dass es keineswegs so hervorragend ausgestattet sei, wie es „uns immer verkauft wurde“, so Giese.