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Schleswig-Holstein Für das Tierwohl: Sauen sollen mehr Platz bekommen
Nachrichten Schleswig-Holstein Für das Tierwohl: Sauen sollen mehr Platz bekommen
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17:47 05.04.2019
In der Bewegungsbucht haben Sauen mehr Platz. Das zeigt Claus-Peter Boyens, Leiter des Lehr- und Versuchszentrums Futterkamp. Quelle: Ulf-Kersten Neelsen
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Futterkamp

„Wir erproben die Techniken in unseren Ställen und testen sie auf Praxistauglichkeit“, erklärt Claus-Peter Boyens, Leiter des Lehr- und Versuchszentrums Futterkamp (Kreis Plön). Zwei Jahre lang sind dort im Rahmen des Projektes Inno-Pig verschiedene Stalltypen zum Abferkeln getestet worden. Dabei ging es um den Vergleich unterschiedlicher Systeme mit Blick auf die Produktionskennzahlen, Daten zum Tierverhalten, zur Gesundheit der Tiere sowie der Ökonomie und der Arbeitssicherheit.

Die Kernfrage lautete: Wie kann der Sau mehr Bewegungsfreiheit gegeben werden, ohne dass zu viele Ferkel erdrückt werden? Das Ergebnis: Bewegungsbuchten sind eine Alternative, um Mutter- wie Jungtieren gerecht zu werden. Hintergrund ist die Nutztier-Verordnung, die derzeit auf Wunsch des Bundestages überarbeitet wird.

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Das Projekt

Bei dem Projekt „Inno-Pig“ wurden Praxistauglichkeit und Tiergerechtigkeit zweier alternativer Haltungssysteme getestet – im Vergleich zur konventionellen Einzelhaltung im Ferkelschutzkorb. Die Gruppenhaltung ferkelführender Sauen sowie der Einsatz von Bewegungsbuchten wurde in der Versuchsstation für Schweinehaltung in Wehnen (Niedersachsen) sowie im LVZ Futterkamp (Schleswig-Holstein) getestet.

Projektpartner sind neben den Landwirtschaftskammern Schleswig-Holstein und Niedersachsen unter anderem die Universitäten in Kiel und Göttingen sowie die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover. Gefördert wurde das Projekt mit knapp drei Millionen Euro.

Bisher arbeiten knapp 90 Prozent der Ferkelerzeuger mit einem Ferkelschutzkorb. Das hat eine aktuelle Umfrage der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein ergeben. Dabei bleiben die Sauen bis etwa vier Wochen nach der Geburt in einem engen Metallrahmen fixiert – zum Schutz der Ferkel. Eine Sau kann bis zu 300 Kilogramm wiegen – und beim Hinlegen schnell mal einige Nachkommen erdrücken. Pro Wurf kommen durchschnittlich 17 Schweine zur Welt.

Bewegungsbuchten haben sich bewährt

Bewährt hätten sich Bewegungsbuchten mit knapp sieben Quadratmetern Größe, berichtet Boyens. Doch auch darin müssten die Sauen zunächst für eine kurze Zeit fixiert werden, da die Ferkelverluste in den ersten drei Lebenstagen am größten seien. „Ab dem sechsten Tag nach der Geburt können die Muttertiere frei laufen.“

Die Zahl der erdrückten Ferkel pro Wurf wird mit 1,2 angegeben – und liegt damit auf einem vergleichbaren Niveau wie beim Ferkelschutzkorb (0,9). Zum Vergleich: Kann sich die Sau völlig frei bewegen, werden zwischen 2,5 und 3,2 Ferkel pro Wurf erdrückt. Das sei weder ökologisch noch ethisch vertretbar, meinte Karl-Heinz Tölle von der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN).

Welche Standards genau festgeschrieben werden, steht noch nicht fest. „Wir gehen aber davon aus, dass der Gesetzentwurf in diesem Jahr vorgelegt wird“, betont Boyens. Denn bei den Betriebsleitern sei eine große Verunsicherung zu spüren. Rund 120 Landwirte waren am Donnerstag nach Futterkamp gekommen, um sich zu informieren. Auch Vertreter des Bundeslandwirtschaftsministeriums waren dort.

Landwirtschaftskammer unterstützt Weg zu mehr Tierwohl

Mit einer in Deutschland einmaligen Sonderschau über verschiedene Bewegungsbuchten will die Landwirtschaftskammer Schweinehalter auf dem Weg zu mehr Tierwohl unterstützen. Sie ist jeden ersten Donnerstag im Monat von 9 bis 15 Uhr geöffnet. Die Kosten für eine Bewegungsbucht liegen nach Auskunft von Boyens bei 1500 bis 2000 Euro.

Die Schweinehaltung in Deutschland ist durch hoch spezialisierte Betriebe mit großen Tierbeständen gekennzeichnet. Dabei wird zwischen Schweinemast und Ferkelaufzucht unterschieden. In Schleswig-Holstein halten knapp 900 Betriebe Schweine. Dabei geht der Anteil an Sauenhaltern stark zurück. Sie halten im Schnitt etwa 350 Sauen und verkaufen 30 Ferkel pro Sau und Jahr. Im Lehr- und Versuchszentrum in Futterkamp sind knapp 400 Sauen zu Hause.

Julia Paulat/RND

05.04.2019
Christian Hiersemenzel 05.04.2019
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