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Schleswig-Holstein Eine Hebamme für fünf Gebärende
Nachrichten Schleswig-Holstein Eine Hebamme für fünf Gebärende
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12:00 04.05.2019
Von Heike Stüben
Die Geburt ist ein einmaliges Erlebnis - Hebammen wollen einen bestmöglichen Start für das Baby und eine individuelle Betreuung für die Mutter. Doch das ist immer häufiger nicht umsetzbar, klagt der Deutsche Hebammenverband. Quelle: Ralf Jakobs
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Kiel

"Die Geburtshilfe ist seit Jahren unterfinanziert und der Personalmangel steigt. Die Arbeitsbedingungen für Hebammen haben sich verschlechtert", klagt Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbandes. Hebammen betreuen demnach in deutschen Kliniken inzwischen dauerhaft mehr als doppelt so viele Gebärende wie Hebammen in anderen europäischen Ländern. "Teils betreut eine einzelne Hebamme fünf oder mehr Gebärende gleichzeitig."

Mehr Hebammen - aber in Teilzeit

Bundesweit steigt laut Statistischem Bundesamt in Krankenhäusern zwar die Anzahl der Hebammen und Entbindungspfleger. Doch immer mehr arbeiten lediglich in Teilzeit oder geringfügiger Beschäftigung, wie die Grafik zeigt. Da man von einer Teilzeitstelle nicht leben könne, würden viele Hebammen einen zweiten Job in einem anderen Berufsfeld ausüben.

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Für freiberuflich tätige Hebammen in der Geburtshilfe wiederum seien die Beitragssätze für die Haftpflichtversicherung immer noch so teuer, dass sie oft die Geburtshilfe aufgeben und sich auf Vor- und Nachsorge konzentrieren.

Zu lange Wege zum Kreißsaal

In Schleswig-Holstein kritisiert der Hebammenverband vor allem mit zwei Rahmenbedingungen: Es gebe zu wenige Hebammen in der Geburtshilfe. Und die Schließung von Geburtstationen habe die Versorgung vieler Frauen spürbar verschlechtert.

"Wenn ein Kind auf die Welt kommt, richtet es sich nicht nach der Entfernung zum nächsten Kreißsaal", sagt Anke Bertram, Landesvorsitzende des Hebammenverbandes in Schleswig-Holstein. "Doch immer mehr Kreißsäle, Geburtshäuser und Hebammenpraxen halten dem ökonomischen Druck nicht stand und schließen. Werdende Eltern brauchen aber Geburtshilfeeinrichtungen und Hebammenhilfe wohnortnah."   

Der Hebammenverband fordert deshalb ein Geburtshilfe-Stärkungsgesetz. Ein Hebammen-Sonderstellenprogramm soll für mehr Personal im Kreißsaal sorgen. Eine bessere ambulante Notfallversorgung von werdenden Müttern soll das Personal im Kreißsaal entlasten. Maßnahmen für ein gutes Fehlermanagement und eine bessere interprofessionelle Zusammenarbeit im Kreißsaal seinen dringend nötig.

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