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Schleswig-Holstein 16-Jährige traf mit Rede den Nerv
Nachrichten Schleswig-Holstein 16-Jährige traf mit Rede den Nerv
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17:46 17.11.2019
Von Jürgen Küppers
Premiere: Lea Hinz (16) hielt zum ersten Mal in ihrem Leben eine Rede in einem Parlament und erntete dafür bei der Gedenkstunde zum Volkstrauertag im Plenarsaal des Landtages sogar sonst unüblichen Applaus.  Quelle: Thomas Eisenkrätzer
Kiel

Trotz der dem Gedenktag angemessenen Andachtsruhe brandete gegen Ende der einstündigen Veranstaltung doch noch spontaner Applaus auf. Der galt aber weder der Ansprache von Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) noch der des Ministerpräsidenten Daniel Günther (CDU), sondern einer erst 16 Jahre alten Schülerin, die zuvor um einen Redebeitrag gebeten wurde. Und der traf offenbar den Nerv vieler Besucher.

Denn Lea Hinz räumte zunächst freimütig ein, sich bei der Vorbereitung ihres Auftritts die Frage gestellt zu haben: "Was geht mich der Volkstrauertag eigentlich an?" Eine Frage, die sich auch die meistern ihrer Mitschüler stellten, die noch nicht einmal um die Existenz des Gedenktages wüssten. "Denn wir kennen keine Zeitzeugen des Zweiten Weltkrieges mehr in unseren Familien. Wir kennen keine echten Schlachtfelder. Echtes Leid durch Krieg bleibt uns meist unbekannt." 

Volkstrauertag in Schleswig-Holstein: Mahnung zum Widerstand gegen radikale Kräfte

Umso wichtiger sei es insbesondere für ihre Generation, gerade jetzt den Volkstrauertag zum Anlass zu nehmen genau hinzuschauen, gut zuzuhören: Denn Europa stehe vor einer Zerreißprobe angesichts des aufkeimenden Nationalismus', Egoismus' und Ausgrenzung. "Gerade jetzt müssen wir gegen radikale Kräfte zusammenstehen, respektvoll sein und offenen Herzens durch die Welt gehen.

Die Schülerin der Alexander-von-Humboldt-Schule in Neumünster schloss ihre Rede mit einem Zitat des Holocaust-Überlebenden Max Mannheimer, der die junge Generation in Deutschland mahnte: "Ihr seid nicht schuld, dass es geschehen ist. Aber ihr seid verantwortlich dafür, dass es nie wieder geschieht."

Das hat die Rede zum Volkstrauertag bewirkt

Nicht nur die Gäste, auch Gastgeber Daniel Günther zeigte sich von der Rede der 16-Jährigen beeindruckt. "So weit ich weiß, gab es bei Gedenkstunden am Volkstrauertag noch nie Spontanapplaus", bekannte er am Ende der Veranstaltung. Einen konkreten Effekt hätte die Rede außerdem gehabt: Bildungsministerin Karin Prien werde nun den Auftrag erhalten, Bedeutung und Hintergrund des Volkstrauertages an Schulen stärker vermitteln zu lassen.

Auch der Ministerpräsident betonte in seiner Ansprache die nach wie vor aktuelle Bedeutung des Gedenktages. Erinnerung an Kriege und Gewalt sowie Mahnung zum Frieden des Volkstrauertages müssten ernst genommen werden: "Es sollte unsere Verpflichtung sein, daraus Lehren zu ziehen." Sonst drohe Geschichte zu verblassen. "Und wir wähnen uns in trügerischer Sicherheit." Der Volkstrauertag sei gerade in diesen Tagen nötig, um Menschen wachzurütteln in einer Zeit, "in der rechte Hetzer die Grenzen des Sagbaren immer weiter verschieben".

Ein Buch zum Volksbund-Jubiläum soll auch Rolle in NS-Zeit beleuchten

Landtagspräsident Klaus Schlie mahnte in seiner Rede zu einer "schonungslosen Auseinandersetzung mit Kriegen", um dauerhaft Frieden zu sichern. Rechtslastigen Strömungen und Nationalismus müsse mit allen demokratischen Mitteln entgegengetreten werden. "Und wir sollten uns immer wieder daran erinnern, dass unsere freiheitliche Demokratie alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist."

Lesen Sie auch: Späte Ehre für getöteten Kieler Soldaten

Der Landesvorsitzende des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Ekkehard Klug, kündigte angesichts des in diesem Jahr gefeierten 100-jährigen Volksbund-Bestehens eine umfassende Aufarbeitung der Geschichte der Organisation an. "Das Buch wird auch die kritischen Aspekte nicht aussparen und die Rolle des Volksbundes in der NS-Zeit beleuchten, als zum Beispiel Juden dort keine Mitglieder sein durften."

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