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Schleswig-Holstein Gefährlicher Häftling in Kiel entlassen
Nachrichten Schleswig-Holstein Gefährlicher Häftling in Kiel entlassen
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07:00 14.08.2019
Von Bastian Modrow
Siebeneinhalb Jahre saß der 44-Jährige in der JVA Kiel. Jetzt hat er seine Gefängnisstrafe verbüßt. Die Polizei stellt das vor Herausforderungen. Quelle: fpr: Frank Peter
Kiel

Wie KN-online aus Polizeikreisen erfuhr, soll der Mann noch während der Haft Drohungen ausgesprochen haben – unter anderem gegen seine Ex-Lebensgefährtin und gegen Polizeibeamte. Insgesamt gelten etwa 30 Personen als gefährdet. Die Polizei Kiel hat umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet.

Der gebürtige Schweriner war „wegen diverser Delikte im Zusammenhang mit der Trennung von seiner damaligen Freundin“ zu der langen Haftstrafe verurteilt worden, heißt es in einem internen Schreiben der Landespolizei, das KN-online einsehen konnte. Aufgelistet sind darin unter anderem Gewaltdelikte, Freiheitsberaubung und „Extremstalking bis hin zur Vorbereitung von Sprengstoffanschlägen“. Aus Behördenkreisen heißt es, es sei bei dem Prozess auch um den Verdacht auf schwere Brandstiftung gegangen mit dem Ziel, seine Partnerin zu töten.

Polizei hat Ermittlungsgruppe eingerichtet

Die Polizei hat die Sondereinheit „Rapsfeld“ gegründet, eine sogenannte Besondere Aufbau-Organisation (BAO). Alle Direktionen in Schleswig-Holstein sind informiert, die Staatsanwaltschaft ist eingebunden. Die Ermittler nehmen die ungewöhnliche Situation sehr ernst: „Die Entlassungsprognose der JVA Kiel enthält diverse Risikofaktoren“, heißt es in der entsprechenden Einsatzverfügung. Mit Sorge sehen die Beamten vor allem die hohe Affinität des 44-Jährigen für Sprengstoff, Waffen und Munition. Die BAO hat nach Informationen von KN-online einen Katalog von Maßnahmen getroffen, falls es zu neuen Straftaten kommt. Ausdrücklich wird in der Verfügung gewarnt: „Im Zusammenhang mit direkten polizeilichen Maßnahmen gegen (...) ist auf die Eigensicherung zu achten!“

30 Personen laut Polizeianalyse gefährdet

Auf Nachfrage bestätigt ein Behördensprecher, dass Schutzmaßnahmen für mehrere Personen getroffen worden seien. In der Einsatzverfügung heißt es, eine Analyse habe Gefährdungen für etwa 30 Personen ergeben. Alle seien schriftlich über die Freilassung informiert und Sicherheitsmaßnahmen in Abstimmung mit dem Landgericht getroffen worden. Für Unverständnis sorgt in Reihen der Polizei, dass eine elektronische Fußfessel für den 44-Jährigen von einem Richter abgelehnt worden ist.

Unklar ist noch, wo der aus Mann künftig wohnen will. Familiären Anschluss hat er in Schleswig-Holstein nicht. Seit seiner Entlassung vergangene Woche soll er sich mit Freunden getroffen haben.

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