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Schleswig-Holstein Wolfsschutzzaun wird zur Todesfalle
Nachrichten Schleswig-Holstein Wolfsschutzzaun wird zur Todesfalle
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15:41 06.02.2020
Von Bastian Modrow
Ein provisorischer Elektrozaun soll die Schafe der Familie Kaminsky in Dithmarschen vor dem Wolf schützen. Für ein Reh wurde das Geflecht zum Verhängnis - kein Einzelfall, sagt der Landesjagdverband. Quelle: Uwe Paesler
Kiel

Seit Monaten gehört der morgendliche Kontrollgang für die Kaminskys aus Rederstall in Dithmarschen zum Start in den Tag dazu. Am Montagmorgen machten die Schafzüchter dabei eine traurige Entdeckung. „Auf der Weide war auf einer Länge von etwa zehn Metern der Herdenschutzzaun umgerissen worden“, berichtet Marcell Kaminsky. Allerdings hatte kein Wolf das gespannte Drahtgeflecht umgedrückt. „Ein Reh war offenbar mit dem Kopf in den Zaun geraten und hatte sich verfangen“, so der 46-Jährige.

Verzweifelt hatte das Tier offenbar versucht, sich zu befreien. „Die Vorderläufe waren ebenfalls mit dem Drahtgeflecht umwickelt. In Panik muss das Reh herumgesprungen sein und sich das Genick gebrochen haben“, sagt Kaminsky. Ein Handyvideo seiner Frau Claudia zeigt den Fund des verendeten Tieres. Der Fall berührt die Schafzüchter sehr: „Der Elektrozaun führt 5000 Volt – man kann nur hoffen, dass es schnell gegangen ist.“

Landesjagdverband zählt immer mehr Fälle

Ein Einzelfall ist die Geschichte von der Westküste nicht. In Surendorf bei Schwedeneck machte ein Landwirt unlängst eine ähnliche Entdeckung. Er hatte seine Herde nach einem Riss ebenfalls mit einem Drahtzaun schützen wollen, was einem Stück Rehwild zum Verhängnis wurde. „Leider kommt so etwas regelmäßig vor und das Risiko für das Wild steigt entsprechend durch das verstärkte Aufstellen von Herdenschutzzäunen“, sagt Wulf-Heiner Kummetz vom Landesjagdverband (LJV). Vor allem in Dithmarschen hatte das Land nach den wiederholten Wolfsrissen im November Pakete mit aufgerollten Elektro-Drahtzäunen als Sofortschutz-Maßnahme an betroffene Schafhalter verteilt. „Dadurch wird der Lebensraum für Wildtiere aber noch weiter zerstückelt“, sagt Kummetz.

Eine Statistik führt der LJV nicht, aber die Meldungen häufen sich. Den Schafhaltern ist kein Vorwurf zu machen, bekräftigt der Verbandssprecher. „Sie wollen ihre Herden schützen, zugleich wollen wir mit dem Wolf leben – also muss die Gesellschaft leider auch mit solchen Fällen leben“, sagt der Jäger. Für die betroffenen Tiere sei das Leid immens: „Wenn sie sich im Elektrozaun verfangen, bekommen sie im Sekundentakt Stromstöße – das ist ein barbarischer Tod.“

Wolfsschutzzaun: Ministerium weiß von den Gefahren

Die Gefahren für Wildtiere sind im Umweltministerium in Kiel bekannt. Eine Idee, wie Abhilfe geschaffen werden kann, hat man allerdings nicht.

Kann Flatterband Rehe fernhalten?

Bei den Kaminskys in Dithmarschen ist man noch auf die netzartigen Provisorien angewiesen. „Die Finanzmittel, die das Land für einen festen Wolfszaun zahlen will, reichen nicht aus“, sagt der Schafhalter. 15.000 Euro wären für seine Koppeln notwendig. Kiel will aber nur 4000 bewilligen, sagt das Züchterpaar. Von einem Jäger aus der Nachbarschaft hat die Familie jetzt den Tipp bekommen, den provisorischen Zaun mit Flatterband zu bestücken. „Ich hoffe, dass das hilft, Rehe fernzuhalten, damit uns solche Funde künftig erspart bleiben.“

Der LJV appelliert an Jäger, Landwirte und Spaziergänger, Wildtierfunde unbedingt zu melden. Dafür sei eigens eine App für Smartphones entwickelt worden, in der neuerdings auch Bilder hochgeladen werden können. Die Software gibt es kostenlos in den App-Stores von Samsung und Apple.

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