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Schleswig-Holstein Cyberkriminelle auf dem Vormarsch
Nachrichten Schleswig-Holstein Cyberkriminelle auf dem Vormarsch
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15:23 18.04.2019
Von Christian Hiersemenzel
Foto: Cyberkriminalität trat nach Angaben von Generalstaatsanwalt Wolfgang Zepter 2018 auch in Schleswig-Holstein verstärkt auf.
Cyberkriminalität trat nach Angaben von Generalstaatsanwalt Wolfgang Zepter 2018 auch in Schleswig-Holstein verstärkt auf. Quelle: Uli Deck
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Kiel

2018 kam es im Norden zu 6785 Ermittlungsverfahren. „Das Gefahrenpotenzial ist besonders hoch“, konstatierte Generalstaatsanwalt Wolfgang Zepter am Donnerstag. Neben den sogenannte Phishing-Fällen, bei denen die Täter auf geschützte Computerzugangsdaten beim Online-Banking zugreifen, nannte er das Delikt „Sextortion“: Die Täter behaupten, dass ihr potenzielles Opfer bei sexuellen Handlungen fotografiert oder gefilmt wurde und drohen, das Material im Internet zu veröffentlichen. Auf diese Weise erpressen sie eine Menge Geld. „Diese Fälle sind 2018 massenhaft aufgetreten.“

Schwerpunktabteilung in Itzehoe gebildet

Da Cyberkriminelle oft bundes-, europa- und sogar weltweit ihr Unwesen treiben, seien die Strafverfolgungsbehörden in besonderer Weise auf die Kooperation mit Kollegen anderer Bundesländer bzw. Staaten angewiesen. Zum 1. März war bei der Staatsanwaltschaft Itzehoe eine Schwerpunktabteilung eingerichtet worden, die landesweit zur Bekämpfung herausgehobener Ermittlungsverfahren zuständig ist.

Zepter wies darauf hin, dass die Ermittlungsverfahren aufgrund der komplizierten Technik aufwendig und langwierig seien. „Die Kriminalität ist nicht mehr die, die wir noch vor ein paar Jahren kannten.“ Das mache sich auch bei der Bekämpfung von Rauschgiftkriminalität bemerkbar. Dort stieg die Anzahl der Verfahren auf knapp 12.800 (Vorjahr: etwa 11.900). Betäubungsmittel würden nicht mehr wie früher an dunklen Ecken gehandelt, sondern längst über das Internet. Zur Liberalisierung von Cannabis wollte sich Schleswig-Holsteins Generalstaatsanwalt nicht äußern. Das sei eine politische Frage. Er betrachte Cannabis aber als Einstiegsdroge. „Und der Stoff ist extrem gut geworden und hat eine ganz andere Wirkung als noch in der 1960er-Jahren. Damit ist er auch gefährlicher.“

200 Staatsanwälte ermitteln landesweit

Die digitale Entwicklung fordere die Staatsanwaltschaft mit all ihren Ressourcen, sagte Zepter. Derzeit seien landesweit 200 Staatsanwälte im Einsatz. Wie viele er benötigt? Er habe es sich abgewöhnt, darauf zu antworten. „Ich muss mit den vorhandenen Stellen auskommen. Nur so viel: Es muss dort dringend etwas getan werden.“

Insgesamt lag die Zahl der Ermittlungsverfahren mit 284.647 geringfügig über dem Vorjahr. Die Zahl der bekannten Tatverdächtigen stieg um 4742 auf 166.679 Personen

Unterdessen wuchs die Zahl der Ermittlungen wegen Korruptionsverfahren von 128 im Vorjahr auf 155. Rechtskräftig verurteilt wurden unter anderem ein Fahrzeugprüfer sowie ein Gebrauchtwagenhändler und ein Werkstattbetreiber. Der Prüfer hatte in sechs Fällen Hauptuntersuchungsberichte für angeblich mangelfreie Autos falsch beurkundet. Amüsant? „Die Folgen können verheerend sein“, sagte Oberstaatsanwältin Silke Füssinger. Bei Bremsversagen oder einem Achsenbruch gehe es schnell um Leben und Tod. „Korruption kann viele Gesichter haben. Die Folgen aber sind immer gleich: Das Vertrauen der Bürger schwindet.“

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