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Schleswig-Holstein Genossen laufen Sturm gegen Stegner
Nachrichten Schleswig-Holstein Genossen laufen Sturm gegen Stegner
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12:39 21.11.2018
Von Ulf Billmayer-Christen
In der SPD Schleswig-Holstein kracht es. Weil der Spitzenkandidat zur Europawahl ganz hinten landete, hagelt es Kritik am Landesvorsitzenden Ralf Stegner. Quelle: Ulf Dahl (Archiv)
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Kiel

Auslöser der Frustwelle ist die vom SPD-Vorstand in Berlin beschlossene Bundesliste für die Europawahl im Mai 2019. Der auf einer Parteiversammlung in Kiel nominierte Spitzenkandidat Enrico Kreft (40) landete dabei nur auf dem aussichtslosen Platz 32 – und das auch, weil die ursprünglich von Stegner favorisierte Vize-Juso-Bundesvorsitzende Delara Burkhardt (28) aus Stormarn den Top-Platz fünf bekam.

Ralf Stegner versicherte, dass er hinter verschlossenen Türen gegen den Listenvorschlag gestimmt und für Kreft geworben habe: „Ich teile den Frust der Mitglieder.“ Der Lübecker SPD reicht das nicht. „Wir erwarten, dass Ralf Stegner als Vize-SPD-Bundesvorsitzender zurücktritt, wenn er sich im Parteivorstand nicht durchsetzen kann“, sagte Kreischef Thomas Rother. „Der Unmut ist riesengroß“, ergänzte der Landtagsabgeordnete. „Die Bereitschaft, für die SPD in den Europawahlkampf zu ziehen, geht auf den Nullpunkt zu.“

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"Dann eben nicht" SPD wählen, meint Jürgen Weber

Verbittert und wütend ist die SPD nicht nur in Enrico Krefts Heimatverband Lübeck. „Die Nominierung von Enrico hatte mich bewogen, darüber nachzudenken, trotz aller europapolitischen Bedenken bei dieser Europawahl doch wieder SPD zu wählen. Dann eben nicht“, schimpfte Kiels Ex-SPD-Kreischef Jürgen Weber.

Kritik gab es auch am SPD-Bundesvorstand und insbesondere an Parteichefin Andrea Nahles. Mit dieser Liste gerate „die Entscheidung unserer Landesdelegiertenkonferenz zur Farce“, polterte Jörg Schimeck aus Scharbeutz. Er bedankte sich wie auch andere ausdrücklich für Stegners Einsatz in Berlin.

Krisengespräch mit Lübecker SPD-Genossen

Auf Facebook und Twitter wurde allerdings auch lebhaft darüber diskutiert, ob Stegner sich in Berlin nur nicht durchsetzen konnte oder es vielleicht gar nicht wollte. Stegner dementierte beides. Die Bundesliste sage nichts über sein politisches Gewicht in Berlin aus und zugunsten Burkhardts getrickst habe er schon gar nicht. Stegner: „Es gab keine finsteren Ränkespiele.“

Für Landes- und Fraktionschef Stegner bleibt es ungemütlich. Am Dienstag steht ein Krisengespräch mit den Lübecker Rebellen an. Zudem ist ein Treffen der Delegierten zur Bundesvertreterversammlung geplant. Die Versammlung wird am 9. Dezember 2018 in Berlin die Bundesliste endgültig beschließen.

Die Chancen für Kreft, über eine Kampfabstimmung einen besseren Platz zu ergattern, gelten als gering. Von den 200 Delegierten kommen gerade einmal acht aus Schleswig-Holstein.

 

Christian Hiersemenzel 21.11.2018
Christian Hiersemenzel 27.11.2018