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Schleswig-Holstein Impfpflicht: Experten sind skeptisch
Nachrichten Schleswig-Holstein Impfpflicht: Experten sind skeptisch
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19:01 23.05.2019
Von Jördis Merle Früchtenicht
Wie den Gefahren durch Impfen begegnet werden kann, ist am Donnerstag Thema einer Konferenz von Medizinern und Forschern in Hamburg.  Quelle: Ole Spata/dpa
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Hamburg/Kiel

Die von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) geplante Impfpflicht gegen Masern wird von Fachleuten nicht vorbehaltlos unterstützt. Der Leiter der Ständigen Impfkommission beim Robert-Koch-Institut (RKI), Thomas Mertens, fordert eine wissenschaftliche Begleitung der Impfpflicht. „Alle Institutionen müssen sehen, welche positiven und unter Umständen negativen Auswirkungen die Impfpflicht haben wird“, sagt der Experte am Rande des sechsten Nationalen Impfkongresses.

Nationaler Impfkongress findet in Hamburg statt

Bei dem Treffen in Hamburg tauschen sich rund 200 Fachleute vor dem Hintergrund neuer Herausforderungen wie der erhöhten Mobilität und einer zunehmenden Impfskepsis aus. Der zweitägige Kongress, der am Donnerstag begann, wird von Hamburg und Schleswig-Holstein ausgerichtet. Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) und seine Hamburger Amtskollegin, Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD), sprechen sich beide für eine Impfpflicht gegen Masern aus.

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Gesundheitsminister Garg ist für eine Impfpflicht

„Die Weltgesundheitsorganisation hat die Vermeidung oder Verzögerung von Impfungen zu einer der größten globalen Gesundheitsbedrohungen erklärt“, so Garg. Gemeinsames Ziel sei, dass so viele Menschen wie möglich ihren Beitrag zum Eigen- und Gemeinschaftsschutz leisten. „Daher befürworte ich eine Impfpflicht gegen Masern. Es gibt kein Recht auf die Freiheit, andere Menschen zu gefährden.“

Prüfer-Storcks ergänzt: „Da wir immer noch keine Immunisierung von 95 Prozent der Bevölkerung geschafft haben, ist es richtig, dass der Bundesgesetzgeber eine Impfpflicht gegen Masern bundeseinheitlich regeln will.“ Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) legte einen entsprechenden Gesetzesentwurf vor, unter anderem sind verpflichtende Masern-Impfungen für Kita- und Schulkinder vorgesehen.

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Diese Pläne sorgen bei Fachleuten für Diskussion. „Es gibt gute Gründe dafür und dagegen“, sagte der Leiter des Fachgebiets Impfprävention beim RKI, Ole Wichmann, am Rande der Impfkonferenz. „Bei Hypothesen muss man aufpassen, was man damit macht.“ Mit seiner Masern-Impfquote stehe Deutschland im internationalen Vergleich gar nicht so schlecht da.

544 Masernfälle gab es 2018 in Deutschland

Deutschlandweit gab es 2018 laut RKI 544 Masernerkrankungen, fünf davon in Schleswig-Holstein. Rund 97 Prozent der Schulanfänger in Deutschland waren 2017 einmal gegen Masern geimpft, aber nur 93 Prozent ein zweites Mal. Um einen Gemeinschaftsschutz zu gewährleisten, müssten 95 Prozent geimpft sein. Schleswig-Holstein steht bei den Zweitimpfungen mit einer Quote von 93,7 Prozent der Schulanfänger etwas besser dar als der Bundesdurchschnitt. Das Land will die Quote weiter erhöhen – unter anderem durch niederschwellige Impfangebote, etwa in Bildungseinrichtungen.

Vortrag zum Thema Impfen am 3. Juni in Kiel

Ein Vortrag zum Thema Impfen findet am 3. Juni um 19 Uhr in der Hermann-Ehlers-Akademie in Kiel, Niemannsweg 78, statt. Der Arzt Tobias Ankermann spricht zum Umgang mit Impfgegnern, der emotionalen Impf-Debatte und Fake News zum Thema. Der Eintritt ist frei, um Anmeldung unter 0431389241 wird gebeten.

Bastian Modrow 23.05.2019
Christian Hiersemenzel 23.05.2019
KN-online (Kieler Nachrichten) 23.05.2019