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Schleswig-Holstein Gericht weist Bus-Attentäter von Lübeck in die Psychiatrie ein
Nachrichten Schleswig-Holstein Gericht weist Bus-Attentäter von Lübeck in die Psychiatrie ein
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11:15 08.03.2019
Ein 34 Jahre alter Mann wurde wegen 48-fachen versuchten Mordes in Lübeck verurteilt. Quelle: Markus Scholz/dpa
Lübeck

Der 34-jährige Beschuldigte sitzt da wie immer: aufrecht, mit konzentriertem, leicht verwundertem Gesichtsausdruck. Er hat sich inzwischen einen Vollbart stehen lassen. Auch an diesem Tag trägt er im Gerichtssaal eine dicke Winterjacke. Einmal wendet er sich dem Publikum zu, als sei er erstaunt, dass so viele Menschen sich für seinen Fall interessieren.

Währenddessen verkündet der Vorsitzende Richter Christian Singelmann das Urteil: Das Gericht ordnet die Unterbringung des Beschuldigten in einer psychiatrischen Einrichtung an, er trägt die Kosten des Verfahrens. Es folgt damit den übereinstimmenden Anträgen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung.

Landgericht Lübeck: So viel Einigkeit bei Plädoyers ist selten

„Dass Plädoyers so übereinstimmend ausfallen, erlebt die Kammer nur selten“, bemerkt Singelmann. Alle seien sich einig gewesen, dass es sich um eine erschütternde Tat gehandelt habe. „Für viele Betroffene ist wenig so geblieben, wie es mal war.“

Am 20. Juli 2018 war der Täter an der Haltestelle Solmitzstraße in einen Linienbus in Richtung Travemünde eingestiegen, hatte dort Spiritusflaschen in Brand gesetzt. Mit einem Küchenmesser und mit Faustschlägen griff er Fahrgäste an und verletzte manche von ihnen schwer. Er machte damit auch außerhalb des Busses weiter, nachdem der Fahrer den Bus angehalten und die Türen geöffnet hatte.

Bus-Attentäter: Besonders schwere Brandstiftung, versuchter Mord

Nüchtern beschreibt Singelmann die Verletzungen der Opfer – die einfachen, die potenziell lebensbedrohlichen, die konkret lebensbedrohlichen des niederländischen Studenten Floris D., der nur durch eine Notoperation gerettet werden konnte. Er hatte gesehen, dass noch jemand im verqualmten Bus war, hatte ihm die Tür geöffnet und die Hand ausgestreckt. Es war aber der Täter, und der stach Floris D. in die Brust.

Ebenso nüchtern trägt Singelmann die juristische Bewertung der Tat vor: Wäre er schuldfähig, hätte der Täter sich der besonders schweren Brandstiftung, der versuchten Brandstiftung mit Todesfolge, der gefährlichen Körperverletzung mit gemeingefährlichen Mitteln und des versuchten Mordes schuldig gemacht.

Bus-Attentäter von Kücknitz besessen von Laserstrahlen

Was sich zugetragen hat, ist unstrittig. Es ist umfassend dokumentiert durch das Geständnis des Beschuldigten, durch sechs im Bus installierte Videokameras und durch Dutzende von Zeugenaussagen. Unstrittig ist aber auch, dass der Beschuldigte dafür nicht zur Verantwortung gezogen werden kann.

Es bestehe kein Zweifel, dass er die Tat „auf dem Boden einer schweren psychischen Erkrankung begangen hat“, stellte Singelmann fest. Seine paranoide Schizophrenie habe zu Wahngedanken, Halluzinationen und Denkstörungen geführt. „Monate vor der Tat ist belegt, dass Laserstrahlen das den Beschuldigten beherrschende Thema waren.“

Wiederholung wäre beim Busattentäter jederzeit zu befürchten

Bislang gebe es beim Beschuldigten nur eine teilweise Einsicht in die eigene Störung. Singelmann erinnerte an die eigentümliche Entschuldigung des Täters bei dem schwer verletzten Niederländer: Er habe ja nicht gewusst, dass es sich um holländische Touristen gehandelt habe, hatte er damals gesagt, er habe gedacht, sie seien Leute aus Kücknitz gewesen, die ihn mit Laserstrahlen angriffen.

Ohne eine Behandlung, betonte Singelmann, sei eine Wiederholung eines solchen Geschehnisses „jederzeit zu befürchten“. Es sei zu hoffen, dass dem Beschuldigten zu helfen sei, „damit er in ein normales, geregeltes Leben finden kann“. Die Sicherheitsbedingungen der psychiatrischen Unterbringung entsprechen denen eines Gefängnisses.

Unklar, wie lange Bus-Attentäter in der Psychiatrie bleibt

Einmal im Jahr wird sein Zustand begutachtet, alle drei Jahre wird dazu ein externer Gutachter herangezogen. Wie lange der Täter in der Psychiatrie bleiben wird, ist offen. Ein zeitlicher Rahmen ist nicht festgelegt. „Das kann 25 Jahre sein, das kann sein ganzes Leben sein, er kann aber auch nach drei Jahren wieder draußen sein“, sagte sein Verteidiger Oliver Dedow nach dem Urteil.

Von Hanno Kabel/LN/RND

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