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Schleswig-Holstein Attacken gegen Mitarbeiter nehmen zu
Nachrichten Schleswig-Holstein Attacken gegen Mitarbeiter nehmen zu
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10:55 25.01.2019
Der Hauptbahnhof in Kiel: Gewalt und Übergriffe auf Mitarbeiter in Zügen und Bussen nehmen zu. Quelle: Frank Peter
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Kiel

Am Mittwoch war in Kiel ein Kontrolleur in einem KVG-Bus der Linie 11 von einem Fahrgast angegriffen und verletzt worden. Kein Einzelfall: Erst vor wenigen Tagen war in Brunsbüttel ein Busfahrer mit Pfefferspray attackiert worden, in Lübeck kurz zuvor ein Mitarbeiter der Stadtwerke von zwei Fahrgästen geschlagen und gebissen worden.

In einem Regionalexpress von Büchen nach Hamburg bedrohte ein Mann eine Zugbegleiterin mit einem Messer. „Die Hemmschwelle für Attacken im öffentlichen Raum sinkt“, bestätigt ein Bahn-Sprecher.

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Quelle: Ulf Dahl

170 Angriffe auf Mitarbeiter der Bahn

170 Angriffe auf Lokführer, Zugbegleiter und Sicherheitskräfte sind zuletzt in Schleswig-Holstein bei der Bahn registriert worden. Die Bundespolizei in Kiel zählte zwölf Strafanzeigen wegen Körperverletzungen und Beleidigungen.

Lesen Sie hierzu auch: KN-Talk - Schlechte Noten für die Bahn

Bundesweit wurden 2017 rund 2550 Körperverletzungen gemeldet. Zum Vergleich: 2015 hatte die Bahn mit 1876 Körperverletzungen fast 700 Angriffe weniger gezählt. Die Bilanz für das vergangene Jahr liegt noch nicht vor. In den ersten Monaten 2018 zeichnete sich jedoch bereits ein weiterer Anstieg ab.

Viele Übergriffe auf Kontrolleure an Wochenenden

Die Bundespolizei beobachtet auf Bahnhöfen und in Zügen, dass „Pöbeleien und Respektlosigkeiten grundsätzlich zunehmen“, sagt der Kieler Behördensprecher Sven Klöckner. Auch den Berufsgenossenschaften bereitet die Entwicklung Sorge: „Übergriffe auf Beschäftigte gehören in der Branche ÖPNV/Bahnen zum alltäglichen Geschäft“, heißt es bei der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG).

Rund zehn Prozent der bei der VBG gemeldeten Arbeitsunfälle der Branche seien Übergriffe. Nach Zahlen der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG ist die Zahl von Körperverletzungen im Regionalverkehr deutlich höher als im Fernverkehr. Besonders viele Übergriffe ereignen sich an den Wochenenden.

Der niedergeschlagene Kontrolleur der KVG befindet sich auf dem Weg der Besserung. Er wolle kommende Woche wieder zur Arbeit gehen, berichtete eine Sprecherin. Das Kieler Unternehmen selbst sieht keine Zunahme von Gewaltdelikten gegen Kontrolleure oder Fahrer und nennt auf Nachfrage „etwa einen Vorfall dieser Art im Jahr“.

Von Bastian Modrow und Ulrich Metschies