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Schleswig-Holstein Rekord: Mehr als 500.000 Überstunden
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17:52 12.02.2020
Von Niklas Wieczorek
Kontrolle vor einem Konzert in Kiel: Die Gewerkschaft der Polizei hat mehr als eine halbe Million Überstunden bei der Landespolizei Schleswig-Holstein gezählt. Quelle: Thomas Eisenkrätzer (Archiv)
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Kiel

"Die Zahlen alarmieren. Die Kolleginnen und Kollegen stehen immer öfter und länger in den Stiefeln und arbeiten länger in ihren Büros", sagt GdP-Landesvize Sven Neumann. Zum Stichtag 2020 lagen die Zahlen der Gewerkschaft zufolge 6,62 Prozent über denen des Vorjahres, sogar 36 Prozent über denen von 2016.

Auch das Innenministerium bestätigte auf Anfrage von KN-online einen extrem hohen Stand am Stichtag 30. November: Die zu dem Zeitpunkt gemeldeten 502.000 Überstunden seien aber bereits rund 50.000 weniger als beispielsweise im September 2019. "Die ersichtliche Steigerung im vergangenen Jahr führen wir auf Sondereinsätze, zum Beispiel im Zusammenhang mit dem Tag der Deutschen Einheit oder der Ausrichtung der Innenministerkonferenzen in Kiel und Lübeck, zurück", sagte Innenminister Hans-Joachim Grote.

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GdP fordert Extralohn für Überstunden

Fast schlimmer: Die GdP verfüge außerdem über Erkenntnisse, wonach den Polizisten ein Zeitausgleich immer wichtiger werde als eine Auszahlung. Diese ersetze eben nicht die Zeit mit Familie und Freunden, heißt es von der Gewerkschaft. "Hier deutet sich an, dass unseren Kolleginnen und Kollegen Freizeit wichtiger ist als der finanzielle Anreiz", sagt Neumann.

Überstunden kommen oft spontan durch Eingriffe in feste Dienstpläne zustande. Das werfe private Planungen und Betreuungssituationen über den Haufen, so die GdP: Um dem Überstundenberg irgendwie beizukommen, fordert die Gewerkschaft daher besondere monetäre Gutschriften.

"Bis ausreichend Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Verfügung stehen, um Überstunden weitestgehend zu vermeiden, sollte je angefallener Überstunde eine Extrazahlung von fünf Euro je Stunde eingeführt werden", sagt Neumann. Eine Überstunde werde bereits jetzt vom Dienstgrad abhängig mit einem Beitrag zwischen 15,80 Euro und 29,89 pro Stunde abgegolten, so das Ministerium.

Lesen Sie auch:Runter vom Überstundenberg

Insgesamt werde die Polizei in dieser Wahlperiode um 500 Personen erhöht, so das Ministerium. Weitere Stellen zur Bewältigung der Flüchtlingskrise würden nicht gestrichen, und 20 zur Bekämpfung von Cyberkriminalität kämen noch hinzu. Die Zahl der Polizisten in Ausbildung sei erheblich erhöht worden.

Das kommt laut GdP zwar langsam auf den Dienststellen an. Aber es zeige auch, wie dringend die Verstärkung benötigt werde. Die Gewerkschaft der Polizei erarbeitet daher selbst ein Papier "Wie viel und welche Polizei braucht Schleswig-Holstein", was sie bereits 2016 eimmal herausgegeben hatte.

319 Vollzeitstellen seien notwendig für Überstundenabbau

Bereits jetzt, und ohne neue Tätigkeitsfelder wie eine zweite Einsatzhundertschaft einzurechnen, sei klar, dass 319 Vollzeitstellen mehr notwendig wären – um jenen Überstundenberg von mehr als 500.000 Stunden abzubauen, heißt es von der Gewerkschaft.

Und die GdP verweist zusätzlich darauf, dass in den vergangenen Tagen zahlreiche Sondereinsätze durch Demonstrationen nach der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen angefallen seien. Diese seien in dem erdrückenden Zwischenstand von Anfang Januar noch gar nicht enthalten. Das Ministerium verweist auf einen guten Dialog mit der GdP, der bereits zur Verbesserung der Einstiegsgehälter, Entlastung beim Wechselschichtdienst und Erhöhung der Erschwerniszulage geführt habe.

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KN-online (Kieler Nachrichten) 12.02.2020