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Schleswig-Holstein St. Marien ruft mit 9 Glocken zum Gebet
Nachrichten Schleswig-Holstein St. Marien ruft mit 9 Glocken zum Gebet
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14:17 14.04.2019
Foto: Ein Arbeiter zieht eine Glocke am Turm der Marienkirche mit einem Kran hoch. In der Lübecker Marienkirche wurden am Sonntag zwei neue Glocken geweiht.
Ein Arbeiter zieht eine Glocke am Turm der Marienkirche mit einem Kran hoch. In der Lübecker Marienkirche wurden am Sonntag zwei neue Glocken geweiht. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa
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Lübeck

77 Jahren nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ist das Festtagsgeläut der Lübecker Marienkirche wieder komplett. Am Sonntag wurden in einem Festgottesdienst zwei neue Glocken geweiht. Die "Ratsglocke" und die "Glocke der Gastfreundschaft" ergänzen das bislang aus sieben Glocken bestehende Geläut.

"Für viele hundert Jahre wird das größte Geläut der Nordkirche den Klang unserer Kirche und unserer Stadt prägen", sagte Marienpastor Robert Pfeifer am Sonntag.

Die Patenschaft für die "Ratsglocke" übernahm Lübecks Bürgermeister Jan Lindenau, Bischöfin Kirsten Fehrs wurde Patin für die "Glocke der Gastfreundschaft". Mit dieser Namensgebung wolle die Gemeinde ihre Weltoffenheit und Toleranz zeigen, sagte Pfeifer. 

Palmsonntag wurde mit Bedacht gewählt

Der Termin für die Glockenweihe am Palmsonntag - dem Sonntag vor Ostern - hat Symbolwert. Bei der Bombardierung Lübecks durch die Alliierten am Palmsonntag 1942 gingen die historischen Glocken von St. Marien verloren. Die beiden neuen Glocken im Wert von rund 80.000 Euro sind ein Geschenk eines hochbetagten Lübeckers an die Mariengemeinde.

Im Gottesdienst wurden die neuen Glocken zunächst einzeln vorgestellt. Nach der Feier waren dann erstmals alle neun Glocken gemeinsam zu hören. "Durch die neuen Glocken hat das Geläut einen runderen, volleren Klang erhalten", sagte der Vorsitzende des Marienbauvereins, Volker Schulze. Der Glocken- und Orgelliebhaber war von 1979 bis 2008 Pastor von St. Marien. "Der Klang ihrer Glocken ist so etwas wie der hörbare Fingerabdruck einer Kirche", sagte er.

Eine der Lübecker Glocken wurde von Adenauer gestiftet

Nur drei Glocken im Marien-Geläut sind historisch. Sie wurden zwischen 1719 und 1740 gegossen und hingen ursprünglich in Danziger Kirchen. Nach dem Zweiten Weltkrieg gelangten sie über den Hamburger Glockenfriedhof in die Lübecker Marienkirche. Deren eigene Glocken waren bei der Bombardierung Lübecks am Palmsonntag 1942 zerstört worden.

Die fast 5,8 Tonnen schwere "Pulsglocke" stiftete Bundeskanzler Konrad Adenauer 1951 zur 700-Jahr-Feier von St. Marien. Drei weitere Glocken kamen 1985 hinzu. "Doch der Klang blieb mickrig, was auch an der Art der Aufhängung und am Glockenstuhl aus Stahl lag", sagte Schulze. Im Jahr 2005 wurde die Stahlkonstruktion durch eine aus Holz ersetzt. 

Neue Läuteordnung in Kraft

Mit den neuen Glocken hat St. Marien auch eine neue Läuteordnung bekommen. Die legt fest, welche Glockenkombination zu welchem Anlass geläutet wird. "Jede Glocke hat eine eigene Bedeutung, die aber heute kaum noch jemand kennt", sagt Pfeifer. Deshalb plane er für den Sommer eine Vorstellung und Erläuterung der einzelnen Glocken.

Von RND/dpa