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Schleswig-Holstein Elsflether Werft stellt Insolvenzantrag
Nachrichten Schleswig-Holstein Elsflether Werft stellt Insolvenzantrag
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16:20 20.02.2019
Von Frank Behling
Die "Gorch Fock" soll jetzt im Dock der Werft abgedichtet und schwimmfähig gemacht werden. Quelle: Frank Behling
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Bremerhaven/Kiel

Die finanzielle Lage der Werft hatte sich in den letzten Wochen zugespitzt. Das Unternehmen hatte zuletzt Forderungen von Unterlieferanten nicht mehr beglichen. Zuvor war die Werft bereits bei der Koordinierung und Abarbeitung der Sanierung des Segelschulschiffes "Gorch Fock" seit 2015 wiederholt in Schwierigkeiten geraten.  

Wie es mit der "Gorch Fock" weitergeht, steht derweil völlig in den Sternen. Nachdem schwere Vorwürfe der Korruption im Dezember bekannt wurden, hatte das Verteidigungsministerium alle Zahlungen an die Elsflether Werft gestoppt.

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Ermittlungen der Justiz laufen weiter

Im Rahmen der Aufarbeitung waren dann im Januar weitere Vorwürfe gegen die inzwischen abgesetzte Werftführung bekannt geworden. So sollen Gelder in einem schwer nachvollziehbaren Geflecht aus Gesellschaften abgeflossen sein. Die Staatsanwaltschaften Hamburg und Osnabrück ermitteln in diesen Fällen. 

Inzwischen bangen aber nicht nur die 120 Mitarbeiter der Elsflether Werft um ihre Jobs, sondern auch die 116 Mitarbeiter der Dockbetriebe Bredo in Bremerhaven. Die Werft Bredo ist einer der Gläubiger der Elsflether Werft. Bei der Werft liegt die "Gorch Fock" im Dock.

Zukunft der "Gorch Fock" ist ungewiss

Bei Bredo hatte Elsfleth 2015 ein Schwimmdock gemietet und Arbeiten an der "Gorch Fock" im Unterauftrag vergeben. Dort sollen ebenfalls Rechnungen im siebenstelligen Bereich offen sein. "Die Verunsicherung in der Belegschaft ist natürlich auch bei Bredo groß", sagte Doreen Arnold, 1. Bevollmächtigte der Gewerkschaft IG Metall für den Bereich Weser Elbe

Das Verteidigungsministerium ist unterdessen fest entschlossen, keine weiteren Zugeständnisse mehr zu machen.Die Kosten für die Sanierung der "Gorch Fock" sind seit 2015 von zehn auf 135 Millionen Euro gestiegen.  Zuvor hatte die Elsflether Werft die Bark bereits 2008, 2010 und 2012 für fast 30 Millionen Euro  saniert und repariert. "Eine Aussage, wann das Schiff wieder fahren wird, kann nicht gemacht werden", heißt es aus dem Ministerium. 

"Es geht jetzt erst einmal nur darum, die 'Gorch Fock' wieder schwimmfähig zu machen. Wie und wo es danach weitergeht, muss man dann sehen", sagte Verteidigungsexperte und Mitglied im Verteidigungsausschuss Ingo Gädichens (CDU) nach der Sitzung des Ausschusses am Mittwoch.

Ministerium sieht in Insolvenz auch Chancen für "Gorch Fock"

Das Verteidigungsministerium sieht in dem geplanten Insolvenzantrag der Elsflether Werft AG Chancen und Risiken für eine weitere Sanierung der "Gorch Fock". Das Hauptrisiko sei, dass weitere Instandhaltungskosten durch Verzögerungen entstehen, sagte ein Ministeriumssprecher am Mittwoch in Berlin. Gleichzeitig biete das Verfahren aber die Chance, "Optimierungen" bei den Verträgen zu erreichen.

FDP und Grüne beantragen Einfrieren der Arbeiten 

FDP und Grüne im Bundestag wollen, dass die Sanierung des maroden Segelschulschiffs "Gorch Fock" zunächst auf Eis gelegt wird. Die Arbeiten an dem Schiff seien bis "zur Klärung aller offenen Fragen sofort einzustellen", hieß es am Mittwoch in einem für die Sitzung des Haushaltsauschusses vorbereiteten Antrag. Die Bundesregierung solle zudem bis zum 15. März berichten, welche finanziellen und zeitlichen Auswirkungen eine Insolvenz der Elsflether Werft AG auf die Fertigstellung der "Gorch Fock" habe.

Grünen-Verteidigungspolitiker Tobias Lindner warf dem Verteidigungsministerium vor der Sitzung vor, in dem Sanierungsfall eine "Salami-Taktik" zu fahren.

"Jetzt implodiert die Gorch-Fock-Sanierung. Wenn die Werft Insolvenz anmeldet, dann kommt die Sanierung des Schiffs womöglich zum Vollstopp", teilte FDP-Haushaltspolitiker Karsten Klein mit. "Es ist zu befürchten, dass die Kosten dann noch einmal massiv steigen, alleine schon wegen des Eigentumsvorbehalts nicht bezahlter Subunternehmer." Die Bundesregierung müsse sicherstellen, dass der Steuerzahler für Teile der Gorch Fock nicht zweimal bezahlt.

Steuerzahlerbund fordert Abwracken der "Gorch Fock"-Bau

Der Bund der Steuerzahler Schleswig-Holstein hat einen sofortigen Stopp der Sanierungsarbeiten am Marine- Segelschiff "Gorch Fock" gefordert. "Seit zehn Jahren wurden Millionen an Steuergeldern für die Sanierung der "Gorch Fock" sinnlos verschwendet. Dabei war schon damals klar, dass das Segelschulschiff nicht mehr zu retten ist, weil der Rumpf völlig verrostet ist", sagte Geschäftsführer Rainer Kersten der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch). Die Marine müsse die "Gorch Fock", deren Heimathafen Kiel ist, sofort abwracken und dann den Bau eines neuen Schulschiffes prüfen oder mit anderen Staaten zusammen ein Schulschiff betreiben. "Das alles wäre für den Steuerzahler günstiger." 

mit dpa

KN-online (Kieler Nachrichten) 21.02.2019