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Schleswig-Holstein Belastete Eier in Salaten aus Lübeck
Nachrichten Schleswig-Holstein Belastete Eier in Salaten aus Lübeck
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11:54 05.08.2017
Gift-Eier wurden nun erstmals in Fertig-Salaten aus Lübeck entdeckt. Die Produkte werden unter anderem in Supermärkten in Schleswig-Holstein vertrieben. Quelle: imago/chromorange (Symbolfoto)
Kiel/Lübeck

Mit Fipronil belastete Eier oder daraus erzeugte Produkte sind inzwischen in 14 Bundesländern gefunden worden. Die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd räumten am Freitag alle Eier aus den Regalen. Am Abend wurden außerdem erstmals verarbeitete Produkte zurückgerufen: Das Unternehmen "Neue Mayo Feinkost" aus Lübeck rief sechs Salatprodukte zurück, für die Fipronil-Eier verarbeitet worden sein sollen. Betroffen sind hier Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

Diese Produkte von "Neue Mayo Feinkost" sind laut Lebensmittelwarnung.de betroffen:

  • Porreesalat Toscana
  • Oma's Pellkartoffelsalat MHD 16.08.217
  • Gosch Sonntagsfrühstück
  • Eiersalat klassisch MHD 18.08.2017
  • Hofgut Eiersalat MHD 16.08.2017
  • Hofgut Thunfischsalat MHD 16.08.2017

Chronologie: Der Fipronil-Eier-Skandal

Kritik am Krisenmanagement: Schmidt wehrt sich

In der Affäre um giftbelastete Eier wehrt sich Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) gegen Kritik an seinem Krisenmanagement. «Die Lebensmittelüberwachung ist Aufgabe der Bundesländer. Trotzdem hat sich mein Haus unverzüglich eingeschaltet und befindet sich seit Bekanntwerden der Betroffenheit Deutschlands im engen Austausch mit den Behörden der Länder», sagte Schmidt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, dem auch die Kieler Nachrichten angehören.

Die Experten seines Hauses und der nachgeordneten Behörden seien «seit Tagen nahezu rund um die Uhr im Einsatz, um weitere Kenntnisse über den Sachverhalt zu erlangen und um den Informationsaustausch zwischen den Behörden sicherzustellen», betonte der CSU-Politiker in der «Passauer Neuen Presse».

Göring-Eckard: Verbraucher sind verunsichert

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hatte ihm zuvor vorgeworfen, tagelang in der Versenkung zu verschwinden, während die Verbraucher verunsichert seien. Dazu sagte Schmidt, er persönlich halte es für nicht angezeigt, «mit diesem Thema Wahlkampf zu machen».

Zum Vorwurf, dass es nicht genügend Lebensmittelkontrolleure gebe, sagte Schmidt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland: «Es waren doch gerade die amtlichen Kontrollen, die den Vorgang aufgedeckt haben. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass Lebensmittelbetrug und kriminelle Energie nie zu 100 Prozent ausgeschlossen werden können.»

Fipronil wurde in den Niederlanden eingesetzt

Vor allem in den Niederlanden war in Legehennenbetrieben das für diesen Zweck verbotene Insektengift Fipronil eingesetzt worden, viele der dort produzierten Eier wurden nach Deutschland verkauft. Die giftige Substanz gelangte nach derzeitigem Stand der Ermittlungen über das Reinigungsmittel Dega-16 in die Ställe. Vermutlich hatte ein belgischer Hersteller Fipronil beigemischt.

Ex-Agrarministerin Renate Künast fordert eine bessere Abstimmung zwischen Bund und Ländern bei Lebensmitteltests. «Dann kann nämlich jedes Bundesland seine Testkapazitäten auf andere Produktgruppen konzentrieren. So kommt man schneller zu einem Ergebnis», sagte die Grünen-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur. «Wenn es schnell gehen soll und umfassend sein soll, dann muss der Bundesminister dafür Sorge tragen, dass es ein abgestimmtes Vorgehen gibt.»

Ihrem Nachfolger Schmidt wirft Künast vor, er habe sich nach Bekanntwerden des Problems erst einmal nicht gekümmert. «Obwohl sich das Land entgeistert gefragt hat: Was machen eigentlich Läusebekämpfungsmittel in meinem Ei?»

Bauernverband fordert Schadenersatz

Der Deutsche Bauernverband fordert Schadenersatz für alle Hühnerbetriebe, die von dem illegalen Fipronil-Einsatz betroffen sind. «Die betroffenen Landwirte dürfen nicht auf ihren Schäden sitzen bleiben und müssen entschädigt werden», sagte der stellvertretende DBV-Generalsekretär Udo Hemmerling den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Ein weiteres Problem mit Eiern: Wegen des Verdachts auf Salmonellen rief das Regensburger Unternehmen Axvitalis in vier Bundesländern Eier aus Bodenhaltung zurück. Betroffen sind Bayern, Baden-Württemberg, Thüringen und Hessen, wie es am Freitagabend auf der Seite lebensmittelwarnung.de hieß. Bei einer Untersuchung sei das Bakterium Salmonella Enteritidis nachgewiesen worden.

Lebensmittelskandale um Geflügel und Eier

Lebensmittelskandale

Giftfunde in Geflügel und Eiern haben in Deutschland schon einige Lebensmittelskandale ausgelöst.

DIOXIN: Mit dem als krebserregend geltenden Gift belastete Eier sorgten mehrfach für Schlagzeilen. Unter anderem schrecken Ende 2010 Dioxinfunde in Eiern und Geflügel die Verbraucher auf. Tausende Bauernhöfe werden bundesweit gesperrt, Legehennen getötet und der Verkauf von Eiern aus betroffenen Betrieben gestoppt. Als Auslöser gilt verunreinigtes Futtermittel. Auch 2012 werden in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen mit Dioxin und dem dioxinähnlichen PCB (Polychlorierte Biphenyle) verunreinigte Eier entdeckt und aus dem Handel zurückgerufen.

NIKOTIN: 2006 werden Millionen Eier aus einem niedersächsischen Unternehmen nach Nikotinfunden vernichtet. Zwei Männer werden beschuldigt, illegal Nikotinsulfat bei der Reinigung von Ställen eingesetzt zu haben.

NITROFEN: 2002 müssen Zehntausende Legehennen getötet und Eier von Öko-Bauernhöfen vernichtet werden, nachdem bei Tests das Unkrautvernichtungsmittel Nitrofen nachgewiesen worden ist. Händler stoppen vorsorglich den Verkauf von Eiern und Geflügel aus ökologischem Landbau. Quelle ist Futtergetreide, das in einer Halle gelagert wurde, in dem zu DDR-Zeiten Pestizide aufbewahrt worden waren.

Von KN/dpa

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